Mali: Steinzeit-Islam


Wut der Eiferer: zerstörtes Heiligen-Grab in Timbuktu, ©AFP

In Timbuktu wüten Fanatiker gegen die sufische Volksfrömmigkeit. Die Islamisten zerstören jahrhundertealte Kulturgüter, die sie als unislamisch ablehnen. Das erinnert an andere islamische Weltgegenden.

Von Wolfgang Günter LerchFrankfurter Allgemeine

Man fühlt sich an die Aufsehen erregende, mutwillige Zerstörung der monumentalen Buddha-Statuen im afghanischen Bamian erinnert, und es ist auch derselbe fanatische Geist, der jetzt in Mali die Zerstörer antreibt: Radikale Islamisten, die Al Qaida im arabischen Maghreb nahestehen sollen, wüten in der historischen Stadt Timbuktu; sie zerstören dort Heiligengräber, sogenannte Marabuts, kleine, einfach gehaltene Mausoleen für Sufi-Heilige, welche die Bevölkerung verehrt und die im gesamten westafrikanischen und maghrebinischen Raum seit vielen Jahrhunderten zur Volkskultur und Volksfrömmigkeit gehören. Auch eine Tür zur Sidi Yahya-Moschee wurde zerstört. In Marokko, Mauretanien, im Senegal, in Algerien, Tunesien und Libyen, aber auch in Mali und Niger sind solche Mausoleen weit verbreitet. Dass Timbuktus Bauten durch Entscheidung der Unesco zum Weltkulturerbe gehören, dürfte den „Eifer“ der Fanatiker eher noch stärker angefacht haben, denn sie lehnen dergleichen Verehrung als Teufelswerk ab.

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1 Comment

  1. Das ist Religion in Reinkultur ! Auf diese Art und Weise agiert nun mal das allgegenwärtige Religiotentum. Ob Christen, Muslims oder welche religiöse Spinnergruppe auch immer, sie beherrschen nun mal das Weltgeschehen in Wort und Tat. Da bleibt für Vernunft, humanistisches Denken und Handeln leider kein Spielraum. Dies alles geschieht im Namen Gottes oder Allahs und dieser vorgebliche göttliche Wille ist nun mal bestimmend. Dummerweise kann allerdings keiner dieser extremistischen Fanatiker einen echten, von Gott oder Allah autorisierten Einsatzbefehl vorweisen.

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