Wer ist Kirche – und wenn ja, wie viele?


Vor uns Venedig. Wir kommen vom Meer her. (Bild: Stock.XCHNG/ Felix Carretto)

Kirche: Wer ist das – und wenn ja, wie viele? So oder ähnlich muss sich fragen, wer unter Persönlichkeitsspaltung leidet. Wer sich also heute zum Beispiel für Lieschen Müller hält, morgen für Napoleon und übermorgen für Friedrich den Großen, den Jubilar von heuer. Von „der“ Kirche wird manchmal auch so gesprochen, als sei sie eine Art Person, natürlich zusammengewachsen aus vielen einzelnen Menschen und Gemeinden. „Wir sind Kirche“. Heißt es manchmal. Aber wäre dann die Katholikin Lieschen Müller mehr Kirche als der Protestant Friedrich der Große oder weniger als Napoleon, Katholik und Kaiser dazu? Oder kann gar der Papst sagen: „Die Kirche – das bin ich“? Fragen, die zu Pfingsten passen, dem Geburtstag der Kirche, wie das Fest oft genannt wird!

Von Hans-Peter WeigelDeutschlandradio Kultur

Vor uns Venedig. Wir kommen vom Meer her. Noch durchquert das Boot die Lagune.

In der Ferne ragt der Campanile auf, der hohe Glockenturm am Markus-Platz. Das Boot steuert die Einfahrt zum Canal Grande an, die zur Linken von einer gewaltigen Kirchenkuppel behütet wird. An der Anlegestelle vor dem Portal der Kirche steigen wir aus, gehen ein paar Schritte – schon stehen wir im Innern von Santa Maria della Salute, Venedigs schönster Barockkirche.

Der Fußboden ist mit prachtvollen Mustern aus Stein ausgelegt; ein Kranz von Kapellen-Nischen umringt den Rundbau. In einer der Kapellen erzählt ein Gemälde die pfingstliche Geschichte vom Heiligen Geist; links neben dem Eingang zur Kapelle steht ein wuchtiger Thron, auf dem ebenfalls der Heilige Geist dargestellt ist – allerdings ganz anders. So verschieden die Künstler auf beiden Werken den Heiligen Geist zeigen, so verschieden ist jeweils auch ihr Bild von der Kirche.

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