Ayn Rand: Zur Hölle mit den Idioten!


Ayn Rand: Autorin, Salondame, Kommunistenhasserin.© Getty Images

In Demokratien westlichen Zuschnitts kommt es selten, aber zuweilen immer noch vor, dass sich ein namhafter Politiker zu Fragen der Literatur äußert. Und wirklich ganz, ganz selten kommt es vor, dass dieser Politiker damit in seiner Partei eine kleine ideengeschichtliche Debatte auslöst. Aber es ist passiert, neulich in Amerika. Also sprach Paul Ryan: „Ich lehne ihren Atheismus ab. Wenn mir schon jemand seine Erkenntnistheorie reindrücken will, dann bitte die von Thomas von Aquin. Aber nicht die von Ayn Rand.“ Nämliches gab der 42-jährige Kongressabgeordnete aus Wisconsin, landesweit als Wirtschaftssprecher der Republikaner bekannt, jüngst im konservativen Diskursblatt „National Review“ bekannt.

Von Klaus Stimeder Wiener Zeitung

Die Parteibasis der Republikaner besteht im Jahr 2012 grob formuliert aus vier Fraktionen: Wirtschaftsflügel (moderat, immer noch einflussreich), Sozialkonservative/Tee-Parteigänger (extremistisch, überproportional einflussreich), Libertäre (idealistisch, wenig einflussreich, aber im Wachstum begriffen) sowie einer Gruppe von Komikern, über deren ideologische Verwurzelung in der Grand Old Party (GOP) wenig bekannt ist, die aber bei den Vorwahlen zum Präsidentschaftskandidaten ihre 15 Minuten im Rampenlicht genießen durften. All diesen Fraktionen gemeinsam ist, dass ihre Mitglieder als Hardcore-Fans der in Sachen Verkauf erfolgreichsten Schriftstellerin der USA des 20. Jahrhunderts gelten. Die im Rest der Welt, wiewohl in über 30 Sprachen übersetzt, niemand wirklich kennt.

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