Demo-Verbot für Atheisten in Spanien


Die Fußwaschung und das Letzte Abendmahl (Altarretabel des Sieneser Doms) Bild: wikipedia

Als „klare Provokation für Katholiken“ bezeichnet die Regionalregierung von Madrid einen Protest am Gründonnerstag

Von Ralf StreckTelepolis

Die konservative Regionalregierung in der spanischen Region Madrid, zu der die Hauptstadt gehört, hat es Atheisten verboten, am Gründonnerstag zu demonstrieren. Das Datum, die Uhrzeit und der von den Veranstaltern gewählte Ort für die Demonstration „an einem für Katholiken so bedeutsamen Tag“, an dem gleichzeitig religiöse Akte zelebriert würden, „ist wenigstens dem Willen zur Provokation geschuldet“, heißt es in der Verbotsverfügung der Regierung.

Obwohl die Veranstalter drei alternative Routen zum zentralen Platz im Stadtteil Lavapies angeboten hatten, wurden sie allesamt verboten, weil alle Routen „nahe an Zonen“ lägen, in denen „traditionell katholische Prozessionen“ stattfänden. Allein dadurch könne es sich um „Zwang oder Einschüchterung für den Ausdruck des katholischen Glaubens“ handeln, wird in einem angeblich laizistischen Staat argumentiert, um mit der Demonstrationsfreiheit ein Grundrecht auszuhebeln.

Wie sensibel katholische Fundamentalisten reagieren, haben sie im vergangenen Jahr zum Papst-Besuch deutlich gemacht. Damals hatte Ana Botella, die Frau von Ex-Ministerpräsident José María Aznar, davon gesprochen, dass mit Demonstration gegen den Besuch von Benedikt XVI. provoziert werden solle. Die frühere Verantwortliche für Umwelt und Verkehr in Madrid wollte deshalb alle Proteste verbieten. Sie ist in ihrer postfaschistischen Volkspartei (PP) zur Bürgermeisterin der Hauptstadt aufgestiegen.

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