„Die Kirche hat enorm an Einfluss verloren“


Bischofskreuz: Das Gottesbild in Westeuropa verändert sich. (Bild: dapd

Der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack hält die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland für nicht dramatisch. Das Religiöse habe eine große „Beharrungskraft“, sagt er. Das Verhältnis der Deutschen zur Kirche beschreibt er als „konventionell“.

Deutschlandfunk

Köhler: In Mannheim hat der Katholische Kirchentag begonnen. Und das ist naturgemäß auch ein Forum für den Laienkatholizismus, nicht nur über die Liturgie. Sondern gerade auch über strittige Themen zu sprechen. Der Klerus, etwa Kardinal Joachim Meisner, ist von zu viel Säkularisierung in der Kirche gar nicht begeistert, wen wundert das. Kirche ist jetzt überall nämlich modern. Und wo sie die willige Bevölkerung nicht mitnimmt, da verliert sie sie. Ich habe mit dem Münsteraner Religionssoziologen, Detlef Pollack, über Prozesse der Säkularisierung gesprochen und habe ihn gefragt: Hat die Kirche heute – verglichen mit früheren Jahren – an gesellschaftlicher Prägekraft verloren.

Pollack: Also ich denke, wenn man die Situation der Kirchen in den 90er-Jahren und auch jetzt nach 2000 mit der Situation in den 50er- oder 60er-Jahren vergleicht, dann ist das überhaupt keine Frage. Die Kirche hat enorm an Einfluss verloren, an Prägekraft verloren. Also bei den evangelischen Kirchentagen in den 50er-Jahren – 1954, 55, 56 -, da saßen Hunderte, Tausende von jungen Menschen zu Füßen der Bischöfe und haben gelauscht, wenn die eine Bibelauslegung gemacht haben, haben mitgeschrieben. Das ist heutzutage geradezu unvorstellbar, dass man also das Wort der Kirche so ernst nimmt, dass man meint, davon Wegweisung zu bekommen. Für viele ist das natürlich nach wie vor von Bedeutung, aber ich glaube, für die Mehrheit ist das sehr stark in den Hintergrund getreten.

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