Grundrechte für Menschenaffen


Junger Orang-Utan, Bild: wikipedia

Gerade noch hat Banjo gelangweilt auf dem Boden gesessen, seinen breiten Rücken den Menschen zugewandt, die sich im Stuttgarter Zoo Wilhelma vor seinem Gehege drängeln. Er scheint sich für nichts zu interessieren als für ein Endchen Hornhaut am Nagelbett seines linken Daumens. «Wie öde», murrt ein junger Mann. Er stellt sich dicht hinter den Gorilla und versucht durch Herumfuchteln und Grimassieren, die Aufmerksamkeit des Affen zu erregen. Mit Erfolg: Der 300-Kilo-Koloss wirbelt herum und hämmert mit der flachen Hand gegen das trennende Panzerglas. Es dröhnt, als hätte er einen gigantischen Gong geschlagen. Die Besucher schreien auf und springen zurück. Während sie sich langsam fassen, sitzt Banjo schon wieder mit dem Rücken an der Scheibe und inspiziert seine schwarzen Fingernägel. Jetzt hat er Ruhe. «Hast ja recht», sage ich mir.

Von Jürgen NakottNational Geographic Deutschland

Das Ereignis liegt einige Jahre zurück. An den Blick, den Banjo den Besuchern über die Schulter zuwarf, erinnere ich mich aber, als wäre es gestern gewesen. «Wieso müsst ihr da draußen euch immer so zum Affen machen?», schien er zu fragen. Mir kam dazu – leicht verändert – der Schlusssatz aus George Orwells „Farm der Tiere“ in den Sinn: «Ich schaute vom Affen zum Menschen und vom Menschen zum Affen und konnte kaum sagen, wer was ist.»

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