Mediziner hält Nahtoderfahrungen für echt


Der Mediziner Walter van Laack hält Nahtoderlebnisse für echt, sagt er im Interview mit "Welt Online"
Foto: justingaynor (CC-BY-NC-ND)

Wenn Menschen klinisch tot waren und danach wieder ins Leben zurückzukommen scheinen, berichten viele von religiösen Erfahrungen und einem „Leben danach“. Man sollte diese Berichte nicht als Esoterik oder rein körperliche Phänomene abstempeln, sagt der Mediziner Walter van Laack, in einem Interview mit „Welt Online“.

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Solche Berichte gibt es zu Hunderten: Jemand, der von Ärzten für klinisch tot erklärt wurde, erzählt anschließend davon, seinen Körper verlassen und in höhere Sphären aufgefahren zu sein. Für die einen klingt das nach unglaubwürdigem Hokuspokus, für die anderen ist es ein Beweis für das Jenseits. „Welt Online“ interviewte Walter van Laack, Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin und Hochschullehrer für Medizintechnik an der Fachhochschule Aachen.

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5 Comments

  1. Nachtrag:

    5. Mit dem Ausdruck“ klinisch tot“ wird wie üblich ein irreführendes Spiel betrieben. Nach allem, was wir wissen, ist das Gehirn Sitz des Bewusstseins bzw. seine Funktion untrennbar damit gekoppelt. Wer klinisch tot ist in dem Sinne, dass andere wesentliche Organfunktionen (temporär) ausgefallen sind, ist damit noch nicht hirntot. Erst wer dann auch noch hirntot ist, ist „wirklich tot“ in dem Sinne, dass „absolut nichts mehr zu machen ist“. Aus dem Hirntod gibt es keine Wiederkehr in einen Zustand, in dem man irgendetwas berichten könnte. „Klinisch tot“ suggeriert allerdings dem Laien, hier sei gewissermaßen „offiziell“ und „objektiv“ bereits der Tod festgestellt worden und daher belegten die Berichte auch eine „Rückkehr“ aus dem Tod. Das ist Unsinn.

    6. Analoges gilt für das in der Szene übliche doppelte Spiel mit dem Wort „echt“. Es geht nicht darum, ob jemand bestimmte Erfahrungen hat oder nur vortäuscht, sondern ob diese eine inhaltliche Entsprechung haben. Lässt man die Erinnerungsproblematik einmal beiseite, können die gemachten Erfahrungen so echt sein wie ein beliebiger Schmerz echt ist. Phantomschmerzen nach Amputation sind jedoch ebenfalls echt wie Schmerzen bei noch vorhandenem Glied. Erst recht sind Sinnestäuschungen, derer man sich nicht bewusst ist oder sein kann, im Sinne persönlicher Erfahrung echt und gleichwohl Täuschungen in dem Sinne, dass sie nicht anzeigen, was sie anzuzeigen scheinen.

    7. Wenn Gläubige nun auf dieses Pferd satteln, um eine Beziehung zwischen Gotteserfahrung und Empirie herzustellen, dürften sie schlecht beraten sein. Erstens soll Gott ja im Leben erfahrbar und leitend sein. Es wäre absurd, wenn die einzige persönliche unbezweifelbare Anschauung Gottes erst im Sterben zustande käme. So braucht derjenige, der Gott täglich im Leben erfährt, die Berichte über die Erfahrung in Extremzuständen sicher nicht, um seinen Glauben zu festigen. Umgekehrt befindet sich derjenige, dessen (sich i.d.R. als Erfahrung deklarierende) Gotteserwartung oder -hoffnung auf solchen Berichten beruht, prinzipiell in der gleichen Situation wie einer, der Berichten von Wundern, Marienerscheinungen usw. als Indizien der Existenz Gottes Glauben schenken soll. Zweitens schreitet die neurologische Forschung mit stets verfeinerten Methoden voran, und da wird es zunehmend schwerer werden, dieses Refugium gegenüber plausiblen, experimentell belegbaren wissenschaftlichen Erklärungen zu verteidigen. Die Sache wird vermutlich den gleichen Weg wie Intelligent Design nehmen, das ein permanentes Rückzugsgefecht darstellt und sich in der Suche nach bislang wissenschaftlich (vorgeblich oder tatsächlich) nicht erklärten Phänomenen erschöpft, ohne selbst irgendetwas Produktives anbieten zu können. Es ist aber klar, dass der Weg über die „Nahtoderfahrung“ für viele Menschen besonders attraktiv ist. Allein das Wort ist aber schon irreführend, denn man kann sich physisch in einem „Nahtodzustand“ befinden, indem für das Leben essenzielle Organfunktionen temporär ausfallen, man kann aber dem sozusagen existenziellen Zustand des Todes nicht nahekommen, sondern ihn nur erreichen. Wer in einen Abgrund springt, kann dem Absprung beliebig nahe kommen, wenn er aber erst fällt, dann fällt er und kommt nicht mehr dem Fallen nahe.

