Dodo Juni 2012: Martin Mosebach


Dodo des Monat Juni 2012

Zum Büchnerpreis von 2007 nun den Dodo des Monats Juni 2012. Martin Mosebach hat sich die Würdigung seiner Ewiggestrigkeit redlich verdient.

In seiner Schrift „Vom Wert des Verbietens“, veröffentlicht in der Frankfurter Rundschau, okkupiert er sofort Resultate der Aufklärung, Menschenwürde sei ohne christliche Religion nicht vorstellbar, respektive resultiert aus der Unverlierbarkeit der Würde das – christliche Eigengut. Im Folgenden dringt der Mief des Mittelalters mit seinem reaktionärem katholischen Stallgeruch aus dem von Mosebach Geschriebenen.

Mosebach fordert Zensur und Strafe in der Kunst, wenn diese blasphemisch gegen die religiösen Attitüden der Mehrheit verstösst.. Rede-und Meinungsfreiheit gilt es für ihn einzuschränken. Einzuschränken damit die religiösen Mehrheiten der Gesellschaft ungehindert und vor allem unkritisch ihre irrationalen Glaubenskonstrukte leben können. So angewandt ist das Verbot von Blasphemie eine Gefahr für ein humanistisch-demokratisches Gemeinwesen. Zumal in Deutschland die  Anwendung des Paragrafen 166 StGB durcchaus geboten erscheint, wenn es gilt demokratische Grundrechte einzuschränken. Nur einige Beispiele:

  • Künstler der Gruppe SPUR wurden in der Bundesrepublik Deutschland der 1960er Jahre wegen Gotteslästerung angeklagt.
  • Das Theaterstück „Maria-Syndrom“ von Michael Schmidt-Salomon wurde in Deutschland 1994 verboten.
  • In Kassel wurden von christlichen Extremisten gegen eine Ausstellung von Gerhard Haderer Bombenandrohungen ausgesprochen. Er hatte Jesus Christus als „Kiffer“ gezeichnet. Haderer wurde auch wegen blasphemischer Karikaturen in Griechenland in Abwesenheit zu sieben Monaten Haft verurteilt, später jedoch freigesprochen.
  • Die Popmusikerin Madonna ließ sich während der Bühnenshow eines Live-Konzerts 2006 „ans Kreuz nageln“ und stieß damit auf heftige Kritik bei Kirchenvertretern und Christen. Die Staatsanwaltschaft verwies jedoch darauf, dass Anzeigen wegen Blasphemie nicht zu einer Verurteilung führen würden.

(Quelle: Wikipedia)

Mosebach schwadroniert nun in seinem Essay ohne überhaupt auf den §166 StGB einzugehen. Unwissenheit? Wohl eher nicht; wissende Ignoranz. Wer die Rückkehr der Tridentinischen Messe fordert, das Zweite Vatikanische Konzil lächerlich macht und solche Sätze generiert:

Mosebach

„Nur wer auf Knien glaubt, kann glauben.“

ist ein dem alten katholischen Geist der Voraufklärung verhafteter Sack. Als Antwort fällt mir Ambrose Bierce ein:

Camel and Christ accept their burdens kneeling.

Wobei Mosebach 2012 die Klaviatur des katholischen Bürgertums des 19.Jahrhunderts spielt, zwischen den Zeilen von Mosebach schimmert noch der Kaiser hervor. Fast mitleidig möchte man Mosebach in der Zeit zurückschicken, er hätte einen ausgezeichneten monarchistisch-katholischen Schreiberling abgegeben, dem der Weihrauch aus dem Rektum qualmt. Demokratie ist im ein Greuel. Das Trauma als Katholik lange Zeit unter militanter Vorherrschaft protestantischer Kultur leben zu müssen hat er bis heute nicht verkraftet.
Die wahrscheinlich beste Variante für Mosebach wäre sich im Vatikan, dem Alt-Männerklub der Autoerotiker, als Hofbiograf anzudienen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

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