Vatileaks: Infiltriert vom Heiligen Geist


Die Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans bleibt knapp dosiert. Klar scheint nur, dass die Kirche sehr viel weiter gehende Untersuchungen verhindern und deshalb die italienische Justiz nicht einschalten will.

Von Jörg BremerFrankfurter Allgemeine

Papst Benedikt XVI. wird gelegentlich vorgeworfen, er tue sich schwer mit der Auswahl seiner Mitarbeiter. In der Regel ist dann von Kardinälen und Bischöfen die Rede – jetzt wird sein früherer Kammerdiener angeklagt. Im Herbst wird der Prozess gegen Paolo Gabriele eröffnet, der gewiss eine schlechte Wahl war. Der 46 Jahre alte Familienvater soll den Papst bestohlen und vertrauliche Dokumente an die Presse gegeben haben. In psychiatrischen Gutachten wird er als schwache Persönlichkeit mit paranoiden Zügen dargestellt, stets um Anerkennung bemüht und so „ein Objekt für Manipulationen derjenigen, die er für Freunde oder Verbündete hält“.

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2 Comments

  1. @ Manfredo Ferrari

    Deine Beschönigungsversuche ändern rein gar nichts an der Tatsache, dass der Papst der Boss einer zutiefst kriminellen, mafiös organisierten Organisation ist. Er hat alle die seit Bestehen des Papsttums publik gewordenen kriminellen Akte ja nicht selbst begangen, aber er wurde mit der Übernahme seines Amtes zum Mitwisser und somit zum Mitschuldigen der von diesem Verein begangenen Verbrechen. Muß ich dir denn hier die umfangreiche Liste der im Namen Gottes und der kath. Kirche begangenen Verbrechen vorhalten, damit du die kriminelle Energie erkennst, die in der Katholen-Kirche steckt ? Angefangen bei der Inquisition, den Hexenverbrennungen bis hin zu den an Kindern begangenen sexuell motivierten Verbrechen, reiht sich seit Jahrhunderten ein Verbrechen ans andere. Und diese kriminelle Organisation glaubst du verteidigen zu müssen ?

    Stellt sich mir die Frage: Weshalb erwähnst du mit keinem Wort, die Opfer dieser klerikalen Verbrecherbande ? Die innerkirlchlichen Intrigen und Mauscheleien interessiert hier wirklich niemanden.

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  2. Meines Erachtens hat sich Papst Benedikt XVI. von Anbeginn seines Pontifikats alle Mühe gegeben die personelle Situation im Vatikan zu bereinigen. Dies ist ein fast unmögliches Unterfangen, wenn man die Struktur des Vatikans berücksichtigt. Dutzende von Interessengruppen versuchen ihren Einfluss in der katholischen Kirchenzentrale zu verstärken (Opus Dei, Fokolare, Communione e Liberazione, Legionäre Christi, etc.). Auch bemühte er sich gewisse Prälaten in die Schranken zu weisen, die unter dem vorherigen Pontifikat allzuviel Macht errungen haben (siehe Kardinal Crescenzio Sepe, der als Chef der Propaganda Fide zum Erzbistum Neapel wechseln musste).

    Es ist sehr einfach, den Papst aus der Ferne zu kritisieren und ihn mit einem Topmanager eines Wirtschaftsuntrnehmens gleichzusetzen. Im Vatikan herrschen aber andere Sitten und dies schon seit Jahrhunderten. Wenig beachtet wird der massive Einfluss des vatikanischen Staatssekretariats auf die päpstlichen Entscheidungen. Dort liegt meiner Ansicht nach der Schlüssel aller Probleme. Hier laufen alle Fäden der Weltkirche zusammen und werden selektiv an den Pontifex weitergeleitet. Da spielt es kaum eine Rolle, dass heute ein enger Vertrauter des Papstes, Kardinal Tarcisio Bertone, an der Spitze dieser Organisation steht, die er ohnehin nur beschränkt zu leiten fähig ist. Zu gross ist die Bindung der Diplomaten untereinander, die auch dann noch funktioniert wenn starke Exponenten wie Viganò und Parolin ins „Exil“ nach Washington bzw. Caracas geschickt werden.

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