Dodo-Thierse predigt: „Christen sollen sich in Politik einmischen“


Wolfgang Thierse (SPD) sprach am Sonntag in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Zoar in Berlin über die Rolle des christlichen Glaubens in der Politik
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Welche Rolle der christliche Glaube in der Politik spielt und warum Christen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten – darüber sprach Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und bekennender Katholik, am Sonntag in einem Gottesdienst in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Zoar in Berlin.

pro Medienmagazin

„Despotismus kommt ohne Religion aus – Freiheit nicht.“ Mit diesem Zitat des französischen politischen Philosophen Alexandre de Tocqueville begann Thierse seine Predigt. Dem Satz stellte er den Vorwurf von Kritikern gegenüber, Religion sei freiheitsfeindlich und solle sich aus der Politik heraushalten. Aus Sicht der Bibel sei das eine nicht haltbare Forderung, sagte Thierse: „Es gibt viele Bibelstellen, in denen von christlicher Verantwortung für das Miteinander von Menschen die Rede ist. Deshalb ist nicht allein ein geglaubter christlicher Glaube, sondern vielmehr ein gelebter Glaube notwendig.“

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4 Comments

  1. Für mich ist dieser erbärmliche Polit-Religiot Thierse (und die Nahles) der Hauptgrund, dass ich die SPD, der ich mal in der Funktion als Kreisvorstand angehörte, nicht mehr wählen werde. Leider hat sich auch die Partei der Grünen längst ins Abseits gestellt und ist für mich ebenfalls nicht mehr wählbar. Dort bestimmen seit geraumer Zeit die Anhänger alternativer Heilmethoden (Homöopathie, Anthroposophie) die Szene. Aber auch die Polit-Religiotin Göring-Eckardt ist ein guter Grund, diese Partei nicht mehr zu wählen.

    Somit bleibt auf der politischen Ebene in Deutschland nicht mehr viel Wählbares übrig. FDP und CDU sind für mich eben auch keine Alternativen. Es verbleiben derzeit nur noch die Piraten, die sich allerdings noch mächtig entwickeln müßten, um langfristig wählbar zu sein. Der Ruf nach einer sich strikt am Säkularismus orientierten Partei wird immer stärker. Der politische Zusammenschluß aller Konfessionslosen würde einen Machtfaktor darstellen, an dem kein Weg mehr vorbei führen würde.

    In meiner Aufzählung von nicht mehr wählbaren Parteien habe ich die LINKE vergessen, aber die kann man aus vielen Gründen ebenfalls glatt vergessen !

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  2. “ ”Despotismus kommt ohne Religion aus – Freiheit nicht.” Mit diesem Zitat des französischen politischen Philosophen Alexandre de Tocqueville begann Thierse seine Predigt. Dem Satz stellte er den Vorwurf von Kritikern gegenüber, Religion sei freiheitsfeindlich und solle sich aus der Politik heraushalten. Aus Sicht der Bibel sei das eine nicht haltbare Forderung, sagte Thierse: “Es gibt viele Bibelstellen, in denen von christlicher Verantwortung für das Miteinander von Menschen die Rede ist.“ “

    Da hat der gute Tocqueville (1805-59) offenbar etwas gründlich übersehen. Die französische Revolution zog ihre Motivation u.a. auch aus dem Missstand, dass Adel und Kirchenklerus ganz oben auf der Klassenleiter saßen und das Volk auspressten.
    Und Herr Thierse nimmt nicht zur Kenntnis, dass die Bibel über viele Jahrhunderte hervorragend dazu diente, Unterdrückung gegen das Volk zu rechtfertigen. Jesus spricht sich in den Evangelien an keiner Stelle gegen die Sklaverei aus, obwohl sie zu „seiner Zeit“ überall zu sehen war. Auch Paulus mahnt „christliche“ Herren nicht, ihre Sklaven zu entlassen, da Sklaverei gegen die Menschenwürde verstoße. Der Begriff der Menschenwürde ist beiden Protagonisten des NT unbekannt. Mithin kann das Konzept der Unverletzlichleit der Menschenwürde kein originär christliches sein. Aber das ist ja eines von vielen Usurpationen durch die brave Christenfraktion unserer Tage. Auf jede Errungenschaft (auch gegen die Gottesvertreter) kleben sie, wenn sie sie nicht länger bekämpfen können, flugs das Ettikett „christlich“, und schon ‚waren die Christen seit je her dafür, ja ohne sie gäbe es die Befreiung des Menschen gar nicht‘.

    „[Thierse begründete den] Schutz der Menschenwürde … damit, dass Gott jedem Menschen die gleiche Würde verliehen hat, und kritisierte, dass der Mensch in einer Marktwirtschaft auf “Arbeitskraft und Konsument reduziert” würde. Das Evangelium jedoch bemesse den Wert eines Menschen nicht nach dessen Leistung, Geldbeutel oder Erfolg. Stattdessen handele die Bibel von der Würde der Leidenden, der Gescheiterten, der Behinderten, der Armen und der Kranken. “Das Evangelium ist ein befreiender Einspruch gegen die Entmoralisierung der sozialen Beziehung und gegen die Absolutsetzung des ökonomischen Erfolgs”, sagte Thierse.“

    Nein Herr Thierse, das Gegensatzpaar heißt nicht: „Evangelium versus kapitalistische Marktwirtschaft“, sondern allenfalls „Kapitalismus versus soziale Marktwirtschaft“. Oder: Evangelium (Glaube an Jesus, den Erlöser) versus Nichtglaube.

    Man überfrachtet (oder vielleicht doch nicht?) die antiken Texte, die von Glaubenskonstrukten längst vergangener Zeiten berichten, wenn man in ihnen auch noch eine wirksame Kritik der Moderne (mit ihren Übertreibungen in der Reduzierung des Menschen auf seine ökonomische Verwertbarkeit ) herauszulesen meint. Dazu wurden sie gewiss nicht konzipiert, das können sie nicht gemeint haben. An die Moderne konnten deren Verfasser unmöglich gedacht haben, ergo ist ihr Heranziehen für die Probleme unserer Zeit ein untauglicher Fehlgriff.

    Die Probleme von heute müssen mit wachem Verstand und unbedingter Diesseitsgerichtetheit gelöst werden; metaphysische Betrachtungen helfen uns da nicht weiter.

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  3. Er ist ein Träumer – leider wird auch diese Partei bei uns vom blökenden Wahlvolk immer wieder ganz nach vorne gewählt. Da brauchen wir uns nicht zu wundern. Solange solche Leute zu bestimmen haben, werden die Lehrthemen in den Schulen nicht durch die wirklich aktuellen und für die Zukunft wichtigen Themen ersetzt. Immer schön das Jesulein bitten, dass alles gut wird. 👿

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