Die schmutzigen Methoden der Homöopathie-Lobby im Netz


Bild: dpa

Arzneimittelhersteller finanzieren einen Journalisten, der die Kritiker ihrer Produkte namentlich an den Netz-Pranger stellt. Bei jedem herkömmlichen Pharmakonzern wäre dies ein Skandal. Doch die Globuli-Hersteller sehen darin kein Problem, sondern einen „konstruktiven Dialog“.

Von Jens LubbadehSüddeutsche.de

Der Google-Pranger funktioniert ganz einfach: Man setzt eine professionell wirkende Webseite auf, in der die Glaubwürdigkeit einer Person untergraben wird. Dann wird der Name der anzuprangernden Person möglichst oft im Text genannt. Die Seite wird nun automatisch unter den oberen Treffern rangieren, wenn jemand nach der Person sucht. Für Menschen, deren Glaubwürdigkeit ihr Kapital ist, beispielsweise Journalisten und Wissenschaftler, ist dieser digitale Rufmord besonders verheerend.

Googelt man den Journalisten Max Rauner, erscheint als einer der ersten Treffer eine Seite des Blogs des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Der Titel: „Max Rauner glänzt mit Halbwissen über Edzard Ernst“. Dem mehrfach preisgekrönten Journalisten Rauner wird in dem Beitrag schlechte Recherche und Verletzung seiner Sorgfaltspflicht als Journalist unterstellt. Rauner habe die Wahrheit für eine gute Story geopfert.

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4 Comments

  1. Kann es sein, dass sich die Ärzte über die Homöopathie nur finanziell schadlos halten, da sie zwischenzeitlich von den übermächtigen politisch regierten Krankenkassen kurz gehalten werden? Über diese Vermutung kann man sicher streiten, aber verständlich ist es alle Mal. Dass es aber vom Gesetzgeber nicht verhindert wird, ist der wahre Grund für diese Ausbeutung der Menschen. Solange die Homöopathie nicht auf die wirklichen Gründe ihrer Funktionsweise reduziert wird, nämlich auf die Wirksamkeit des Placeboeffektes, solange wird es Menschen geben die Globuli kaufen und die Scharlatanerie unterstützen.

    Dass hier die Industrie zu solch dreckigen Mitteln greift ist doch klar – hier stecken Millionen Umsätze dahinter. Was zählt schon ein verleumdeter Mensch in der heutigen Zeit?

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  2. Ich muss Sie korrigieren, Argus7:
    Laut SPIEGEL gibt es bereits über 7.000 Ärzte, die die Homöopathie in ihrer Praxis nutzen. Es ist aus meiner Sicht vermessen, dass Sie alle diese ärztlichen Kollegen pauschal verurteilen.
    Und auch auf die Gefahr hin, dass ich die Eintracht der Meinungen hier störe: Sachliche Kritik an Journalisten muss erlaubt sein! Und dass es begründeten Anlass für Kritik an Max Rauner gibt und gab, und dass die homöopathischen Ärzte dabei Herrn Rauner umfassend zu Wort kommen ließen – das war leider nicht zu seinem journalistischen Vorteil – können Sie gerne hier nachlesen: dzvhae-homoeopathie-blog.de/?p=4919
    Ach ja: Wie wäre es denn mal, wenn Sie sich den Teilen der konventionellen Medizin zuwenden würden, die keine „evidenzbasierte Medizin“ darstellen – also den größten Teilen der etablierten Medizin. Da könnten Sie dann echte Themen finden. – Und ich müsste in der Süddeutschen Zeitung nicht eine „schräge Geschichte“ lesen, die augenscheinlich durch einen Freundschaftsdienst zwischen Journalisten motiviert ist…

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  3. Die beschämende Tatsache, dass es in Deutschland rund 5.000 Ärzte gibt, die alternative Therapien (Homöopathie, Anthroposophie, TCM) anwenden und empfehlen, wirft die Frage auf, ob das Medizinstudium in Deutschland dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht !? Da läuft doch bei der Ärzteausbildung offensichtlich so einiges schief.

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  4. Leute, welche kranken Menschen Globuli unterjubeln, sind auf keinem akzeptablen, ethischen Level. Da ist die Verleumdung noch ein minder großes Übel. Bei denen spielt weniger die Gesundheit ihrer Kunden, als ihr Geld die ausschlaggebende Rolle. Wer sich der Beutelschneiderei in den Weg stellt, wird kurzum verleumdet. (Die Methoden der Menschenverachtung wurden im Übrigen jahrhundertelang von den Kirchen vorgeturnt und geben den Anwendern, sozusagen, den „moralischen Freibrief“ für ihr Vorgehen.

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