Esoterik: Mit Engelssprays gegen die Krise


"Engelessenzen" für die Aura, für energetische Reinigung und zur Liebe und Selbstliebe. Bild: derStandard.at

Autor Johannes Fischler über den Umsatz, den Placebo-Effekt, die Suchtgefahr und den braunen Unterbau der Esoterik

Von Michael MatzenbergerderStandard

Mit „New Cage: Esoterik 2.0 – Wie sie die Köpfe leert und die Kassen füllt“ legt Johannes Fischler sein erstes Sachbuch vor. Darin fühlt der Tiroler Psychologe dem esoterischen Konsumrausch und der dahinterliegenden Marketing-Dramaturgie auf den Zahn. Ein Erfolgsgarant der Szene: „Aufmerksamkeit ist die unwiderstehlichste aller Drogen.“

Im Gespräch mit derStandard.at berichtet Fischler von 500.000 Euro schweren Engelsfestivals, Delfinenergiereisen nach Hawaii, dem neurochemischen Rausch bei den Kunden und „Ostara“, der Lieblingszeitschrift des jungen Adolf Hitler.

derStandard.at: Bei Esoterik kommen mir Energiekristalle, Bewusstseinsseminare und bunte Einhornbilder in den Sinn. Wie definieren Sie den Begriff?

Fischler: Vom griechischen Wortstamm her verweist die Esoterik auf „das Innerliche“. Einerseits meint sie ein obskures, nur einem inneren Kreis zugängliches Geheimwissen, andererseits ist es ein auf das Innerpsychische zentrierter Ansatz. Ich finde den Gang ins Innerliche, etwa durch Meditation, nicht unwichtig. Hinter der modernen Esoterik, wie sie im 19. Jahrhundert begonnen hat, steckt aber erstens ein mittlerweile äußerst profitables Geschäftsmodell und zweitens ein durchaus bedenklicher ideologischer Überbau. Der besagt: Alles, was einem widerfährt, hat den Ursprung im eigenen Geist – wer positiv denkt, dem widerfährt Positives, und Negatives dem, der negativ denkt.

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