Dodo des Monats September 2012: Johannes Singhammer(CSU)


Dodo des Monat September 2012

Bei den Recherchen für den Dodo-Preisträger des Monats September ging mir ein Licht auf. Ein ganz besonderes Exemplar eines katholischen Fundamentalisten hat es erwischt. Der Mann, Johannes Singhammer, sitzt seit 1994 im Bundestag. Steht sofort die Frage, wer oder was wählt so eine Type?

Paulus an die Galater

„Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“

Mit diesem Zitat wendete sich die Partei Bibelfrommer Christen(PBC) gegen das provokantes Theaterstück „Corpus Christi“, des US-amerikanischen Dramatikers Terrence McNally. Der Dramatiker hat in seinem Bühnenwerk, Jesus und seine Jünger, als saufende Homosexuelle dargestellt. Diese Darstellung verletze aufs Gröbste die religiösen Gefühle der Christenheit. Ach ja, die PBC schäme sich fürs Abendland.

Doch alle Strafanzeigen wegen Verletzung des Paragrafen 166 Strafgesetzbuch wurden abgelehnt. Staatsanwälte und Richter lehnten die Anträge der Fundis einfach ab. Der Frieden sei durch das Theaterstück des Amerikaners nicht gefährdet. Die Stunde des Herrn Singhammer nahte. Endlich konnte er, als Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, für seinen imaginären Freund tätig werden. Ein Griff in die Schublade beförderte einen Gesetzentwurf zum Paragrafen 166 aus dem Jahre 2000 ans Tageslicht. Endlich konnte Singhammer es so richtig krachen lassen.

Abendblatt

„Johannes Singhammer (CSU) plädierte dafür, einen bereits im Jahr 2000 von der Union in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwurf erneut vorzulegen. Danach soll jede öffentliche Beschimpfung eines religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses strafbar sein.

Bislang muss zusätzlich der öffentliche Frieden gefährdet sein. „Der Gesetzentwurf hat eine neue, eine dramatische Aktualität“, betonte Singhammer. Was für ein Angriff auf die Meinungsfreiheit.
Man lasse sich diese geniale Idee mal auf der Zunge zergehen ! Jede, in Worte JEDE, öffentliche Beschimpfung eines religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses soll strafbar sein und zwar nicht nur dann, wenn der öffentliche Friede gefährdet ist.
Absehbarer Kritik auf diesen Gesetzesvorschlag begegnete man von seiten der CDU/CSU mit einem Zitat der „römischen Spukgestalt“:

B16:

„Wenn die Rechtsprechung die Eignung zur Friedensstörung mit fehlenden Krawallen begründet, gibt sie indirekt eine Aufforderung zur gewaltsamen Drohung der eigenen Überzeugung und damit zum Faustrecht.“

Was will denn so ein Traumtänzer wie Singhammer alles schützen? Fasern wir mal die religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisse in Deutschland grob auseinander:
Unter dem Etikett des Christentums finden wir die Römisch-katholische Kirche,, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), das Orthodoxe Christentum, die Neuapostolisch Kirche, die Zeugen Jehovas, die Baptisten, die Mennoniten, die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, die Pfingstler, die Siebenten-Tags-Adventisten, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, die Altkatholische Kirche, die Christliche Wissenschaft, die Anglikaner und viele andere mehr.
Nehmen wir den Islam, Sunniten, Aleviten, Schiiten, Ahmadiyya, Sufi, Ibaditen, ohne vollständig sein zu wollen. Kommen noch Hinduismus, Judentum, Buddhismus und Voodoo-Kulte hinzu.
Weltanschaulich tut sich da auch einiges, Marxismus über Agnostizismus, Anarchismus, Anthroposophie, Freimaurerei, Humanismus, Huna, Pantheismus, Thelema, Fatalismus, Freidenkertum, Panentheismus, Unitarier. Kommen wir zur Mystik, griechische, keltische, germanische und sumerische, neo-gnostische usw. und so fort.

All das soll, so der Willen der religiösen Fanatiker von CDU und CSU unter strafrechtlichen Schutz gestellt werden. Also Sätze wie, „Ron Hubbard ist ein geldgeiler, narzisstischer Idiot“ wären strafwürdig und damit nicht mehr sagbar. Interessant würde es aber werden wenn Geistliche sich gegenseitig beschimpfen würden. Z.B. Inquisitor Müller aus Rom würde den Oberen der Pius-Bruderschaft in Deutschland beschimpfen. Dann müssten Singhammer und Co. ihre Beschimpfungs-Polizei aktiv werden lassen, eine Klageflut ohne Grenzen dürfte das Ergebnis sein.

Singhammer toppt alles. Den Schutz imaginärer Traumvorstellungen opfert er sofort, bereitwillig, Grundrechte, wie Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst. Unseren sogenannten Demokraten sind sie nichts wert. Im Reigen der Katholiban finden wir immerhin Ronald Pofalla, Wolfgang Bosbach, Hermann Gröhe, Norbert Geis, Volker Kauder, Rupert Scholz.

Singhammer findet Trost. Öfters ist er zu Privataudienzen in Rom. Als es um die Reduzierungen von Spätabtreibungen in Deutschland ging, 2009, eilte er mit Ramsauer zur Spukgestalt nach Rom und berichtete über die Diskussionen im Deutschen Bundestag. Honecker und Co. fuhren nach Moskau um sich bei Zar Leonid den Dispens abzuholen, die deutsche Politprominenz wallfahrt in den Petersdom. Die Zuneigung dürfte ähnlich innig sein.
Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

1 Comment

  1. Es stellt sich mir bei dieser Story die Frage, wie man eigentlich jemanden, der über Gott und/oder die Religion lästert und der die Existenz eines Gottes generell in Frage stellt, überhaupt wegen Blasphemie verurteilen kann, wenn es mehr als nur fraglich ist, ob die verleumdete Figur überhaupt real existiert, bzw. überhaupt jemals existiert hat !? Ein Problem, vor das sich jedes Gericht gestellt sieht, wenn es einen Mörder verurteilen soll, es andererseits aber gar keine Leiche gibt !?

    Wirklich seltsame Menschen, diese christlich verseuchten Politiker ! Und – um wieviel bekloppter müssen denn die Wähler und Wählerinnen sein, die solche Figuren ins Parlament wählen !?

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