Christlicher Salafismus: Anteil der Religion am Untergang der antiken Welt


Rolf Bergmeier, Bild: humanisten.info

Rolf Bergmeier ist ein Bundeswehroffizier im Ruhestand, der von 2004-2008 an der Gutenberg-Universität Mainz Alte Geschichte und Philosophie studierte. Er erregte vor zwei Jahren mit einem Buch über die Legenden um Kaiser Konstantin Aufsehen. Nun hat er das Nachfolgewerk Schatten über Europa veröffentlicht, in dem er postuliert, dass das lateinische Christentum den Verfall der römischen Zivilisation maßgeblich beschleunigte.

Von Peter MühlbauerTelepolis

Herr Bergmeier – war das Christentum der Salafismus der Antike?

Rolf Bergmeier: Ich möchte das frühe Christentum nicht abwerten. Der Gedanke der Nächstenliebe ist – wenngleich nicht neu – sicherlich bewahrenswert. Aber grundsätzlich ist der Monotheismus mit seinem Wahrheitsanspruch weniger konsensfähig als der Polytheismus, wie wir ihn beispielsweise im Imperium Romanum erleben. Mit der Ernennung zur Staatskirche im Jahre 380 (Cunctos Populos) durch Kaiser Theodosius erhält das katholische Christentum die Macht, seine radikalen Vorstellungen in der Gesellschaft durchzusetzen. Ab diesem Zeitpunkt, so denke ich, kann man nicht zu Unrecht von einem christlichen Salafismus sprechen. Die folgenden Jahrhunderte belegen diese These.

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7 Comments

  1. Viele Historiker werfen gerne mit Einwohnerzahlen früher Städte um sich, die lassen jedwede Realität vermissen. Biblische Niederlagen der Assyrer mit 185.000 Toten durch die Pest bei der Belagerung Jerusalems mit etwa 250 Einwohnern sind kranke Phantasien der Religotie

    Flavius Josephus berichtet 95 n.C. von einer Panik in einer Gasse von Jerusalem, nach dem Übersetzer sterben 20.000 Menschen. Das ist absurd in einem winzigen Ort von allenfalls 1.000 Einwohnern auf nur 6 Hektar Fläche. Ein Volkszählung in Jerusalem um 1500 n.C. ergibt nur 4500 Einwohner

    Die größten Orte des römischen Reiches der Zeit waren Rom um 70 n.C. etwa 35.000 Einwohner, Leptis Magna im Libyen 25.000, Pompeji 10.000, Herculaneum unter 2.000, Caesarea mit 2 Legionen über 5.000 und Jerusalem unter 1.000. Alexandria war vielleicht so groß wie Pompeji, Zahlen gibt es nicht

    Rom soll 1 Million Einwohner gehabt haben, Cordoba in Spanien ebenfalls. Es ist unmöglich mit damaliger Transporttechnik so viele Menschen an einem einzigen Ort zu versorgen und gleichzeitig deren Müll zu entsorgen ohne dabei alle an Seuchen sterben zu lassen. Die Tierhaltung von Schafen, Ziegen und Kühen im Ort war üblich. Bei generell 2-stöckiger Bausweise wären solche Stadte viele 1000 km² groß, so viel wie Hamburg, München und Berlin zusammen

    Historische Analysen, die kritiklos solche Einwohnerzhalen verbreiten, sind nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt wurden.

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  2. Aus einer Rezension zu Bergmeiers Buch (Quelle: http://www.amazon.de/product-reviews/3865690750/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1): „Die populären und kirchlicherseits anerkannten Gelehrten des gesamten Mittelalters – von Boethius bis zu Wilhelm von Ockham zeigten sich nicht selten geradezu begierig, jeden Fetzen antiker Philosophie, der zugänglich war, soweit er der christlichen Lehre nicht völlig zuwider lief, zu absorbieren. Aristoteles und Platon wurden zu kirchlich anerkannte Autoritäten. Dass Aristoteles die Unsterblichkeit der Seele verneinte, tat dem keinen Abbruch. Man integrierte das aus christlicher Sicht Richtige und kritisierte das aus christlicher Sicht Falsche.
    Als über Byzanz und das maurische Spanien immer mehr antike Schriften zugänglich wurden, zeigte das christliche Abendland keineswegs Abstoßungserscheinungen. Schon gar nicht die Renaissance-Päpste, die den sich entwickelnden christlichen Humanismus aktiv förderten.

