„Hütet euch vor Priestern, Dieben und Häuptlingen“

Symbolbild / Bild: (c) EPA (Jim Hollander)

Matt Ridley ist kein heilloser, sondern ein rationaler Optimist. Drei Faktoren jedoch könnten seiner Ansicht nach die Entwicklung bremsen: Religion, Korruption und Bürokratie.

Von CHRISTIAN ULTSCHDie Presse

Sie haben eine schulpflichtige Tochter. Ich nehme an, als „rationaler Optimist“ gehen Sie davon aus, dass sie einmal in einer besseren Welt leben wird.

 Matt Ridley: Sicherlich.

Und was macht Sie so sicher?

Sicher kann man natürlich nicht sein. Ein Asteroid, ein Atomkrieg oder eine andere Katastrophe könnten die Zivilisation auslöschen. Das schließe ich nicht aus. Aber wahrscheinlicher ist, dass der Lebensstandard in den nächsten 70 oder 80 Jahren enorm steigt. Unser Lebensstandard wächst, weil wir füreinander arbeiten. Und dieser Prozess weitet sich aus. Innovation entsteht, wenn Menschen ihre Ideen austauschen können. Auch dieser Vorgang beschleunigt sich und wird leichter, durch das Internet und andere neue Kommunikationstechnologien.

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Warum wir ewig leben wollen

Der Mensch wird in seinem Körper wieder auferstehen, meinten die frühen Christen. (Bild: picture alliance / Klaus Rose)

Manche streben nach großen Taten für den ewigen Ruhm, andere lassen ihren Körper tiefgefrieren: Der Wunsch nach Unsterblichkeit prägt unsere Zivilisation. Warum? Weil die Angst vor dem Tod ganz natürlich ist, schreibt der britische Diplomat und Philosoph Stephen Cave.

Von Adolf StockDeutschlandradio Kultur

Was tun wir nicht alles für die Unsterblichkeit: Wir lassen uns tiefgefrieren, um eines Tages wieder aufzuerstehen, wir ziehen in grausame Kriege für den ewigen Ruhm, wir meditieren Tag für Tag, um die Ewigkeit zu spüren, oder führen ein gottgefälliges Leben, in der Hoffnung auf Himmelsfreuden und Seelenheil.

„Die Frage ist, warum haben wir diese Todesangst überhaupt? Wir haben diese Todesangst nicht, weil sie wahr ist, weil sie objektiv begründet ist, sondern weil sie nützlich ist, weil nur die Wesen, die Angst vor dem Tod haben, lange genug überleben, um sich fortzupflanzen, ihre Gene weiterzugeben. Also, es ist tief in allen unseren Knochen, dass wir Angst vor dem Tod haben.“

Das sagt Stephen Cave, Verfasser des Buchs „Unsterblich“, in dem er versucht, unseren Wunsch nach dem ewigen Leben zu verstehen. Dieser Wunsch, so Cave, entspringt einem Paradoxon: Wir wissen um die Unendlichkeit, und gleichzeitig wissen wir auch, dass wir sterben müssen. Um das ewige Leben zu finden, haben die Menschen mehr oder weniger kluge Strategien entwickelt. Dabei unterscheidet Cave vier grundsätzliche Wege, die zur Unsterblichkeit führen sollen.

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Glaube, Sitte, Heimat – JA: Aber bitte nicht schwul!

Der Kölner Weihbischof Heiner Koch (links) bekam wegen des Neins der katholischen Schützen zu gleichgeschlechtlichen Königspaaren Morddrohungen per E-Mail
Foto: pa/dpa; dpa/Martin Gerten, Christiane Schräder

Eine katholische Schützenbruderschaft will kein schwules Königspaar dulden. Doch auch in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft gibt es für ein Verbot Gründe.

Von Gernot FaciusWELT ONLINE

Nur eine rheinische Provinzposse? Nein, der Leverkusener Beschluss der (katholischen) Historischen Schützenbruderschaften, homosexuellen Königspaaren öffentliche Auftritte zu verwehren, steht exemplarisch für den Grundsatzkonflikt zwischen Religion, Religionsfreiheit und dem Wandel im ethischen Bewusstsein. Bischöfe möchten die alte kirchliche Lehrmeinung zum Ausdruck bringen, die Ehe von Mann und Frau habe eine besondere, über andere Lebensformen hinausgehende Bedeutung.

Homosexuelle Menschen sollten keineswegs ausgegrenzt werden, beteuern sie, man wolle aber verhindern, dass das öffentliche Auftreten als Schützenkönig und -königin als Demonstration dafür missbraucht werde, jede partnerschaftliche Beziehung sei gleichwertig und gleichartig.

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„Pussy Riot“: Mitgliedern droht Haftstafe

Mitgliedern der russischen Gruppe „Pussy Riot“ droht eine Haftstrafe. Quelle: dapd

Wie hart darf ein Staat Künstlerinnen bestrafen, die in einer Kirche den Altar stürmen und regierungskritische Phrasen grölen? In Russland versteht die orthodoxe Kirche keinen Spaß – es drohen bis zu sieben Jahren Haft.

Handelsblatt

An drei jungen Frauen will Russland offenbar ein Exempel statuieren. Mit Handschellen und in Käfige eingesperrt – wie Schwerverbrecher führt die Justiz die Mütter den Medien vor. Ihr Vergehen: Sie sollen im Heiligtum der einflussreichen orthodoxen Kirche ein schrilles Lied gegen den künftigen Präsidenten Wladimir Putin gesungen haben.

Wegen Rowdytums drohen ihnen nun bis zu sieben Jahre Haft. Eine Verurteilung wird nach Ansicht von Experten immer wahrscheinlicher: Kirchenoberhaupt Kirill kritisiert in seiner ersten Stellungnahme die mutmaßlichen Mitglieder der Punk-Band „Pussy Riot“ mit harschen Worten.

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Außen Schnecke, innen Hightech

Bild:www.keiththompsonart.com

In Labors werden Chips und Elektroden in Insekten und Weichtiere implantiert. Ferngesteuert sollen sie Gifte aufspüren und die Forschung vorantreiben
Mithilfe der Manipulationen wollen Forscher energieautarke Prothesen und neue Therapien für den Menschen entwickeln.

Von Silvia von der WeidenWELT ONLINE

Mischwesen, bei denen Maschinenteile den lebendigen Organismus ergänzen, kennt seit „Terminator“ jeder. Aber die Fiktion wird Wirklichkeit: Forscher züchten mittlerweile Schaben, Nachtfalter, Würmer und Schnecken – und versuchen, mit ihrer Hilfe Energie zu gewinnen oder sie als winzige und unauffällige Späher zu benutzen. Ist das wirklich noch sachliche Wissenschaft – oder entstehen in den Labors merkwürdige Cyborgs?

Noch leben die Versuchstiere abgeschottet in den Labors der Forscher. Daniel Scherson etwa hat mit seinem Team eine Brennstoffzelle entwickelt, die in einer Schabe funktioniert. Der Chemieprofessor von der Case Western Reserve University gewinnt mithilfe dieser Brennstoffzelle elektrischen Strom aus dem Blut einer Kakerlake, genauer aus dem darin enthaltenen Zucker. Das Minikraftwerk implantierten die Forscher in den Hinterleib der Schabe, wo es zweieinhalb Stunden lang Strom lieferte. Über das Experiment berichteten sie im „Journal of the American Chemical Society“.

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