Neocons und Theocons

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In den USA liefern sich derzeit die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Romney und Santorum ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Mormone und Multi-Millionär Mitt Romney gilt als gemäßigter Neokonservativer, Rick Santorum steht den Evangelikalen nahe, weit abgeschlagen sind der erzkonservative Newt Gingrich und Ron Paul, der Tea-Party-Libertäre. Wie ist die Rolle der Evangelikalen einzuschätzen, die in den Medien und bei den Massen der USA einen für europäische Maßstäbe ungewöhnlich großen Einfluss haben? Schon Bush und Blair rechtfertigten ihre Irak-Kriegspolitik auch mit religiösen Werten (Von Gott gerechtfertigte Kriegspolitik?).

Von Thomas BarthTelepolis

Sie publizierten 2007, noch zu Zeiten von George W. Bush, ein Buch unter dem Titel „Amerika: Mit Gewalt in den Gottesstaat“, in dem Sie eine profunde Materialsammlung und kritische Analyse Amerikas rund um eine theologische Kritik der Evangelikalen aufbauen. Die Neocons, die Neokonservativen, befinden sich demnach mit den Theocons, den „religiösen Rechten“, im Ringen um die Dominanz in der Republikanischen Partei und in der US-Politik generell. Santorum versus Romney scheinen für dieses Ringen zu stehen, in dem derzeit mit Romney die Neocons vorne liegen. Wieso ist es heute nötig, sich zur Beurteilung der USA, also des führenden modernen Industriestaates westlicher Prägung, mit anachronistisch wirkenden Fundamentalisten wie den Evangelikalen zu befassen?

Gerhard Padderatz: Die USA waren schon immer religiöser als andere westliche Industrienationen. Schon vor der Regentschaft von George W. Bush begannen evangelikale Kräfte, langsam die Oberhand zu gewinnen. Wir dürfen allerdings nur zwei Drittel der Evangelikalen zu den Fundamentalisten zählen. Aber auch das sind immerhin rund 65 Millionen.

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Reason Rally 2012: Das Outing der Ungläubigen

Wollen ernst genommen werden: Nichtgläubige Protestierende an der vergangenen Reason Rally. (24.3.2012)
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Am Wochenende fand in Washington der grösste Säkularisten-Event der Geschichte statt. Religionsexperte Hugo Stamm über die wachsende Zahl an Nichtgläubigen in den USA.

Von Nina MerliBasler Zeitung

Sie trotzten dem Regenwetter und versammelten sich am vergangenen Samstag zu Tausenden auf der National Mall in Washington. Sie hielten Transparente mit Botschaften wie «Smile, there is no hell» oder «Hi Mom, I’m an Atheist» in die Luft und protestierten an der ersten Reason Rally 2012 (Kundgebung der Vernunft) für eine Ablehnung der Idee von Gott. Laut Veranstalter handelte es sich um die «grösste Coming-Out-Party» für die am schnellsten wachsende religiöse Gruppierung der USA, die Nichtgläubigen.

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„Geistliche Erweckung in Nordafrika“

Karte: CIA-Fact Book - US Government

Der „Arabische Frühling“ hat im muslimisch geprägten Nordafrika zu einem wachsenden Interesse am christlichen Glauben geführt. Das wurde bei den Beratungen des Leitungsgremiums der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) deutlich. Die Exekutive tagte vom 23. bis 26. März in Amman (Jordanien). Im vergangenen Jahr hätten sich in Nordafrika 110.000 Personen – vor allem ehemalige Muslime – für ein Leben als Christ entschieden, hieß es unter Berufung auf evangelikale Pastoren in der Region.

idea.de

Damit seien in einem Jahr mehr Menschen „wiedergeborene Christen“ geworden, als es zuvor in allen arabischen Ländern zusammen gegeben habe. „Die Kirche erlebt eine Erneuerung“, sagte ein Repräsenant aus der Region, der aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden will. Ehemalige Muslime, die zum Christentum übergetreten seien, erzählten offen von ihren Glaubenserfahrungen und stießen damit auf Interesse: „Was Gott in diesem Ländern offenbar mit uns vorhat, übersteigt unsere Vorstellungskraft.“