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  2. Dazu ist folgendes zu sagen:

    1. Es ist logisch überhaupt nicht begründbar, dass man nahe dem Tode Gott „näher“ sein solle als im intakten Leben. Das gilt umso mehr, als wir wissen, dass in diesem Zustand Funktionsstörungen auftreten, die zu Fehlwahrnehmungen führen (mancher kennt vielleicht in harmloserem Zusammenhang die Erfahrung, als Kind bei hohem Fieber sich von außen gesehen zu haben). Man kann die Tatsache, dass man bestimmte Wahrnehmungen durch Hypoxie usw. hervorrufen kann und inzwischen zu vielen Aspekten physiologische Korrelate und anatomische Lokalisationen kennt, nicht wegdisputieren. Von der Erinnerungsproblematik, die wir aus anderen, objektivierbaren Zusammenhängen kennen, ganz abgesehen. Ich weiß auch nicht, ob ein Orthopäde und Sportmediziner da wirklich zu einem Urteil qualifiziert ist. Das sind m. E. eher Psychiater, Neurologen und Anästhesisten.

    2. Wichtig ist ferner die Beobachtung, dass die berichteten Erfahrungen immer genau dem jeweiligen kulturellen Hintergrund entsprechen. Und der ist eben hier zulande durch die christliche Bilderwelt geprägt. Das spricht stark gegen eine universell gültige Erfahrung, die eine „objektive“ Entsprechung hat. Es ist eher mit der Annahme kompatibel, dass hier eine unspezifische Disposition in einem physiologisch unkontrollierten Zustand jeweils kulturell verfügbaren Bildern Raum gibt.

    3. Es dürfte seinen Grund haben, dass diese Dinge jetzt wieder vermehrt aufgebracht werden. Diejenigen Gläubigen, die (vor allem als Katholiken) unbedingt in der „Natur“ die Zeichen Gottes und Belege seiner Existenz sehen wollen, haben es zunehmend schwer, das etwa mittels Intelligent Design zu bewerkstelligen (auch wenn einige Fanatiker anderes behaupten). Die evolutionsbiologische Forschung schreitet von Monat zu Monat fort, und immer mehr Details erklärender Mechanismen werden klar, von der chemischen Evolution bis zu der Reorganisation von Bauplänen. Daher geht die moderne Theologie primär auf allgemeine Prinzipien wie „wirkende Kraft“ und „Seinsgrund“ als Korrelaten Gottes in der Natur. Das ist natürlich für einfache Gemüter unbefriedigend. Da bieten sich Nahtodberichte als Erfahrungen an, die ganz empirisch die Unsterblichkeit und die Existenz Gottes zu belegen scheinen.

    4. Es gilt nach wie vor die ganz einfache Feststellung: Niemand ist aus dem Tode zurückgekommen und kann berichten, wie es „wirklich ist“, und der Tod eines Organismus ist ein Zustand, der qualitativ anders als das Leben und nicht mit diesem durch ein Kontinuum verbunden ist.

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  3. Ebend. Wenn man unserem Haufen Fettmatsch mit Hormonen unter der Schädeldecke den Strom und das Futter abdreht, ist es nichts besonders, wenn wir alle sehr ähnliche Aufallerscheinungen zeigen.

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  4. Ich kann den Worten von Rolo nur beipflichten. Sog. Nahtoderfahrungen sind letztlich nichts anderes als Halluzinationen, die das Gehirn uns vorgaukelt. Echt sind somit nur die Halluzinatioen, aber nicht das angebliche Nahtoderlebnis selbst. Aber solche feinen Unterschiede interessieren diesen „Mediziner“ offenbar nicht.

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  5. Das Phänomen der Nahtoderfahrung ist von seriösen, ernstzunehmenden Medizinern und anderen Wissenschaftlern, längst geklärt. Jetzt kommt wieder mal ein Profilneurotiker der auch noch was dazu sagen möchte. Der sollte sich lieber erst mal die Fachliteratur ansehen, bevor er seinen Drang zur öffentlichen Selbstdarstellung, á la Manfred Lütz, auslebt.

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