Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen ist strafbar


Die Beschneidung Isaaks, Regensburg Pentateuch (zirka 1300), Israel Museum, Jerusalem, Bild: wikipedia

Darf ein Arzt eine Beschneidung vornehmen, auch wenn der chirurgische Eingriff nicht medizinisch notwendig ist? Das Landgericht Köln hat entschieden: nein. Das Wohl des Kindes stehe über der freien Religionsausübung der Eltern. Das Urteil könnte wegweisende Wirkung haben.

Süddeutsche.de

Der Sachverhalt, über den das Landgericht Köln zu entscheiden hatte, ist an sich nicht ungewöhnlich: Ein muslimischer Arzt führt bei einem vierjährigen Jungen eine Beschneidung durch, auf Wunsch der gläubigen Eltern. Der chirurgische Eingriff verläuft zunächst ohne Komplikationen. Doch zwei Tage nach der OP setzen Nachblutungen ein, die Mutter bringt ihren Sohn zur weiteren Versorgung ins Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft Köln bekommt Wind von dem Eingriff – für den keine medizinische Notwendigkeit bestanden hatte – und erhebt Anklage gegen den Mediziner.

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4 Comments

  1. Kurz nach der Geburt wird mancher hilflose Säugling Opfer religiöser Wahnvorstellungen (lies Richard Dawkins: „Der Gotteswahn“ das Kapitel ..über „christliche, jüdische oder muslimische Kinder“).

    Diese barbarische medizinische Amputation der Vorhaut eines Säuglings in Deutschland ist ein Skandal.

    Warum verliert der Arzt nicht sofort seine Approbation?

    Schon im 4.Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hatten die antiken Ärzte mit der Barbarei Schluss gemacht und Ärzte waren nur noch dem Wohl des Patienten verpflichtet.

    Der „Eid des Hippokrates“, benannt nach dem griechischen Arzt von Kos (um 460 bis 370 v. Chr.), gilt als erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik. 

    „Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygeia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.“

    „Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates

    Das Christentum hatte solche bronzezeitliche, orientalische Barbarei mit der Missionierung bei uns erst hoffähig gamacht; mit der Lobpreisung einer brutalen Amputation der Vorhaut des Säugling Jesus‘, die in der katholischen Kirche immer noch am 1. Januar eines jeden Jahres festlich begangen wird.

    Im 9. Jahrhundert wurde durch Papst Paschelis I. eine Jesus zugeschriebene Vorhaut ruhmvoll Heilig gesprochen. Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhundert war diese in der Pfarrkirche von Caleata, nördlich von Rom, in der Region Viterbo immer noch öffentlich zu begaffen. Dann wurde die Heilige Vorhaut Jesu bei einem Umbau der Kirche ‚verlegt‘ und leider nicht wiedergefunden. 😉

    Quelle: José Saramago: Das Evangelium nach Jesus Christus..rororo Taschenbuch S.97/98

    Dies sind wohl die von der Politik in Sonntagsreden so eindringlich beschworenen christlich-jüdischen Wurzeln unser abendländischen Kultur; und wie der Artikel der SZ zeigt, scheint der Islam wie von Altbundesprasident Wullf beschworen bei unserer Medizin auch schon voll angekommen zu sein. 😉

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  2. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, weltliche Ratio gegen religiöse Pimmel-Paranoia auch juristisch in Stellung zu bringen – frustrierend und ernüchternd nur die bis dato zu verzeichnenden Reaktionen seitens der betroffenenen Fraktionen: Keinerlei Einsicht in die auch von medizinischer Vernunft geleitete Urteilsbegründung, sondern im Gegenteil dumpfes, dabei wortklingelndes Beharren auf Tradition und Überlieferung, koste es, was es wolle, und dabei steht letztlich doch ein klein wenig mehr auf dem Spiel als nur vermeintlich überschüssige Hautpartien…

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  3. In diesem Falle muß man das mutige Urteil eines deutschen Gerichtes uneingeschränkt loben. Vielleicht trägt dieses Urteil ja (ein bisschen) dazu bei, dass die unselige Historie des Religiotentums verstärkt wahrgenommen und ins Blickfeld gerückt wird.

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  4. Wenn ein „Gott“ gewollt hätte, dass ein Mann keine Vorhaut haben soll, hätte er sie bei seinem lehmigen Schöpfungsgebastel ja weglassen können. Welches kranke, irdische Gehirn da wohl auf den Gedanken kam, man müsse einem Kleinkind die Vorhaut absäbeln? Auch hier kommt man wieder nur auf den Nenner, so etwas beklopptes als Religion anzunehmen, kann nur bedeuten, dass mit dem „göttlich geschöpften“ Gehirn, bei dem ein oder anderen (wahrscheinlich sogar bei allen) „Gottgeschöpften“, irgend etwas nicht ganz stimmt.?

    PS. Auch ein „gottgeschöpftes Gehirn“ könnte man eigentlich zum Denken verwenden.

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