Wie Ayaan Hirsi Ali Breiviks Massenmord erklärt


Die niederländische Publizistin und Politikerin Ayaan Hirsi Ali
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Anlässlich des 100. Geburtstages des Verlagsgründers wurde Ayaan Hirsi Ali vom Axel-Springer-Verlag mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. In ihrem Dankesvortrag sprach die Publizistin und Politikerin über die „Anwälte des Schweigens“, eine „informelle Zensur“ und machte sich die Argumentation des norwegischen Massenmörders Breivik zu eigen. Ein Skandal, der beinahe unbemerkt blieb

Von Stefan BuchenCicero

Schlagzeilen machte vergangene Woche die diesjährige Verleihung des Henri-Nannen-Preises in Hamburg. Drei Journalisten der Süddeutschen Zeitung sorgten für einen Eklat. Sie lehnten einen der Preise ab, weil sie nicht zusammen mit zwei Journalisten der Bildzeitung ausgezeichnet werden wollten. Zeitgleich, aber unbemerkt von der Öffentlichkeit ereignete sich im Verlagshaus der Bildzeitung in Berlin ein Skandal, bei dem nicht zwei Springer-Journalisten diffamiert wurden, sondern Springer der Diffamierung eine große Bühne bot. Dieser Skandal reicht weiter, weil es dabei um Leben und Tod geht.

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Verleihung des Ehrenpreises: Die in diesem Artikel kritisierte Passage ihres Dankesvortrages findet sich ab Minute 32:30.

1 Comment

  1. Der Grund, warum der Cicero-Schreiber bislang der einzige ist, dem die Solidarisierung von Hirsi Ali mit dem Massenmörder aufgefallen ist, liegt wohl darin, dass diese Idee grotesk ist.

    Ayan Hirsi Ali erwähnt den Massenmörder an zwei Stellen und qualifiziert ihn jedes Mal als das, was er unbestritten ist: ein“horrific“ bzw. „abhorrent neo-fascist“. Sie benutzt ihn für einen gewaltigen Punkt innerhalb ihres Arguments, nämlich dass es eben nicht die Mahner und Kritiker sind, von denen er sich zum Handeln gezwungen fühlte, sondern die Weggucker und Wegducker. Wer auf das Zeugnis einer Wahnvorstellung Bezug nimmt, macht sie sich damit nicht zu eigen. Erklären ist nicht rechtfertigen. Aber inzwischen muss man wohl nicht mehr nur ihren Mut bewundern, überhaupt öffentlich aufzutreten, sondern auch noch ihren Mut, in Deutschland ein leidlich differenziertes Argument vorzubringen.

    Es ist ein sehr scharfsinniger Punkt, den Hirsi Ali da macht, nämlich, dass Breivik genau die Art von Scheiße ist, die uns um die Ohren fliegt, wenn wir den Druck im Kessel einfach immer weiter steigen lassen! Wie kann irgendjemand ohne böse Rufmordabsicht das so interpretieren, dass sie seinen Massenmord gutheißt?

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