Schmidt-Salomon über kirchliches Arbeitsrecht und Tendenzinteressen


„Die Religionszugehörigkeit sagt rein gar nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt oder eine gute Altenpflegerin ist.“ | Foto: Maridav via shutterstock

Ein Gespräch mit Michael Schmidt-Salomon über das kirchliche Arbeitsrecht, berechtigte Tendenzinteressen und eine alternative humanistische Linie.

Von Thomas Hummitzschdiesseits.de

Was genau verstehen Sie unter religiöser Diskriminierung?

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt liegt immer dann vor, wenn Menschen aufgrund von Eigenschaften benachteiligt werden, die für die Ausübung ihrer Tätigkeit nicht erforderlich sind. So hat beispielsweise eine Anästhesistin keinen religiösen Verkündigungsauftrag. Wird sie in einem Krankenhaus nur deshalb nicht eingestellt, weil ihre weltanschaulichen Überzeugungen nicht mit der Konfession des Trägers übereinstimmen, handelt es sich eindeutig um religiöse Diskriminierung – und damit um einen Grundrechtsverstoß.

Welche Punkte kritisieren Sie am kirchlichen Arbeitsrecht besonders?

Das geltende kirchliche Arbeitsrecht ist mit einer massiven Einschränkung des Rechts auf Religionsfreiheit sowie diverser bürgerlicher Freiheitsrechte verbunden, müssen sich die Arbeitnehmer doch in ihrem Privatleben an den Moralvorstellungen der jeweiligen Kirche orientieren. Besonders gravierend ist dies bekanntlich in katholischen Betrieben, wo die Heirat eines geschiedenen Partners oder das Bekenntnis zu einer homosexuellen Partnerschaft zur fristlosen Kündigung führen kann. Zudem gibt es in konfessionellen Betrieben keinen Betriebsrat und kein Streikrecht. All diese Benachteiligungen haben in einer modernen, offenen Gesellschaft nichts zu suchen.

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