Kreationisten in der Türkei auf dem Vormarsch


Unter der religiös-konservativen AKP-Regierung und Ministerpräsident Tayyip Erdogan habe der Einfluss religiöser Ideen in den Schulfächern zugenommen, sagen Kritiker. (Bild: AP)

In der Türkei wollen über 70 Prozent der Erwachsenen nichts von Evolution wissen. Neben der Darwinschen Lehre wurde der Kreationismus hier schon in den 1980er-Jahren in die Schulbücher aufgenommen. Naturwissenschaftler fürchten, dass er nun auch an den Hochschulen offiziell Einzug halten könnte.

Von Gunnar KöhneDeutschlandfunk

Vergangenen Mai vor der Istanbuler Marmara-Universität. Studenten und Lehrer protestierten gegen eine Veranstaltung, die unter dem unverfänglichen Titel „Warum verneint die Wissenschaft eine Evolution zwischen den Spezies?“ gut zwei Dutzend Darwin-Kritiker zusammen gebracht hat. Als sogenannte Kreationisten bezweifeln sie die Lehre von der Selektion und der gemeinsamen Abstammung von Mensch und Affe. Für sie gilt vielmehr die Schöpfungsgeschichte in Koran und Bibel: Alle Kreaturen sind demnach von Allah geschaffen.

Für die Demonstranten war die Veranstaltung ein gefährlicher Tabubruch: Erstmals durften an einer staatlichen türkischen Universität kreationistische Ideen verbreitet werden. Für Kerem Cankocak, Professor an der Istanbuler Technischen Universität, die fast zwangsläufige Konsequenz einer zunehmend anti-aufklärerischen Bildungspolitik:

„Das ist das Resultat der vergangenen 32 Jahre. Seit dem Militärputsch von 1980 wurden die religiösen Kräfte in Schulen und Universitäten immer mehr gestärkt. Von meinen heutigen Studenten haben 90 Prozent in der Schule nichts über die Evolution gehört oder sie glauben daran nicht. Wie soll ich Biologie, Genetik unterrichten ohne Evolutionslehre?“

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