Christian Ulmen: Dodo des Monats August 2012


Dodo des Monat August 2012




Herr Lehmann

„Ich habe überhaupt keine Ahnung, wann das anfing mit der ganzen Scheiße. Das ist das Komische daran. Das ist wie mit dem Untergang des römischen Reichs, da weiß auch keiner wann das eigentlich anfing.“

Die erste große Hauptrolle des Herrn Ulmen, ehedem Sprecher bei MTV, in der Verfilmung des Debüt-Romans „Herr Lehmann“, von Sven Regener, des Sängers der Band Element of Crime.

Keine Ahnung, davon aber viel, scheint sich durch das Leben des Gauklers Ulmen wie ein roter Faden zu ziehen. Mit Atheismus kann er nichts anfangen.

C.Ulmen:

„…fast dümmlich, nicht zu erkennen, dass der eigene Nichtglaube an Gott ja auch nur ein Glaube ist.“

Kurz gesagt, Atheismus ist die wohlbegründete Annahme, dass es keinen Gott/Götter gibt. Wohl wissend, dass der endgültige Beweis der Existenz übernatürlicher Wesen nicht geführt werden kann, die Nichtexistenz ist genauso unbeweisbar. Gott gehört nicht zum Erfahrensraum der Menschen und kann damit nicht erkannt werden. So ungefähr hat es I. Kant formuliert. Es bestehen heftige Zweifel, dass Ulmen sich mit der Literatur, der Philosophie und der Wissenschaft der Aufklärung befasst hat. Bei Anzeichen von Vernunft wären dann die o.g. Plattheiten gar nicht erst geäußert worden.

Klar ist, ohne Religion, ohne Glauben gäbe es keine Atheismus. Der Atheist kümmert sich überhaupt nicht um Götter, Religionen, Glauben. Er hat sein Leben in seine eigenen Hände gelegt und gibt ihm den Sinn, von dem er annimmt, dass es der Richtige ist. Gebets-und Fastenzeiten, heilige Feiertage interessieren ihn nicht. Schutzpatrone, Engel, pinkfarbene Einhörner sind ausserhalb seines Erfahrensraumes und damit für ihn nicht relevant. Das Leben des Atheisten wäre schön, wenn ja, wenn es den Glauben nicht gäbe. So muss er Glockengeläut, Muezzinrufe, Feiertagsruhe, göttliche Werbung, spinnende Politiker, Schwarzkittel, die in Rundfunkbeiräten sitzen und darüber bestimmen, welcher Blödsinn ins Kabelnetz eingespeist wird, ertragen. Er muss sich Experten für Familien,-Ehe-und Sexualberatung anhören, die glaubt man ihnen, noch nie eine Frau angefasst haben, nicht heiraten dürfen und ansonsten von gesunden Handbetrieb oder der Libido ihrer Haushälterinnen leben. Der Atheist, der vor 20 Jahren zum türkischen Gemüsemarkt ging kauft heute bei Muslimen. Homosexuelle werden diskriminiert, soziale Brennpunkte zu religiösen Phantasien herabgewürdigt. Und das soll der Atheist alles ertragen? Abgesehen davon, dass von seinen Steuergeldern, die Pfarrer, Dekane, Bischöfe und Kardinäle bezahlt werden, dass von den Steuergeldern kirchliche Einrichtungen, die zu 90% von Mitteln der öffentlichen Hand leben, betrieben und unterstützt werden.
Mime Ulmen meint dann in etwa, sie haben zu schweigen, die Atheisten. Man kann sich ihrer ja heute nicht mehr entledigen, wie man es vor ein paar hundert Jahren noch konnte.

Ulmen hat dann bei Unterhaltungen mit Atheisten festgestellt, „dass sie mit ihrer Haltung haarscharf an der von Islamisten vorbeischrammen. Von ihrem Anspruch auf die ultimative Wahrheit her“. Offensichtlich ist, dass Ulmen nicht nur keine Ahnung vom Atheismus hat, sondern auch nicht weiß was der Islam ist. Ein Dummschwätzer. Wundern tut mich, dass er nicht gleich die Faschismus-Keule ausgepackt hat, weil Atheisten ja so totalitär sind. Zum Aspekt der ultimativen Wahrheit will ich mich gar nicht äußern.

Mit einem Zitat von Herrn Lehmann habe ich begonnen und so möchte ich auch zum Abschluss kommen Herr Ulmen, auf Ihre Meinung

Herr Lehmann:

„Da scheiß der Hund drauf.“

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

9 Comments

  1. @Argus, ich habe nirgends den Beweis für die Nicht-Existenz Gottes verlangt. Lesen Sie doch noch einmal meinen Text. Interessant, wie reflexartig doch ohne Reflexion hier in die bewährte Gegenargumentsschublade gegriffen wird.

