Kreationismus in Deutschland „Eine Gefahr für unsere Wissensgesellschaft“


Andreas Beyer, Bild: wdr.de

Kreationisten nehmen die Bibel wörtlich und glauben, dass Gott das Universum, die Erde und alles auf ihr in einzelnen Schöpfungsakten hintereinander erschaffen hat. Die Evolutionstheorie lehnen sie ab – und vermischen Glaube und Pseudo-Wissenschaft. Warum das eine Gefahr für unsere Gesellschaft ist, erklärt der Biologe Andreas Beyer.

WDR Wissen

Andreas Beyer ist Professor für Molekulare Biologie an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und Sprecher der AG Evolutionsbiologie. Diese Arbeitsgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die komplexe Evolutionstheorie vor allem interessierten Laien verständlich zu machen. Zudem setzen sie sich mit Parawissenschaften wie Kreationismus und Intelligent Design auseinander.

Die Bedeutung des Kreationismus in Deutschland war  auch Thema einer Tagung der Evangelischen Akademie im Rheinland, die am vergangenen Wochenende (29.06.2012 bis 01.07.2012) in Bonn stattfand und auf der Andreas Beyer und andere Mitglieder der AG Vorträge hielten. Vorab erklärte er im Interview mit WDR.de, warum der den Kreationismus, dessen Anhänger an die Erschaffung der Welt in einzelnen Schöpfungsakten glauben, für gefährlich hält.

WDR.de: Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage glauben fast 50 Prozent der US-Amerikaner an den Kreationismus – und nicht an die Evolution. Wie schätzen Sie die Situation in Deutschland ein?

Andreas Beyer: In Deutschland sind es nicht ganz so viel, aber jüngste Zahlen gehen von immerhin mehr als zehn Prozent Kreationisten aus. Es gibt unter ihnen unterschiedliche Richtungen und Ausprägungen. Was sie alle eint, ist die Überzeugung, dass die Evolution als natürlicher Prozess nicht stattgefunden hat, sondern dass es da göttliche, also übernatürliche Einwirkungen gegeben hat. Kreationisten im weiteren Sinn, also inklusive Vertretern des Intelligent Design gerechnet, gibt es wahrscheinlich noch deutlich mehr.

weiterlesen

3 Comments

  1. Die Zahlen stimmen sicher nicht ganz, aber gut 1/3 der US-Amerikaner sind total bescheuert

    Nur 5% der US-Ingenieure bezeichnen sich als Christen, 55% der US-Amerikaner geben vor gläubig zu sein. Für 57% ist die Evolution real, 38% glauben an die biblische Schöpfung, der Rest hat dazu keine Meinung. Während 61% der Demokraten an die Evolution glaubt, sind es nur 43% der Republikaner. Der „Science and Engineering Indicator“ belegt, die Mehrheit der US-Amerikaner ist schlicht zu blöd zwischen Wissenschaft und religiöser Pseudowissenschaft zu unterscheiden. Man gibt vor sich für Wissenschaft zu interessieren, 54% wussten nicht einmal, dass die Erde 1 Jahr braucht die Sonne zu umkreisen. Im Land des „homeschooling“ als die Bildung der Zukunft werden Religioten auf der flachen Erdenscheibe gezüchtet. Die sozialen Probleme im bigotten „US-Bibel Belt“ der USA sind ungleich höher und wirtschaftlich fataler als in den nordöstlichen Staaten, die den europäischen Kulturen strukturell ähnlich sind.

    Die Pisa-Resultate aus dem Jahr 2006 sind sehr viel schlechter als die von 2000, die USA rangiert weit hinter den 12 westlichen Top-Nationen. Christliche gebildete Studenten werden an den Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford, Princeton, Yale nicht zugelassen, sie werden von Firmen nicht eingestellt oder umgehend wegen fachlicher Unfähigkeit gefeuert. Die Universität of California akzeptiert keine Absolventen wie etwa der „Association-of-Christian-Schools-International“ nicht, deren Wissen erfüllt nicht die Vorrausetzungen für ein Universitäts Studium. Diese Einschätzung wird der University of California in einem Gerichtsverfahren als zulässig bestätigt. Die Absolventen vieler US-Eliteuniversitäten sind bereits mehrheitlich Ausländer.