    Allein dies alles legt den Verdacht nahe, dass auch andere Umstände beim Niedergang des antiken Bildungssystems eine entscheidende Rolle gespielt haben müssen. Genauso sieht es auch der wissenschaftliche Mainstream – Leute, die Bergmeier lächerlicherweise pauschal der Liebedienerei gegenüber der Kirche bezichtigt. Historiker, die der Autor für sich vereinnahmen möchte, etwa Gibbon oder Watson, den er in hohen Tönen lobt, bilden da keine Ausnahme.
    Bergmeier schreibt: Der britische Kulturhistoriker Peter Watson zieht in seiner monumentalen Kulturgeschichte Ideen“ eine deprimierende Bilanz: „Eine nach der anderen schlossen die Schulen des klassischen Altertums nun ihre Tore. Mitte des 6. Jahrhunderts waren nur noch Konstantinopel und Alexandria übrig […] Aus drei Jahrhunderten, von Mitte des 6. bis Mitte des 9. Jahrhunderts (die wahrhaft finstren Jahre), lassen sich nicht die geringsten Anhaltspunkte finden, dass noch irgendwelche Klassiker studiert wurden. Das Erziehungs- und Ausbildungssystem hatte das unterste Niveau erreicht. Entsprechend sind uns aus dieser Periode so gut wie gar keine Handschriften überliefert, egal, zu welchem Themenkomplex.“

    In der Tat kann man Watson nicht vorwerfen, den Anteil des Christentums beim Niedergang der antiken Bildung und Kultur unterzugewichten. Dennoch malt er ein weit differenzierteres Bild als Bergmeier, dessen „Quote mining“ in diesem Zusammenhang im Übrigen aufschlussreich ist. So heißt es zuvor in den Ideen“ (S. 400):

    „Zu den Zeiten von Augustus und Trajan, als sich Rom noch seiner 29 Bibliotheken rühmen konnte, lebten über eine Million Menschen in der Hauptstadt; während der jahrelangen blutigen Kämpfe schrumpfte die Bevölkerung auf einen Tiefstand von dreißigtausend. Solcherart dezimiert verfügte Rom weder über die Mittel, um Bibliotheken zu unterhalten, noch über die Bürger, die sie hätten nutzen können..“ Joseph Vogt schreibt: Die Erschütterung der hergebrachten Ordnung war ungeheuer.“ Um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert hatten Plünderungen und Raub mancherorts so überhand genommen, dass man den Untertanen schließlich zur eigenen Verteidigung das Tragen von Waffen gestatten musste. Am schwersten hatten die Menschen immer dort zu leiden, wo die Germanen eingefallen waren. Viele öffentliche Gebäude lagen in Schutt und Asche; den Bürgern war es verboten, irgendeiner anderen Beschäftigung als der des eigenen Berufes nachzugehen“

    Und hier sind wir eben bei dem anderen Faktor, der eine erhebliche Rolle spielte. Die erheblichen Verwerfungen infolge der Völkerwanderung in einer Art und Weise herunterzuspielen, wie Bergmeier es tut, ist angesichts der in allen Standardwerken zum Thema gut dokumentierten Fakten- und Quellenlage in keiner Weise nachvollziehbar. Der Westen musste sich infolge der damaligen Umbrüche völlig neu strukturieren und finden. Die städtische Kultur zerfiel. Die römische Administration, römische Eliten und Militär zog ab. Verwaltung, Schutz, Finanzierung waren nicht mehr gesichert. Auch nicht der Unterhalt von Schulen und kulturellen Einrichtungen. Bald lebte 90% der Bevölkerung auf dem Land. Bildung wurde zum Privileg der Reichen. Die Armen mussten überleben.“

    Gegen die These, dass das Christentum am Untergang antiker Wissenschaft schuld sei, spricht die Tatsache, dass bereits Jahrhunderte vor der Einführung des Christentums als Staatsreligion im Römischen Reich im Bereich der Wissenschaft eine Stagnation einsetzte. Dies zeigt das folgende Zitat von Seite 90 des vom bekannten Althistoriker Moses I. Finley verfassten Buches „Die Griechen: Eine Einführung in ihre Geschichte und Zivilisation“ (2. Auflage, München 1983):

    „Wenn man sich jedoch einmal die Daten ansieht, wird die Stockung offenkundig und deutlich sichtbar. Hipparch starb vor dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., und es war im wesentlichen seine Astronomie, die Ptolemaios im ‚Almagest’ niederlegte. Ptolemaios’ ‚Geographie’, die ebenso maßgebend wurde, ist durchgehend – und zum Teil sogar erheblich – verzerrt; … Von spätestens 375 [v. Chr.] an hatte die antike Medizin alle Mühe, sich auf dem Niveau zu halten, das die Hippokratiker erreicht hatten, und Galen aus Pergamon, der letzte große antike Arzt, war fünfhundert Jahre später noch nicht weitergekommen, während zahlreiche medizinische Schriften (und ein guter Teil der Praxis) schon Terrain verloren hatten. …

