Evolution via Voting: Pop für Darwinisten?


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Funktioniert Kulturentwicklung auch mit Mutation und Selektion? Englische Forscher erproben Komposition durch Konsumentenwahl. Einstweilen klingen die Ergebnisse weniger nach Hits als nach Minimal Music.

Von Thomas KramarDie Presse

Gäbe es einen Preis für den besten Titel einer Presseaussendung eines wissenschaftlichen Instituts, das Imperial College of London hätte ihn dafür verdient: „On the Origin of Music by Means of Natural Selection or the Preservation of Favored Ditties (Liedchen, Anm.) in the Struggle for Existence“.

Das Vorbild ist ehrwürdig: „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“, so hieß das 1859 erstmals erschienene Buch, in dem Charles Darwin die Evolutionstheorie begründete. Der Ansatz ist so schlicht wie genial: 1) Individuen einer Population unterscheiden sich voneinander, diese Variationen sind erblich. 2) Individuen, die besser an die Umwelt angepasst sind, haben eine höhere Überlebenschance und (damit) mehr Nachkommen; sie werden in der Population häufiger. Das nennt man natürliche Selektion.

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3 Comments

  1. „Man kann sich auch als einzelnes Individium sehr wohl ein kritisches Verhalten zum vorherrschenden Massenkonsum erhalten, ohne in dieser bewußt selbstgewählten Isolation von dominanten Gruppen beeinflußt zu werden.“

    Natürlich geht das. Wir alle lehnen in irgendeinem oder mehreren Bereichen den Gruppendruck, irgendetwas mögen zu müssen, ab. Andere Aspekte, die zufällig mit unseren Vorlieben übereinstimmen, beeinflussen uns schon eher.
    Aber was hat das mit dem Artikel zu tun?

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  2. Eine ziemlich fragwürdige, wenn nicht gar bescheuerte These. Ich lebe z.B. inmitten einer Gesellschaft, die die „Schwarzwaldklinik“, „Denver“, „Dallas“, die „Lindenstraße“ und alle die vielen anspruchslosen, dämlichen Krimiserien bevorzugt konsumiert. Dessenungeacht bin ich – nach stichprobenartigen Tests – nicht der Versuchung erlegen, mir diese Art von Unterhaltung reinzuziehen. Mit anderen Worten: Man kann sich auch als einzelnes Individium sehr wohl ein kritisches Verhalten zum vorherrschenden Massenkonsum erhalten, ohne in dieser bewußt selbstgewählten Isolation von dominanten Gruppen beeinflußt zu werden.

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  3. Das wird vermutlich nicht funktionieren.
    Das biologische Vorbild basiert nicht allein auf Selektion sondern ist auch stark abhängig von Isolation kleiner Gruppen.
    Wenn eine große Webgemeinde nun als Selektionsfaktor agiert, verschiedene Individuen allerdings verschiedene Stile (Klassik / Death Metal) favorisieren, bildet sich ein (Quasi-Öko-)System der Extreme. Vergleichbar mit einer Umgebung, die in kurzen Abständen mal von Eis bedeckt ist und sich dann wieder in eine glühende Wüste verwandelt.

    Leben wäre zwar unter diesen Bedingungen nicht undenkbar aber mit Sicherheit minimalistisch. Ebenso dürfte es sich mit Musik verhalten, die sich dort entwickelt.

    Interessant ist der Ansatz auf jeden Fall und ich würde (und werde vielleicht auch noch) vorschlagen, zu untersuchen, wie sich bereits hoch entwickelte Musikmigranten verschiedener Richtungen unter diesen Bedingungen „verhalten“.

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