Londons Bürgermeister verbietet Kampagne von Evangelikalen für Schwulentherapie


Evangelikale Organisationen, die Homosexualität als Sünde und Krankheit betrachten, wollten mit Slogans auf Bussen werben

von Florian Rötzer – heise.de

Religiöse Fundamentalisten machen mobil. Allgemein haben sie bei den Christen zwar kaum etwas zu sagen, der Traum von einem Gottesstaat ist stärker bei den islamischen Fundamentalisten ausgeprägt, daher ist ihr Rückzugsgebiet die Moral der Geschlechter-, Reproduktions- und Familienpolitik. Gott hat angeblich zwei Geschlechter geschaffen, die sich gegenseitig sexuell anziehen, um Kinder zu erzeugen, aber dies erst nach der kirchlichen Trauung dürfen. Und so soll es bleiben.

Während in Deutschland gerade Salafisten mit der kostenlosen Verteilung des Koran für den von ihnen vertretenen fundamentalistischen Islam werben, sind es in Großbritannien Evangelikale, die auf Missionszug gehen wollten, was ihnen aber vorerst nicht gelungen ist. In London wollten evangelikale Gruppen eine Kampagne starten und mit Plakaten auf den städtischen Bussen ihre Ablehnung von Homosexualität und ihre Befürwortung einer Schwulenbehandlung (gay cure) propagieren: „Not gay! Post-gay, ex-gay and proud. Get over it!“ Die Evangelikalen wollten damit auf eine Kampagne der für die Homosexuellenehe und die Rechte von Schwulen und Bisexuellen eintretende Organisation Stonewall reagieren, die mit dem Slogan „Some people are gay. Get over it“ geworben hat.

Homosexualität sei eine Sünde, verkündet hingegen die Gruppe Core Issues Trust, die „biblische Werte“ verteidigt und auch eine „reparative Therapie“ anbietet, mit der schwule Christen ihr heterosexuellen Potenzial entwickeln können sollen. Unterstützt wird die Kampagne auch von Anglican Mainstream. Ziel der Kampagne war es, für die Therapie von Homosexualität zu werben. In einem von einigen Bischöfen unterzeichneten offenen Brief heißt es, es gäbe empirische Beweise für die Wirksamkeit der antischwulen Therapie bei denjenigen, die von einer „unerwünschten Homosexualität“ geplagt sind. Geraten wird darin zu einer „paternalistischen Haltung“, schließlich würden die Menschen nicht immer wissen, was gut für sie ist. Gegenüber den Plänen der britischen Regierung, eine Homosexuellenehe zuzulassen, laufen die Evangelikalen Sturm. Als Ehe dürfe ausschließlich der freiwillige Bund von einem Mann mit einer Frau gelten, fordern sie in einer Petition.

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