Vatikan: Ein schlimmer Verdacht


Im Juni 1993 verschwunden: Emanuela Orlandi auf einem Privatfoto/FAZ

Die Umbettung eines Mafioso vom Stadtfriedhof in die Krypta neben Päpste und Kardinäle wirft viele Fragen auf – unter anderem, ob der Vatikan ein vermisstes Mädchen neben ihm begraben ließ.

Von Jörg BremerFrankfurter Allgemeine

Spätestens Ende Mai sollen die sterblichen Überreste des römischen Bandenchefs Enrico De Pedis aus der Krypta der päpstlichen Basilika Sant’Apollinare nahe der Piazza Navona auf den Stadtfriedhof Verano zurückgebracht werden. Das berichteten jetzt römische Zeitungen. Es war schon recht merkwürdig, dass der am 2. Februar 1990 auf seinem Moped erschossene 35 Jahre alte Boss einer Erpresser-, Rauschgift- und Waffenhändlerbande neben Bischöfen und Kardinälen beerdigt wurde. Mit Umbettung und Öffnung seines Sarges soll sich nun zudem noch der Verdacht klären, neben dem Mafioso liege Emanuela Orlandi. Fünfzehn Jahre alt war die Schülerin, als sie am frühen Abend des 22. Juni 1983 nicht mehr vom Musikunterricht nahe der Kirche zu den Eltern im Vatikanstaat zurückkehrte.

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