Wider den atheistischen Fundamentalismus


Thomas Schmidinger, Politik-Wissenschaftlicher Uni Wien und beschnittener, torelanter Atheist

Das Urteil des Kölner Landesgerichts, das in einem Einzelfall die Vorhautbeschneidung eines muslimischen Knaben als Körperverletzung gewertet hat, wurde auch in Österreich von fundamentalistischen Atheisten dazu benutzt, für ein Verbot dieser im Judentum am achten Tag nach der Geburt religiös vorgeschriebenen und im Islam ebenfalls praktizierten harmlosen Praxis einzutreten.

Von Thomas SchmidingerWiener Zeitung

Eine fachgerecht durchgeführte Beschneidung hat keinerlei sexuelle oder gesundheitliche Nachteile und wird von der WHO gegen Peniskrebs und Gebärmutterhalskrebs bei der Partnerin und für manche Regionen der Welt sogar gegen HIV empfohlen.

Jene, die den Staat zum Einschreiten gegen die Religionsfreiheit religiöser Minderheiten auffordern, interessieren allerdings diese Fakten nicht. Ihr „neuer Atheismus“ hat mit dem historisch mit der Arbeiterbewegung und der Aufklärung verbundenen Atheismus nur noch wenig zu tun. Dieses Freidenkertum war primär Herrschaftskritik, insbesondere Kritik an der in vielen Teilen Europas immer noch vorhandenen Verbindung von politischer Herrschaft und bestimmten Staatskirchen. Es sah seinen Kampf gegen die unselige Verquickung von politischer und religiöser Macht als Teil eines Kampfes um eine allgemeine Emanzipation, die letztlich auch diskriminierten religiösen Minderheiten zugute kommen sollte.

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3 Comments

  1. Ein Kind kann hier seine Eltern wegen einer Ohrfeige verklagen, gegen Körperverletzung aus religiösen Gründen haben aber nur Mädchen eine rechtliche Handhabe. Wie soll man das jemandem erklären? Sexuelle Gewalt an Kindern wird schwer bestraft, eine Abschaffung der Verjährung ist in der Diskussion. Soll das mit der Beschneidung funktionieren, muss man den Kindern erklären: Wenn jemand aus seinen(!) religiösen Überzeugungen an dir herumschnippelt ist das völlig in Ordnung. Aber wenn dich später jemand dort berührt, zeige ihn an!

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  2. Jaja, immer diese fundamentalistischen Atheisten. Es ist doch völlig einzusehen, dass man ein acht Tage altes Kind beschneiden muss, damit seine Sexualpartnerin keinen Gebärmutterhalskrebs kriegt.

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  3. Das Kupieren von Hunden ist in Deutschland nicht erlaubt. Aber kleine Kindern soll man verstümmeln dürfen ? Da wird doch irgendwie total schief gedacht.

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