Bangladesch: Aberglaube treibt Angehörige von Tigeropfern ins Elend


Bild: n24.de

Ihr einziges Vergehen: Bilkis Akther Moynas Ehemann wurde vor fünf Jahren beim Fischen in den Mangrovenwäldern von einem Tiger getötet.

Von Nazrul Islamgreenpeace magazin

Die Konsequenz: Die Mutter und ihre beiden Kinder wurden von der Großfamilie verstoßen und aus ihrem Dorf vertrieben. Die Witwen der Tigeropfer werden in Bangladesch als «Unglückliche» bezeichnet – der Volksglaube besagt, dass der Tod des Mannes die Strafe für ein Vergehen seiner Ehefrau ist. Moyna durfte noch nicht einmal die Leiche ihres Mannes sehen, als die anderen Männer sie zurück ins Dorf trugen. «Das ist ein Schmerz, den ich nicht in Worte fassen kann», erzählt sie.

Nun lebt Moyna in einer provisorischen Hütte aus Stroh und Bambus auf einem Stück Brachland am Rande der Mangrovenwälder im Südwesten Bangladeschs. Manchmal arbeitet sie als Tagelöhnerin im Reisfeld oder auf einer Garnelen-Farm, um sich und die Kinder zu ernähren. Ihre Blutsverwandten ignorieren sie ebenso wie die Familie ihres verstorbenen Mannes – der Aberglaube ist tief verwurzelt in diesen verarmten Dörfern am Rande der Sundarbans, den weltgrößten Mangrovenwäldern und einem wichtigen Habitat für den vom Aussterben bedrohten Bengalischen Tiger. Vom Staat erhält sie keine Hilfe, und manchen «Unglücklichen» ist es sogar untersagt, am Tag eines religiösen Fests eine Geldspende anzunehmen.

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