Robert Spaemann: Dodo des Monats Juli 2012


Dodo des Monat Juli 2012

Robert Spaemann ist ein gottesfürchtiger Mann. Das sei ihm gegönnt. Mit zunehmenden Alter wird die Gottesfurcht manisch. Doch der Reihe nach. Das Satire-Magazin „Titanic“ erkennt mit einem Verweis auf die undichte Stelle im Vatikan, wir erinnern uns an den informativen Abfluss von vatikanischen Interna, dass der Papst sprudelnde Quelle ist und bildet den Pontifex besudelt auf weißer Soutane, vorn und hinten, ab. Satire halt. Vize-Gott Benny erinnert sich vage an Persönlichkeitsrechte und beauftragt einen Rechtsanwalt dieselben einzuklagen. Das Landgericht Hamburg macht sich zum göttlichen Handlanger und verbietet die „geschmacklose“ Abbildung des Vize-Gottes. Was ist das für ein Gott der solche Helfer nötig hat? Lächerlich.
Blasphemie, all jene die heftig für die Meinungsfreiheit gestritten haben, ich erinnere an die Mohammed-Karikaturen, wollen nun die ach so bösen „Hetzer“ gegen Gott, Kirche und Popanz eingeschränkt sehen. Da man sich nicht mehr der hochnotpeinlichen Befragung bzw. des Scheiterhaufens bedienen kann, sollen die blasphemischen Gottlosen hart bestraft werden.
Spaemann will seine Religion und seinen Glauben nicht von „Schmutzkübeln“ übergossen sehen. Philosophisch kann er das nicht begründen, also fabuliert er, der Freund und Berater des Vize-Gottes, theologisch. Er macht den unseriösen Versuch Religion über den Menschen zu heben, will die Beleidigung von Religion doppelt so schwer bestraft sehen, als die Beleidigung von Menschen. So wie er an seinen Gott glaubt, glaubt er an die Philosophie, deren Themenkomplexe er schon lange verlassen hat. Naturwissenschaften als Erkenntnisgewinn akzeptiert er nicht, was bleibt is das Dilettieren in Philosophie und das Schwelgen in göttlicher Theologie, Theologen wie Bultmann oder Holtz sind ihm suspekt, igitt, auch weil protestantisch. Spaemann erzählt theologisch über die Thematik der Stammzellenforschung, die Grünen nennen in metaphorisch einen Ökophilosophen.
Er will seinen Gott und die kleinen göttlichen Helferlein(irdisch) vor der bösen säkularen Welt schützen, dass ist ihm wichtig, Meinungsfreiheit nicht, an seinem Demokratie-Verständnis darf gezweifelt werden.

Fortschrittsfeindlich mosert er im FOCUS:“„Ich glaube nicht, dass die Menschheit noch eine sehr lange Zukunft hat. Ob das jetzt 500 oder 3.000 Jahre sind, weiß ich nicht. Aber dass die Menschheit noch Jahrtausende leben wird, halte ich für extrem unwahrscheinlich.“

Spaemann begründet seine pessimistische Haltung mit dem Fortschritt der Wissenschaften und der Technik und dem scheinbar nicht einsetzenden Bewusstseinswandel  der Menschheit. Bewusstseinswandel für ihn heisst, hin zu Gott, ora et labora und alles wird gut. Soll er.

Menschen die die Frage nach Gott als nicht so wichtig und Zeitverschwendung ansehen sind für ihn „geistlose Menschen.“ Ich mach jetzt nicht den Umkehrschluß, dann wirds idiotisch.

In dem Sinne Herr Spaemann, herzlichen Glückwunsch zum Dodo und seien sie getröstet bei einer möglichen Himmelfahrt ihrer Seele, wird er sie begleiten.

6 Comments

  1. Ich würde vorschlagen, da ja gerade die Olympiade läuft, einen goldenen, silbernen und bronzenen Dodo einzuführen.
    Da es leider offensichtlich immer genügend Kandidaten für den Blödmann des Monats gibt, sollten doch vielleicht die jeweils unterlegenen zweit- und drittplazierten für ihre Anstrengungen doch auch eine entsprechende Würdigung erfahren.
    Vielleicht ist auch als Anregung, sich beim nächsten Mal etwas mehr ins Zeug zu legen… 😉

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  2. Mir scheint wichtig, folgenden Fehlschluss nicht zu begehen: Nur weil Robert der »Dodo des Monats« geworden ist, heißt das selbstverständlich nicht, dass die anderen Nominierten keine Dodos wären. 😉

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  3. Keine Frage ! Spaemann hat sich den „Dodo des Monats Juli“ redlich verdient. Aber auch alle anderen Nominierten hätte man als würdige „Gewinner“ bezeichnen können. Das für mich verwirrendste an der Dodo-Wahl ist, dass es stets viel zuviele Anwärter auf diese „Ehrung“ gibt. Mit anderen Worten: Es gibt mehr religiotische Vollidioten als Dodos zur Verfügung stehen ! Eine leider sehr betrübliche Feststellung.

    @ Frank (@Glamypunk)

    Wir sollten dem russischen Botschafter, Vladimir M. Grinin unsere Meinung bezüglich der Punkband Pussy Riot zur Kenntnis bringen. Hier die Briefanschrift: Botschaft der Russischen Föderation, Unter den Linden 63 – 65, 10117 Berlin.

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