Und siehe, ein neuer Phänotyp erschien



Brian Baer, Neerja Hajela (CC BY-SA)
Die zwölf Stämme
Die zwölf Kulturflaschen mit den evolvierenden Colibakterien. Die Bezeichnungen auf dem Deckel beziehen sich auf ein Markierungsgen: Sechs der Stämme haben ein funktionstüchtiges Arabinose-Operon, das in Gegenwart bestimmter Chemikalien eine Farbreaktion auslöst, die anderen nicht. Die Markierung soll verhindern, dass unbemerkt Bakterien zwischen zwei Zelllinien übertragen werden.

Es ist lehrreich, Bakterienpopulationen über Tausende von Generationen zu beobachten: Ganz neue Fähigkeiten kommen zum Vorschein, wenn alte Gene sich neu sortieren und verstärken.

Heather Hendrickson & Paul B. RaineySpektrum.de

Evolutionssprünge – etwa die Entwicklung des Fliegens, des Auges oder einer Blüte – sind die Basis der Vielfalt allen Lebens. Gleichzeitig sind Ursprung und Ablauf solcher Sprünge aber nicht leicht zu erklären; schon deshalb, weil sie vor sehr langer Zeit unter ziemlich ungewissen Umständen begannen. Ungeachtet solcher Schwierigkeiten liefert ein Forscherteam um Zachary Blount von der Michigan State University in East Lansing nun molekulare Details zu einer dieser umwälzenden Neuerungen [1]: einem zuvor nicht existenten neuen Phänotypen, der nach 30 000 Generationen erstmals in einer Bakterienkultur auftrat. Mittlerweile haben die Forscher sich ein komplettes Bild der zu Grunde liegenden genetischen Veränderungen machen können. Davor mussten sie allerdings lernen, Ahnformen von Keimen in einem Entwicklungsstand einzufrieren und zu sequenziere – das ermöglichte es am Ende, den evolutionären Sprung nachzuvollziehen.

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Der Artikel ist unter dem Titel „How the unicorn got its horn“ in Nature erschienen.

2 Comments

  1. Wenn man den Original-Artikel in Nature, dessen Inhalt hier dargestellt wird, analysiert, merkt man, wie unglaublich erfinderisch ‚die Evolution‘ vorgeht, typische Flickschusterei eben, die viel kreativer sein kann als solide Ingenieursarbeit am Reißbrett.

    Einen Evolutionsgegner wird diese Arbeit aber nicht besonders überzeugen, denn alle Elemente, die hier eine Rolle spielen, waren schon vorhanden und wurden nur neu kombiniert. Ein Experiment, das die Entstehung von grundlegend Neuem zeigen soll, müsste etwas andere Ergebnisse aufweisen. Selbst wenn man noch so überzeugend zeigen kann, wie nach Duplikation von Genen neue entstehen können, ist die Frage, woher die sich duplizierenden Gene überhaupt kommen, nicht geklärt. Dasselbe gilt für Schalter-Gene, die nur hin und her geschoben werden. Im Prinzip wusste das schon Darwin, dessen Erkenntnis ’nature is prodigal in variety and niggard in innovation‘ diesbezüglich nichts hinzuzufügen ist.

    So gesehen (und ich kann jedem nur empfehlen, den Original-Artikel, den man in einer Online-Version via http://bms.ucsf.edu/sites/ucsf-bms.ixm.ca/files/20121011.strauli.nicolas.pdf ohne Zugang herunterladen kann, zu lesen) bin ich fasziniert von dem, was die Forscher wie herausgefunden haben (viele Details des gesamten Experiments sind mustergültig dargestellt, insgesamt ist dieser Langzeit-Versuch ein Musterbeispiel für erstklassige experimentelle Forschung), wie raffiniert die Evolution doch ist, aber etwas skeptisch, ob das Zweifler des Naturalismus überzeugt.

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  2. Die Entwicklung des Fliegens, des Auges oder einer Blüte gelten als Evolutionssprünge oder neue Phänotypen. Was ist mit der genetischen Entwicklung des Homo-Religioten, der jeden esothärischen Scheiss anbetet und die abgefeimten und kriminellen Verteter mit monatlichen Beiträgen und Abläss entlohnt, um sich einen gepolsterten Sitzt im Paradies zu erkaufen. Im Vergleich damit ist Fliegen geradezu eine harmlose Entwicklung

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