    Bemerkenswert ist, daß die Astronomie, die theoretische Physik und die Mathematik weit länger als die angewandten Wissenschaften weiterblühten und daß die gesamten Naturwissenschaften schon hunderte von Jahren vor dem Absterben der antiken Welt praktisch zum Stillstand kamen. In mancher Hinsicht ist es ein in der Geschichte der Naturwissenschaft keineswegs unbekanntes Phänomen, daß a priori-Annahmen oder auch nur Denkgewohnheiten den Fortschritt aufhalten, bis jemand auf den Gedanken kommt, sie zu überprüfen. Vielleicht genügt eine solche rein verstandesmäßige Erklärung, um das geringe Interesse der Griechen an der Algebra, an den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit oder denen der Erdbewegung verständlich zu machen. Aber sie erklärt auf keinen Fall die Rückschritte – es war ja nicht nur ein Stillstand – oder die totale Stockung auf allen Gebieten der Naturwissenschaft. Im praktischen Bereich waren wie heute manche Ideen den technischen Möglichkeiten der Gesellschaft weit voraus, und das erklärt auch, warum Heron seine Erkenntnisse in der Pneumatik zu nichts anderem als zur Erfindung einfallsreicher Spielereien verwenden konnte. Aber die Erklärung reicht wiederum nicht aus: niemand machte auch nur den Versuch, die technischen Hemmnisse zu überwinden; und schließlich kam auch niemand auf den weit einfacheren Gedanken, das bekannte Prinzip des Segelboots auf andere, ebenso wichtige Anwendungsbereiche zu übertragen, indem er die Windmühle baute.“

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  3. @ Karsten

    Ich befürchte auch, dass es unseren Peterle jetzt voll erwischt hat. Wir sind sozusagen Zeuge seiner (hoffentlich) letzten wirren Worte geworden. Möge ihm der nichtexistente liebe Gott im Himmel gnädig sein.

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  4. Oh Mann, jetzt hat es denn Peter komplett erwischt. Vorher waren seine Sätze wenigstens „verständlich“, jetzt kann man nicht mal mehr ahnen, was er sagen will.
    Ruf mal bitte jemand im LKH an…

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  5. Ich weiß nicht, wo und was Rolf Bergman in der Antike studiert hat, aber er >irrt gewaltig indem was er vonsich gibtmenschlichen KathlizismusHeiligen Geist widerstanden.
    Nicht das >ChristentumBabylon der EndzeitNicht-cchristlichen Übersetzer in ihrem WeltgeistGeist Gottes wiedergeborenen Christen und Nachfolger Jesu Christi, der >heuteZemach<!)

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  6. Das Christentum war der Unergang des römischen Weltreichs und hat die Zivilisation für gut 1500 Jahre zurückgeworfen, indem am da römische Reich zum Bordell gemacht hat.

    Die Christen vernichten ab 400 n.C. alle Formen unabhängigen Wissens, die Bibel wird zum Maß aller Dinge. Das 3-teilige Schulsystem des antiken Roms mit Fachschulen für Medizin, Recht und Philosophie muß schließen. Bibliotheken und Thermen werden verboten oder niedergebrannt. Die Kirche bestimmt die Grundlagen der Wissenschaft. Analphabetismus breitet sich erneut bis zu 99,99% aus. Könige und Kaiser sind unfähig die Gesetze zu lesen, die sie erlassen.

    Das römische Weltreich zerfällt nicht wegen einfallender Barbaren, sondern weil Verwalter und Techniker fehlen, die rechnen und schreiben können und eine Wirtschaftspolitk betreiben, die den Staatshaushalt nicht durch immer neue Eroberungen finanziert. Universitäten oder Fakultäten werden bis 1827 n.C. geschlossen, weil die Wissenschaft keine biblische Erkenntnis liefert. Die Universität von Salamanca reduziert sich von einst 12.500 Studenten auf 300. Der Mann hat keine Rippe weniger als die Frau, die Erde ist keine Scheibe, die Seele ist unauffindbar, der All-wissende im Vatikan ist ein geiler Hurenbock mit privatem Bordell, ein „Capitaneus Prostibuli de Ponte Sixto“ kassiert als göttlicher Zuhälter je Nutte 2 Carlini/Monat.

    Ab 600 n.C. sind Heiden per Vatikan-Decret rechtlos, ein Freibrief für Sklaverei und Mord. Die „Konstantinsche Schenkung“ des westlichen römischen Reiches an Papst Silvester I. gründet sich auf eine gefälsche Urkunde und sichert die Macht der Kirche über Antiochia, Alexandria, Konstantinopel und Jerusalem. Als die Fälschung auffliegt geht die Urkunde durch Zauberhand verloren, aber Kopien bleiben erhalten. In Folge der Kreuzzüge (1095–1291 n.C.) und dem Aufruhr in Südeuropa wird 1232 n.C. die Heilige Inquisition als Kontrolle des einzig wahren Glaubens gegründet, der Besitz der Bibel wird 300 Jahre lang mit dem Tod bestraft.

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  7. Den Ausführungen von Rolf Bergmeier ist nichts hinzu zu fügen.
    Leider ist es so, dass die, welche es am nötigsten hätten, seine Erkenntnissen nicht aufnehmen können (intellektuell bedingt) bzw. nicht dürfen (klerikal geforderter Devotismus).

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