Christentum mehr als bisher „als eine Einheit sehen“


Den entscheidenden Impuls für eine stärkere Einheit der Christen erwartet Hans Joas von den Gläubigen. (Bild: Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Der Sozialphilosoph Hans Joas findet es katastrophal, wenn die christlichen Kirchen hierzulande zankend zusammen untergingen. Er ist Erstunterzeichner des Aufrufs „Ökumene Jetzt“, weil er die gelebte Einheit der gläubigen Christen stärken und den polemischen Umgang der Konfessionen zurückdrängen will.

Hans Joas im Gespräch mit Dieter KasselDeutschlandradio Kultur

Dieter Kassel: In Berlin wurde vor gut drei Stunden der Aufruf „Ökumene Jetzt“ auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Insgesamt 23 Erstunterzeichner sprechen sich darin für ein Ende der Kirchentrennung in Deutschland aus. Es sind Menschen dabei aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus der Politik zum Beispiel der Bundestagspräsident Norbert Lammert oder auch Annette Schavan, Günter Jauch, der Fernsehmoderator, ist dabei, der Künstler Günther Uecker, gibt auch Männer aus dem Bereich des Sports, Thomas Bach zum Beispiel, die mit unterschrieben haben, genau so wie der Sozialphilosoph Professor Hans Joas.

Er ist zurzeit Fellow beim FRIAS, das ist das Freiburg Institute of Advanced Studies, Mitglied der Berlin-Brandenburger Akademie der Wissenschaften und Vizepräsident der International Sociological Association. Er ist direkt von der Pressekonferenz jetzt zu uns ins Studio gekommen. Guten Tag, Herr Professor Joas!

Hans Joas: Guten Tag, Herr Kassel!

Kassel: Einfache, aber vielleicht gar nicht so leicht zu beantwortende Frage: Warum haben Sie denn mit unterschrieben bei diesem Aufruf?

Joas: Für mich ist ein wesentlicher Grund, mitzuunterschreiben, die Angst, dass das bevorstehende Reformationsjubiläum, das ja jetzt schon über Jahre hinweg gründlich vorbereitet wird auf viele öffentliche Veranstaltungen, zu einer Neuauflage von Konfessionspolemiken in Deutschland führt, wie es sie jahrhundertelang gegeben hat, und wie es zum Beispiel im 19. Jahrhundert wirklich die ganze deutsche Gesellschaft im sogenannten Kulturkampf fast zerrissen hat. Ich glaube, in der gegenwärtigen Situation, in der die Christen beider Konfessionen zusammen tendenziell eine Minderheit in diesem Lande bilden, wäre es katastrophal – und von außen gesehen könnte man sagen lächerlich -, wenn die beiden Konfessionen zusammen gewissermaßen zankend untergehen.

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2 Comments

  1. Über den Glauben kann man recht trefflich streiten. Das liegt nun mal in der Natur der Sache. Jeder Christ glaubt eben etwas anderes und somit ist der Streit geradezu vorprogrammiert. Würden sich die christlichen Brüder und Schwestern darauf beschränken, das zu verinnerlichen und zu akzeptieren, was erwiesen und was Fakt ist, gäbe es diese Streitereien erst gar nicht. Aber von echten Fakten halten die Christen nun mal nicht viel. Sie geben sich mit dem zufrieden, was sie glauben. Und weil das so ist, wird es diese religiotischen Streitereien um des nackten Kaisers Kleider wohl immer und bis in alle Ewigkeit geben. Christen wollen nun mal nicht wissen, sie wollen glauben. Das ist ja auch viel bequemer, da braucht man nicht soviel denken !

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  2. Christentum als Einheit ? Das ewig anhaltende Geschwafel. Wie soll denn das gehen? Da müsste ja der Eine oder Andere etwas abgeben. Zum Abgeben muß man aber, abgesehen von einem glaubhaften Angebot, erst einmal etwas grundsätzliches haben und zwar Einsicht, Nächstenliebe und einen gesunden Verstand. Wie es sich gerade einmal wieder in Nordirland zeigt, sind dies Eigenschaften, welche den über zweitausend Jahre verblödeten und selbstherrlichen Christen total fehlen. Der Sozialphilosoph Joas befürchtet den katastrophalen Untergang der Kirchen bei uns. Eigentlich ist die Zeit überreif, aber Dummheit ist leider immer noch stärker als Selbstachtung und Vernunft.

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