    Je besser sich die Bürger in die Wissens- und Leitungsgesellschaften Westeuropas integrieren sind und wichtige Bildungselemente beherrschen, je mehr sind Wohlstand, Rechtssicherheit und soziale Vorsorge verbreitet und die Säkularisierung als Befreiung vom Aberglauben schreitet voran. Neben der Förderung einer freien und unabhängigen Wissenschaft ist die gesellschaftliche Wertschätzung der dafür tätigen Menschen wichtig, ohne dass sich Religioten wegen ihrer Realitätsverweigerung und Absurditäten beleidigt fühlen dürfen. Je mehr ein theokratischer Staat mit einem all-wissenden Popanz uralte Mythen als ewig wahr anbetet und den Bürgern ein paranoides Moraldiktat als Ersatz für Wissenschaft und Medizin vorschreibt, je fataler wirken sich der religiöse Dämonenkult aus und negiert jegliche Menschenrechte.

    Die kreationistischen Republikaner in US-Alabama setzen am 1.10.2011 das Gesetz HB-56, in Kraft, das Illegalen jegliche Bürgerrechte verweigert und sie striktesten Kontrollen unterwirft. Das Resultat ist ein Chaos in der Wirtschaft, über Nacht sind Hunderttausende billige Hilfskräfte in die Nachbarstaaten abgewandert, im Bauwesen und der Landwirtschaft bewirkt das Fehlen Umsatzausfälle um 50% mit Verlusten des Staates bis zu 11 Miliarden US$ und dem Verlust von 140.000 Arbeitplätzen. Führenden Republikanern wird langsam klar, ihr HB-56 Anti Immigration einst angekündigt Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen, ruiniert in Realität die Wirtschaft. Bei hoher US-Arbeitslosigkeit und geringer Unterstützung sind in Alabama und Georgia die US-Bürger nicht gewillt die miese Drecksarbeit in der Landwirtschaft zu tun.

    Gefällt mir

  2. Ist es nicht die Kirche, die die Schöpfungsgeschichte zwingend als Dogma vorschreibt? Somit ist jeder Christ ein Kreationist. Jene Christen, die sich davon distanzieren sind laut Rom keine Christen. Ja was sind sie dann? Diese armen im Geiste sind von der Kirche verstoßen und werden unweigerlich und ewiglich in der Hölle schmoren. 👿
    Ach ja, nur zu eurer Information, für die Kirche ist es nicht wichtig ob ihr glaubt oder nicht – für die ist es nur wichtig, dass ihr bezahlt. 😈

    Gefällt mir

  3. Wie bitte ? In Deutschland soll es nur rund 10 Prozent Kreationisten geben !? Im Vergleich zu den USA, wo angeblich 50 Prozent der Bevölkerung an einen göttlichen Schöpfungsakt glauben, leben hierzulande offensichtlich längst nicht so viele Religioten. Das ist doch schon mal was. Die Amis sind offenbar mehrheitlich noch viel bescheuerter als wir !

    Mich beschleicht trotz dieser für Deutschland günstigen Vergleichswerte ein ungutes Gefühl, wenn ich mir vorstelle, dass z.B. in der Stadt- oder der S-Bahn statistisch gesehen jeder zehnte Fahrgast ein bekloppter Kreationist ist. Wenn da z.B. 30 oder 40 Leute in meiner Nähe sitzen, ist es durchaus möglich, dass einer von den drei oder vier Religioten möglicherweise sogar unmittelbar neben mir sitzt. Ins Kino oder in ein Konzert zu gehen getraue ich mich fast nicht mehr. Und mir vorzustellen, dass ich in einem Fußball-Stadion mit 30 oder 40.000 Zuschauern sitzen muß, treibt mir schon im Vorhinein den Angstschweiß auf die Stirn. Es wird wohl am besten sein, wenn ich einfach zu Hause bleibe und im Brightsblog Kommentare schreibe.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.