Dogma oder Barmherzigkeit


In der Schule liebe ich Vertretungsstunden. In ihnen kann man Dinge ausprobieren, für die sonst kein Raum ist. So versetzte ich eine 7. Klasse an einem Gymnasium im Osten Berlins in Aufregung, als ich ihr zu Beginn der Stunde mitteilte, die Schulverwaltung habe beschlossen, dass künftig nur noch die Schüler in den Genuss der kirchlichen Feiertage kommen könnten, die Mitglied in einer christlichen Kirche sind.

Von Rainer Wernerstarke-meinungen.de

„Gemein“ und „unfair“ schallte es mir aus der Klasse entgegen. Ich fragte zurück, ob sie denn wüssten, welche Feiertage denn dann wegfielen. Allgemeines Kopfschütteln.  Ich nutzte die Gunst des Augenblicks,  um mit ihnen alle kirchlichen Feiertage des Jahres durchzugehen und ihren historisch-theologischen  Ursprung zu erklären. Dabei konnten mich nur vier Kinder unterstützen, die christlich getauft waren.

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5 Comments

  1. Ich halte Rainer Werner für einen Theologen, der bereits einen gewissen inneren Abstand zu Kirche hat. Die Wortwahl in dem Artikel legt das nahe. Aber austreten oder klar Stellung nehmen will er offenbar nicht, dann könnte er Hausmeister in der Schule werden bei 75% Gehaltskürzung.

    Bei bis zu 15% Unterrichtsausfall an den Schulen gäbe es durchaus nützliche Themen für die Schüler. Mit der Kenntnis der katholische Feiertage im Jahr kann man allenfalls noch die Kopfläuse einiger Schüler vergraulen

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  2. „Die Traditionalisten verweigern das Priesteramt für Frauen allen Ernstes damit, dass Jesus nur männliche Anhänger, die zwölf Jünger, um sich geschart habe. Jahrzehnte der historisierenden Bibelforschung sind an diesen Theologen anscheinend spurlos vorüber gegangen. Was wir einem voraufklärerischen Islam an Buchstabengläubigkeit vorwerfen, wird von Teilen der katholischen Kirche ohne Bedenken praktiziert (Übrigens waren die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu Christi drei Frauen: Maria von Magdala, Johanna und Maria, Jakobus´ Mutter – so das Lukas-Evangelium).“

    Uhm .. erstaunlich wie der Autor sich hier selber gleichzeitig ermahnt und es doch selber macht … Buchstabengläubigkeit … bei der Auferstehung.

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  3. Was haben die Feiertage mit den jeweiligen Religionen zu tun?
    Doch nur insofern, als daß Religion gern okkupiert, was menschen sowieso nicht zu verbieten ist.
    Nicht nur die Feiertage (Ostern das heidnische Fest der Ostara mit ihrem Wildkarnickel, Weihnachten die alte Wintersonnenwende – die sommersonnenwende wollte die Religion immer gern abschaffen, hats nur nicht hinbekommen, etc pp).

    mei Gegenbeispiel (rein konstruiert): ihr habt ein haus. In dieses haus schleichen sich nach und nach ungebetene Gäste ein. Dann fangen die an, das haus zu verändern. Sie fangen mit Kleinigkeiten an, verändern immer mehr, bis schließlich ihr Name an der Tür steht.
    Und dann… ja, dann setzen sie Euch vor die Tür. Denn es ist ihr haus. Also IHR eigener Feiertag, und ihr habt gefälligst draußen zu bleiben.
    Genau so.

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  4. Der Kommentar von jan z. volens sagt:
    26. Juli 2012 um 21:54
    im Originalartikel ist Balsam auf meine Seele. Rainer Werner hat in seinem Artikel durchaus die Problematik der Kirchen erkannt, ist aber selbst Gefangener in diesem Teufelskreis.

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