Her mit dem Blasphemie-Gesetz!


Ging doch: Früher landeten Gotteslästerer auch auf dem Scheiterhaufen.
Foto: imago

Kunst verdient doch nur dann ihren Namen, wenn ihr ein Leidensdruck zugrunde liegt. Oder hat die Fatwa Rushdie etwa geschadet? Schriftsteller Ingo Schulze antwortet Martin Mosebach.

Von Ingo SchulzeBerliner Zeitung

Leider habe ich erst gestern den Essay „Vom Wert des Verbietens“ von Martin Mosebach gelesen – mit Staunen und großer innerer Bewegtheit. Gern hätte ich schon früher meiner Zustimmung Ausdruck verliehen. Denn Martin Mosebach vermag so offen wie kühn wie niemand sonst im deutschen Feuilleton einen Bogen von der Religion über die politische Verfasstheit unseres Staates bis hin zur Ästhetik zu schlagen.

Schon vor einigen Wochen hatte mir Martin Mosebachs Deutung der unleugbaren Tatsache, dass der östliche Teil Deutschlands im Vergleich zum westlichen Teil praktisch nicht innovativ tätig wird, die Augen geöffnet. Gegen alle gängigen Erklärungsmuster verhalf Martin Mosebach dem Tatbestand zur Evidenz, dass nicht nur der verordnete DDR-Atheismus das Land ruiniert hat, sondern dass das Übel letztlich mit Luther als geistigem Brandstifter begann.

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4 Comments

  1. Vorsicht….brillante Satire des Ingo Schulz!

    …und Dank der „Berliner Zeitung“ im politischen Treibhaus der MilliardenSubventionen des Staates an deutsche Staatskirchen wenigstens einige phrasenhafte Missverständnisse eines christlich-jüdischen Erbes aufzuspiessen…wozu auch die treffende Interpretation des Fjodr Michailowitsch Dostojewski in seiner Erzählung „Der Grossinqisitor“ durch Ingo Schulz im BZ-Artikel gehört.
    😉

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  2. Nun ja, entweder ist der Autor total bescheuert oder aber ein genialer Zyniker. Wie dem auch sei, Genie und Wahnsinn liegen seit jeher dicht zusammen.

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  3. Wenn es denn ein Blasphemie-Gesetz geben sollte, hätten wir ein Gesetz, welches es verbietet, religiöse Lügengeschichten – ohne Strafe zu gewärtigen – zu entlarven !!! Die Reli-Lüge würde auf diese Weise von Gesetzes wegen sanktioniert. Im übrigen muß ich offen eingestehen, dass ich den hier zur Diskussion stehenden Artikel, auch nach mehrmaligem lesen, nicht kapiert habe. Meint der Autor allen Ernstes, dass ein Balsphemie-Gesetz her muß ? Ist das ernst gemeint oder evtl. ironisch ? Bitte um Aufklärung.

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