Gottesstaat Bayern: Wenn das „laute“ Schachspiel den „stillen“ Karfreitag stört


Die Welt auf 64 Feldern: Die Teilnehmer der Mittelfränkischen Schachmeisterschaften im Weißenburger Wildbadsaal konzent­rieren sich ganz auf ihr Spiel. Währenddessen will die Linksjugend auch Schach spielen – am Karfreitag, vor der Andreaskirche. Unser Bild zeigt zwei aussichtsreiche Lokalmatadoren, Gerd Fischer (re.) und Manfred Hein (2. v. li.), die mit dem FC Gunzenhausen gerade in die Regionalliga aufgestiegen sind. Foto. Stephan

Am Montag haben die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg begonnen – wie erwartet mit einem negativen Teilnehmerrekord. Im Vorfeld war heftig darüber debattiert worden, dass in der Römerstadt die Meis­terschaften wegen des Protests der Kirchen erstmals seit Jahrzehnten nicht am Karfreitag ihren Abschluss finden dürfen. Die Linksjugend solid hat für den Karfreitag eine Kundgebung unter dem Titel „Das Feiertagsgesetz Schachmatt setzen!“ angemeldet.

nordbayern.de

So viel Aufsehen hat eine Mittelfränkische Schachmeisterschaft wohl noch nie bekommen. Überregional sorgte das Karfreitags-Spielverbot für Schlagzeilen, und im Internet streiten sich Befürworter und Gegner heftig. Die Linksjugend hat die Probleme rund um das Schachturnier zum Anlass genommen, gegen das Feiertagsgesetz zu demonstrieren. Mit Schachbrettern und Schachfiguren sollen sich die Bürger der Stadt am Karfreitag von 15 bis 17 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz treffen, um das Fei­ertagsgesetz „Schachmatt zu setzen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Linksjugend.

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5 Comments

  1. @rhenus
    Klar, rätselhaft ist bei Heiner Geisler nur, dass er zwar „Sapere aude“, warum aber nicht „zu Ende denkt“ ? Ein Fuchs, der er nun mal ist hat es doch nicht nötig, noch im Umfeld seiner religiösen Erzieher zu verweilen. Bei aller Intelligenz, irgendetwas stimmt eben doch nicht. Sicher, seine Pristerlehrer haben wohl auch an ihm ganze Arbeit geleistet und man kann wieder einmal feststellen wie ausgeklügelt und hinterlistig die religiösen Kindervereinnahmer arbeiten, warum aber kann sich ein „denkender“ Mensch nicht von diesem , eigentlich ja leicht durchschaubarem, Menschenveräppelungsverein, lossagen ? Angst? oder was?

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  2. Sapere aude – wage zu denken!

    „In tiefer Unmündigkeit lassen sich die Menschen auf allen Kontinenten mit einem Ring in der Nase durch die Manege führen. Der Ring ist da mal kleiner, dort mal größer, je nachdem in welcher Manege sie sich befinden, ob in der iranischen, einer (…mittelfränkischen, sprich.?.) europäischen oder in der chinesischen, und wer die Dompteure sind. Aus Heiner Geißler, Sapere aude! Warum wir eine neue Aufklärung brauchen, Ullstein 2012, Seite 20

    Die „Manege“ Geißler’s stellt hier der mittelfränkische Bürgermeister Schröppel; die Dompteure sind – wie seit Jahrhunderten – örtliche Geistlichkeit mit Dekan Konrad Beyerle und Pfarrer Gerd Schamberger – und mit den Nasenringen – wie seit Jahrtausenden das mittelfränkische Volk und der Schachverband.

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  3. Anbei die Pressemitteilung der Regionalgruppe Mittelfranken des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung.
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    Zug um Zug weiter ins Abseits
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    Christliche Kirchen schränken die Austragung der mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg ein – Die Giordano Bruno Stiftung ruft zum Austritt auf!

    Weißenburg – Zug um Zug begeben sich die beiden christlichen Kirchen weiter ins gesellschaftliche Abseits. Mit ihrer Einschränkung der mittelfränkischen Schachmeisterschaft in Weißenburg zeigen die evangelische und katholische Kirche deutlich, wie weit sie sich inzwischen von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt haben. Sie sitzen im Loch und graben munter weiter. Die Giordano Bruno Stiftung Mittelfranken ruft mit ihrer Aktion „Austritt zum Hasenfest – kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ dazu auf die persönlichen Konsequenzen zu ziehen.