    Selbstverständlich bedeutet Atheismus „ohne Gott“. Der Atheismus ist keine Religion, sondern die Abkehr davon. Gottesgläubige können die Existenz Gottes nicht beweisen und der Atheist muss folgerichtig nicht beweisen müssen, dass es keinen Gott gibt. Hier sind wir uns einig, diese wissenschaftliche Regel gilt. Punkt.

    Und trotzdem hat Herr Ulmen Recht.

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  2. Nickpol könnte ja auch deinen Spezial-Dodo für den dämlichsten Kommentar des Monats vergeben. In diesem Monat wäre für mich Heinrich Förster der erste Anwärter für diese „Ehre“. Seinen Kommentar würde ich wie folgt bewerten: „Dümmer geht’s nümmer !“

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  3. Irgendwann brauchen wir einen „Quadrat-Dodo“ als Kennzeichnung für Super-Religioten. Man kann durchaus steigern
    dumm, saudum, Ulmen-dumm

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  4. Sowohl Christian Ulmen als auch Heinrich Förster unterliegen zweifellos einem gewaltigen Irrtum. In der Wissenschaft ist es nämlich üblich, dass eine Annahme bzw. These mit nachprüfbaren Beweisen belegt werden muß. Es ist aber kompletter Schwachsinn, wenn die Forderung erhoben wird, dass man die Nichtexistenz eines nichtexistenten Wesens (genannt Gott) beweisen müsse. Es besteht für mich kein Zweifel, dass die Protagonisten der Religiotie offenbar nicht den Hauch einer Ahnung haben, wie wissenschaftliches Arbeiten überhaupt funktioniert. Es bedingt ein methodisch-systematisches Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden objektiv nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Informationsquellen müssem offen gelegt und Experimente so beschrieben werden, dass sie reproduziert werden können. Auf diese Weise kann jedermann gleich erkennen, auf welcher Grundlage und anhand welcher Fakten und Beweise der Autor zu seinen Schlussfolgerungen gelangt ist, auf welche Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler er sich beruft und welche neuen Aspekte von ihm sind.
    Diese weltweit allgemein verbindlichen Regeln ermöglichen es gleichzeitig, dass die Wissenschaft sich permanent selbst überprüft und kontrolliert.

    Es stellt sich die Frage, wie kommen Leute wie Ulmen und Förster überhaupt auf die Idee, einen Nicht-Gottesbeweis zu fordern !? Diese Leute sind ja – was ich als Atheist durchaus nachvollziehen kann – noch nicht mal in der Lage, einen wissenschaftlich relevanten und nachprüfbaren Gottesbeweis abzuliefern ! Einen solchen Beweis kann und wird es somit nie geben, womit sich auch ein Gegenbeweis über die Nichtexistenz eines Gottwesens logischerweise erübrigt.

    Apropos Kirchensteuer: Auch hier irrt Heinrich Förster einmal mehr. Es ist nämlich eine mehr als betrübliche Tatsache, dass auch Konfessionslose die Religiotie unfreiwillig mitfinanzieren. Einige kirchliche Aufgaben werden nämlich ausnahmslos allen Steuerzahlern (auch den Konfessionslosen) aufgebürdet. So wird z.B. die Theologenausbildung an Hochschulen, nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern von allen Steuerzahlern finanziert. Das gilt auch für die Ausbildung von Militärgeistlichen, die zudem sogar ihr Handwerkszeug (Bibeln, Unterrichtsmaterialien) und auch ihre sonstigen Spesen vergütet erhalten.

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  5. Ulmen hat vollkommen recht und seine Haltung ist nicht dumm sondern agnostisch. Natürlich bedeutet Atheismus „ohne Gott“ und die Abkehr vom Glauben an Gott. Dennoch: Wissen gibt es nicht. Es gibt Theorien, wissenschaftlich fundierte Indizien, aber keine wissenschaftlich anerkannte unumstößliche Antwort auf die Frage, wo und wie unser Leben exakt entstanden ist. Insofern ist auch das „ohne Gott“ sein eine Entscheidung, die auf Annahme, Vermutung und letztlich einem Glauben basiert. Ohne plumpe Anbetung von nicht erwiesenen Götterfabeln, durchaus, und gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ja, aber eben in der Wurzel auch nur eine Überzeugung, die sich auf Indizien stützt, nicht auf Wissen. Das entspricht in etwa der Definition des Glaubens. In längeren Interviews, zum Beispiel in der ZEIT, hat Ulmen diese Sicht eines Agnostikers klarer heraus kehren können. Vielleicht tut nickpol ganz gut daran, nicht nur die BUNTE zu lesen, aus der diese Zitate stammen.

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