Genitalverstümmelung, Beschneidung: Ein deutsches Paradoxon


Bild: Steve Simon/Aurora/laif

Viele Frauengruppen bekämpfen die rituelle Verstümmelung weiblicher Genitalien, von der auch Tausende von Frauen in Deutschland betroffen sind. Sie legen dabei grossen Wert auf kulturell sensibles Vorgehen.

Von Ulrich SchmidNeue Zürcher Zeitung

Schon bald wird Deutschland um ein Paradoxon reicher sein. Von zwei rituell praktizierten Verletzungen des kindlichen Körpers wird die eine gesetzlich erlaubt und die andere verboten sein. Der leidenschaftlich geführte Streit um die Beschneidung von Knaben hat zu hastiger legislativer Tätigkeit geführt. Noch in diesem Jahr werden, wenn nicht alles täuscht, die Regierungsparteien, die Sozialdemokraten und die Grünen im Bundestag zu Berlin dafür sorgen, dass Muslime und Juden das Ritual unbescholten und im Gefühl der Rechtssicherheit weiterführen können.

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Ein Gedanke zu “Genitalverstümmelung, Beschneidung: Ein deutsches Paradoxon

  1. Argus7

    Wir sollten endlich unsere ohnehin mühsam aufgebaute Toleranz ablegen und klipp und klar sagen, dass wir uns von den christlichen, jüdischen und muslimischen Religioten und deren makaberen Geboten und Vorschriften nicht länger gängeln und dominieren lassen. Sollte das von der Bundesregierung vorgeschlagene Gesetz vom Parlament gebilligt und somit durchgesetzt werden, bedeutet das nichts anderes, als dass unsere Regierung vor der vereinten Lobby der Religioten eingeknickt ist und der vorsätzlichen Körperverletzung zugestimmt hat.

    Wenn jüdisches und muslimisches Leben ohne das Recht auf Beschneidung in Deutschland nicht mehr möglich sein könne, dann wünsche ich allen Leuten, die diese Ansicht vertreten, eine gute Heimreise. (Anmerkung: Zeitlebens habe ich mit großer Anteilnahme und Sympathie den Kampf der Israelis für ein eigenes Land verfolgt. Es unterstelle mir deshalb niemand eine antisemitische Haltung !)

    Ich gestehe offen ein, dass mir die Problematik der Beschneidung bis vor kurzem nicht bewußt war. Ich hatte auch überhaupt keine realistische Vorstellung von dieser Prozedur. Dieses Nichtwissen und Wegschauen mag man mir jetzt vorhalten, und ich muß das dann auch so akzeptieren. Nachdem ich jetzt besser informiert und mir der Bedeutung und der Tragweite des Beschneidungsaktes bewußt geworden bin, steht mir aber sehr wohl das Recht zu, mich gegen diese altertümliche Prozedur auszusprechen. Den Befürwortern dieser religiotischen Praxis lege ich zudem nahe, sich nicht in die Gesetzgebung in Deutschland einzumischen, Wir dürfen es uns schließlich auch nicht erlauben, Einfluß auf die Gesetzgebung anderer Länder zu nehmen.

    PS: Sollte das in Rede stehende Gesetz vom Parlament verabschiedet werden, ist der Gang vors Bundesverfassungsgericht meines Erachtens die logische Konsequenz. Vorsätzliche Körperverletzung kann schließlich nicht durch ein anderes Gesetz ausgehebelt werden.

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