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Matthias Platzeck(SPD): Rolle von Religion in der Politik nicht überbewerten

Bild: wikipedia

Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg, hält wenig von der Diskussion über die Rolle von Religion in der Politik. „Ich würde niemanden nach seinem Glauben beurteilen“, sagte der SPD-Politiker der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag).

domradio.de

„Vielleicht hilft es aber, wenn man eine religiöse Überzeugung hat, um daraus eine Motivation für politisches Handeln zu ziehen“, sagte Platzeck mit Blick darauf, dass mit Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck zwei Protestanten an der Spitze des Staates stehen. Zugleich sagte der SPD-Politiker, er finde es nicht ungewöhnlich, dass sich in einem säkularen Staat Bürger nach einem religiösen Staatsoberhaupt sehnen. Auf viele Menschen wirkten die derzeitigen Krisen bedrohlich; das Tempo, nach denen Politik und Gesellschaft leben, nehme ständig zu. Deshalb wünschten sich manche „Fixpunkte, verständliche Bilder und Sätze, letztlich auch Menschen, die Sicherheit verströmen“.

Laizisten haben in der SPD nichts zu suchen

Mit dem Godesberger Programm überwand die SPD um Erich Ollenhauer, Herbert Wehner, Alfred Nau, Fritz Erler, Carlo Schmid, Erwin Schoettle und Willy Eichler (von l.n.r.) ihre antikirchliche Haltung. (Bild: AP Archiv)

Die sozialdemokratische Partei entstammt ursprünglich einem antiklerikalen Milieu. Erst mit dem Godesberger Programm 1959 überwand die SPD ihre antikirchliche Haltung. Heute will sie keinesfalls erneut in den Verdacht geraten, eine Partei mit kirchenfeindlichen Positionen zu sein. Doch die Gesellschaft ist längst viel pluraler.

Von Annette RollmannDeutschlandfunk

Informell treffen sich Laizisten mit sozialdemokratischem Parteibuch aus allen Teilen der Bundesrepublik bereits seit dem Jahr 2010. Doch jetzt wollen sie aus der Anonymität heraus und offiziellen Arbeitskreis innerhalb der Partei gründen, der gleichberechtigt neben dem Arbeitskreis der Christen auftreten darf. Mittlerweile kommen die Laizisten auf rund 1000 Anhänger. Doch der Parteivorstand verwehrt ihnen den offiziellen Status. Nicht einmal die Bezeichnung „laizistische Sozialdemokraten“ ist dem Willy-Brandt-Haus genehm.

„Laizistische Sozis“ nennen sie sich deshalb. Ihre inhaltlichen Forderungen: Sie wollen den Religionsunterricht an den Schulen und die theologische Forschung an den Universitäten verbannen, alle Kreuze aus öffentlichen Gebäuden abhängen und sogenannte kirchliche Privilegien abschaffen. Rolf Schwanitz, sächsischer Bundestagsabgeordneter und einer der Sprecher der Laizisten, tritt ganz grundsätzlich für eine strenge Trennung von Staat und Kirche ein:

„Wir müssen weg von einer Tabuisierung dieser Fragen, nur weil dort Kirche drauf steht. Wir sind der Auffassung, dass Deutschland sich weltanschaulich, auch glaubensseitig, erheblich verändert hat und weiter verändert. Die SPD kennt Arbeitskreise für Religionsgemeinschaften; den Arbeitskreis Christen oder den Arbeitskreis für jüdische Sozialdemokarten. Wir sind der Auffassung, dass es höchste Zeit ist, dass auch konfessionsfreie Sozialdemokraten sich organisieren und ihre Interessen bündeln.“

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