Mormonen entdecken Facebook und Co


Tempel: Auch Mormonen setzen auf Social Media (Foto: pixelio.de, tokamuwi)

Neue Online-Strategie soll zu mehr Mitgliedern führen

pressetext.com

Die Glaubensgemeinschaft der aus Utah stammenden Mormonen http://mormon.org setzen bei der Rekrutierung neuer Mitglieder nun verstärkt auf soziale Medien. Mithilfe von Facebook und Twitter wollen sie ihre Missionierungsstrategie revolutionieren und somit ihre religiösen Botschaften schneller und weiter in die Welt hinaustragen. Alleine zwischen den Jahren 2000 und 2010 sind in den USA rund 6,1 Mio. Menschen zu den Mormonen konvertiert. Dies ist ein Anstieg um 45 Prozent. Eine Entwicklung, die sich auch im Internet widerspiegelt.

500.000 „Likes“

Die weltweit rund 14 Mio. Gläubige verzeichnende Kirche will nun intensiv auf den Social-Media-Zug aufspringen. Ein Post auf Facebook könnte in einem Moment 900.000 Menschen erreichen, lässt sich Erich Kopischke, Mormonen-Vorsitzender Europas, von der Times zitieren. Es werde Monate wenn nicht sogar Jahre dauern, um an annähernd so viele Türen zu klopfen. Die offizielle Facebook-Seite hat mittlerweile eine halbe Mio. „Likes“ und auf Twitter folgen den Mormonen rund 13.000 Menschen.

Auch im deutschsprachigen Raum lässt sich diese Entwicklung erkennen. „In den letzten Jahren stoßen immer mehr Menschen im Internet auf unsere Kirche und suchen von sich aus den Kontakt zu uns. Insbesondere junge Leute informieren sich häufig über das Netz, tauschen sich dort über Sinnfragen aus und pflegen so zunehmend ihre sozialen Kontakte. Daher wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen“, erklärt Ralf Grünke, Pressesprecher der Mormonen Deutschlands http://lds.org , im Interview mit pressetext.

Kampagne im Internet erfolgreich

Zudem wurde eine eigene App auf den Markt gebracht, womit sich zufällig in der Nähe befindliche Mitglieder selbst finden und austauschen können. Kürzlich sorgte eine australische Online-Kampagne mit dem Slogan „I’m a Mormon“ für Aufsehen. Getragen wurde sie von dem ehemaligen Rugbyspieler Will Hopoate. „Es war erstaunlich. Nach der Kampagne kamen viele Leute zu uns ohne jemals kontaktiert worden zu sein“, schildert Fritjof Langeland, Missionsleiter in Queensland, Australien.

Insbesondere Personen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren bevorzugen den Erstkontakt über soziale Medien anstatt an der Haustür angesprochen zu werden. „Unsere Erfolgsrate bei Hausbesuchen liegt ungefähr bei 0,5 Prozent. Wenn es einen Empfehlsgeber gibt, steigt diese Quote auf 30 Prozent. Kommt es dabei noch zu einem Missionsgespräch in den eigenen vier Wänden, erhöht sich diese Zahl auf rund 60 Prozent“, erläutert Langeland.

Zugpferd Mitt Romney

Die gegenwärtig große Präsenz der Religionsgemeinschaft in der Öffentlichkeit kommt nicht von irgendwo. Ihr wohl bekanntester Vertreter versucht gerade seinen Fuß in die Tür des Oval Office zu kriegen. Mitt Romney ist bekennender Mormone. Sein offener Umgang damit führt in den USA aktuell zu einem Popularitätsschub der Kirche Jesu Christi der heiligen letzten Tage, wie sie offiziell heißt. Ein Aspekt, der im US-Präsidentschaftswahlkampf kontrovers diskutiert wird. Laut einer aktuellen Umfrage des Gallup-Instituts http://gallup.com sagen 18 Prozent der Amerikaner, ihre Stimme nicht einem Mormonen geben zu wollen.

Laut internen Auslegungen ist es Mormonen verboten, ihre Glaubensangehörigkeit sowie die kircheneigenen Ressourcen für politische Zwecke und Wahlwerbung zu nutzen. Doch angesichts dieser bislang einmaligen politischen Chance könnte dieses Verbot durchaus kippen. Die Kirche könnte sich damit rechtfertigen, dass es sich dabei um die schlichte Unterstützung eines ihrer Mitglieder handelt.