Pius-Brüder: Aufbruch in die Anti-Moderne


Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1977 (Bild: AP Archiv)

Die Piusbrüder lehnen die Öffnung der Kirche hin zur Welt prinzipiell ab. Diese Öffnung markierte für die Traditionalisten den Sündenfall der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert schlechthin. Davon war Erzbischof Marcel Lefebvre überzeugt.

Von Henning KlingenDeutschlandfunk

„Aggiornamento“. Wie kein anderes Wort, fasst der Begriff Anlass und Ziel des Zweiten Vatikanischen Konzils zusammen. Aggiornamento meint die Öffnung der katholischen Kirche hin zur Welt. Eine solche Öffnung sei dringend geboten, vermerkte der Konzilspapst Johannes XXIII. in seiner Eröffnungsansprache am 11. Oktober 1962.

Nur die „Unglückspropheten“, so der Papst wörtlich, würden Welt und Kirche trennen und „immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergang stünde“. „Wir aber“, so Johannes XXIII. weiter, „sind völlig anderer Meinung“.

Ein Paradigmenwechsel, ist sich Bernd-Jochen Hilberath, Professor für Ökumenische und Interreligiöse Forschung an der Universität Tübingen, sicher:

„Der Paradigmenwechsel liegt darin, dass sich die römisch-katholische Kirche neu in der Welt positioniert hat. Wichtig ist dabei, dass die Kirche ihr Verhältnis zur Welt jetzt anders versteht als in den Jahrhunderten vor dem Konzil, wo die Kirche der Welt gegenüberstand, sie als feindlich beurteilt hat. Jetzt sagen die Konzilsväter mit überwältigender Mehrheit: Die Kirche ist in der Welt von heute, sie ist solidarisch mit der Welt, sie kann von der Welt lernen.“

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