    Was war passiert? Die seit 1953 stattfindenden Schachmeisterschaften werden vom 2. bis zum 5. April zum zweiten Mal in Weißenburg ausgetragen werden. Eigentlich sollte auch am Karfreitag noch gespielt werden. Um einer erneuten Konfrontation mit den Kirchen aus dem Weg zu gehen, ließ der örtliche Bürgermeister Herr Schröppel die örtlichen Honoratioren über die Austragung des Schachkongresses entscheiden. Der katholische Dekan Konrad Bayerle und der evangelische Pfarrer Gerd Schamberger befanden einhellig, dass Schach und Ostern nicht zusammenpassen und verweigerten ihre Zustimmung. Damit darf am Karfreitag kein Schach gespielt werden. Das Turnier ist wegen des daraus resultierenden Boykotts vieler Schachmeister ein Desaster, das Weißenburger Tagblatt berichtete.

    Die vielen großen und kleinen Skandale der beiden großen Glaubensgemeinschaften, wie die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen, sexueller Missbrauch durch Geistliche, offene und latente Homophobie und Veruntreuung von Geldern, sind hinlänglich bekannt und bescheren den Kirchen seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen und Proteste von Seiten der Zivilgesellschaft. Die Entscheidung für einen schachfreien Karfreitag führt die beiden Amtskirchen dabei weiter Zug um Zug ins Abseits.

    Immer noch lassen sich viele Bürger von der Kirche ohne Murren an Karfreitag das Tanzen verbieten. Das Schachverbot allerdings können die wenigsten nachvollziehen. Viele dachten bislang: Ein oder zweimal im Jahr nicht tanzen, das ist kein Opfer, dafür lohnt sich kein Aufstand. Jetzt aber können alle sehen, dass es den Kirchen nicht ums Tanzen geht. So gesehen ist das Schachverbot ein Glücksfall. Mit keiner anderen Maßnahme hätten die Kirchen ihren Anspruch auf kulturelle Hegemonie deutlicher machen können. Beim „stillen“ Feiertag geht es nicht um Ruhe aus Toleranz für die religiösen Gefühle der anderen. Denn niemand fühlt sich wohl durch Lärm belästigter als Schachspieler.
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    Hier geht es darum, christliche Pflöcke in die Kulturlandschaft zu rammen. Alle haben um den Heiland zu trauern, auch diejenigen, die den Mythos inzwischen nicht mehr ernst nehmen. Es gilt immer noch die Anmaßung von Papst Leo XIII vom 10.1.1890: „Nach göttlichem Recht gebühre es der Kirche und in der Kirche dem Römischen Bischof, in beiden Ordnungen (der bürgerlichen und der kirchlichen) zu bestimmen, was zu glauben und was zu tun sei.“
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    Dieses Mal haben sich Dekan Bayerle und Pfarrer Schamberger also einen wirklichen Bärendienst geleistet. Mit ihrer kleinlichen Haltung sind sie gleichzeitig Spielverderber für eine Reihe begeisterter Schachspieler und die größten Förderer von Kampagnen wie „Austritt zum Hasenfest – kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ der Giordano Bruno Stiftung. Aber auch viele Christen lassen sich nicht mehr so einfach vorschreiben, „was zu tun sei“. Auch für sie ein guter Anlass, intensiver darüber nachzudenken, ob sie sich weiter vorschreiben lassen wollen, „was zu glauben sei“.

    Damit steht auch das Thema „stille Tage“ wieder auf der politischen und medialen Agenda. Die Meldung macht bereits bei Twitter und Facebook die Runde, Kommentare bei Zeitungen quellen über. Die längst überfällige Streichung der entsprechenden Paragraphen aus den Gesetzbüchern rückt damit Zug um Zug ein Stückchen näher.

    Die Giordano-Bruno-Stiftung steht für die Werte von Humanismus und Aufklärung ein und meldet sich immer dann zu Wort, wenn gegen diese Werte eklatant verstoßen wird.
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    Kontakt
    E-Mail: gbs.erlangen@googlemail.com
    Website: http://gbs-erlangen.blogspot.de/

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  4. Die Selbstherrlichkeit und die Arroganz der Religioten ist unerträglich. Sollen sie doch ihrem esoterischen Humbug frönen so oft sie mögen und wann immer sie es wollen. Aber sie sollen gefälligst Andersdenkenden nicht vorschreiben, dass sie deren Feiertage einhalten müssen.

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