Rio+20: Viel Lärm um Alles


Bild: conscienciaampla.com.br

Die internationale Staatengemeinschaft ist nach Ansicht des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) derzeit nicht in der Lage, die dringend notwendige Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft in der gebotenen Geschwindigkeit und Verbindlichkeit voranzutreiben.

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„Das Ende von Mammuttreffen dieser Art scheint näher zu rücken – sie machen viel Lärm um alles. Doch gerade die Vielzahl der aufgerufenen Probleme führt dazu, dass kein einzelnes entschlossen angepackt wird“, so der WBGU-Vorsitzende Hans Joachim Schellnhuber. „Die Zukunft der Menschheit ist zu kostbar, um sie dem fortwährenden Nationalstaaten-Mikado preiszugeben. Nun sind Pioniere aus allen Bereichen der Weltgesellschaft gefragt“. Der stellvertretende WBGU-Vorsitzende Dirk Messner stellt fest: „Das war ein sehr enttäuschender Gipfel, im Vergleich zur Aufbruchstimmung des Erdgipfels von 1992 und angesichts der Dringlichkeit schnellen Handelns zur Vermeidung unumkehrbarer Umweltkrisen. Von der Abschlusserklärung geht kein relevanter Impuls aus“.

Vorreiterallianzen werden immer wichtiger
Nach Ansicht des WBGU werden jetzt Allianzen zwischen Pionierstaaten, Allianzen zwischen Städten, das Engagement von Bürgern, Wirtschaft und Wissenschaft, der Vorreitergeist von Pionieren des Wandels sowie Beispiele für erfolgreiche Projekte der Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit immer wichtiger. Die deutsche Energiewende gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzlich an Bedeutung als internationales Signal für die Machbarkeit und die Vorteile einer klimaverträglichen Entwicklung.

Grüne Transformation außerhalb der Verhandlungen
Auf der Rio+20 Konferenz gab es zwei Parallelwelten. Während die Staatenlenker kein überzeugendes Signal für den zukunftsorientierten Umbau der Weltwirtschaft zu setzen vermochten, zeigte sich in vielen Veranstaltungen im Beiprogramm der Konferenz, dass die Transformation zur Nachhaltigkeit bereits in vollem Gang ist. Die politischen Verhandlungen hinken aus Sicht des WBGU diesen realen Entwicklungen hinterher. Beispielsweise haben sich in Rio de Janeiro über 50 Entwicklungsländer im Konzert mit vielen Privatunternehmen zu ambitionierten Nachhaltigkeitsinitiativen im Energiesektor verpflichtet. Diese orientieren sich an den drei Zielen des UN High Level Panel on Energy bis 2030, die es nicht in die Abschlusserklärung schafften: (1) Die Schaffung von universellem Zugang zu moderner Energie für alle Menschen, (2) die Verdopplung der Energieeffizienz und (3) des Anteils der erneuerbaren Energien an den Energieportfolios der Länder. Eine Gruppe afrikanischer Regierungen, die Weltbank und große Privatunternehmen einigten sich auf konkrete Initiativen zum Schutz des Naturkapitals afrikanischer Länder. Nobelpreisträger erklärten den Unterstützungswillen der Wissenschaft und stellten Fahrpläne für eine klimaverträgliche Transformation vor. Städte schmiedeten Pionierallianzen und Unternehmen präsentierten neueste Umwelttechnologien.

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