Türkei: Das Erdogan-Regime auf dem Weg ins Mittelalter?

Fazil Say, Bild: wikipedia/Gundrun Meyer

Der Prozess gegen den Pianisten Fazil Say zeigt: In manchen Bereichen agiert das Erdogan-Regime wie im Mittelalter. Die Regierung hat aus den Fehlern der Kemalisten im Bereich Meinungsfreiheit nichts gelernt.

Deutsch Türkische Nachrichten

Volksverhetzung via Twitter und Beleidigung religiöser Werte – so lautet der lächerliche Vorwurf der türkischen Justiz gegenüber dem türkischen Starpianisten Fazıl Say. Das Zitat eines persischen Dichters und leichtfüßig dahingeschriebene Kommentare sollen also allen Ernstes ein kriminelles Delikt sein (der Künstler selbst kann das kaum glauben – mehr hier)? Am vergangenen Donnerstag begann der Prozess gegen den Künstler, der alle Vorwürfe zurückwies. Der Prozess wurde auf den 18. Februar 2013 vertagt (im Falle einer Verurteilung droht Say die volle Härte der türkischen Justiz – mehr hier).

Fokus schwankt von Regierungs- auf Religionskritik

In der Türkei haben Prozesse gegen kritische Meinungsäußerung eine lange Tradition. Während der Alleinherrschaft der Kemalisten verfolgte der Arm der Justiz vorrangig Kritiker des „Türkentums“. Beleidigungen gegen die türkische Republik oder gar gegen Landesvater Mustafa Kemal Atatürk wurden vehement verfolgt, insbesondere im kurdischen oder armenischen Kontext.

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Beschneidungen passen nicht in eine moderne Gesellschaft

Verletzt die Beschneidung Kinderrechte? Darüber streiten sich die Experten. – Foto: dpa

Seit Generationen werden fast alle Männer in der Familie von Leser Avi Steinberg beschnitten. Er hält diese Tradition für nicht mehr zeitgemäß.

Von Avi SteinbergZEIT ONLINE

In unserer Familienchronik genießt mein Ur-Ur-Ur-Großvater, der 1762 in Frankfurt am Main geborene Rabbiner Moses Schreiber, besonderes Renommee. Er war zu seiner Zeit die bedeutendste Instanz des orthodoxen Judentums in Europa und ein entschiedener Gegner der Reformbewegung, die das Judentum im Geist der Aufklärung modernisieren wollte. Er setzte sich gegen jene zur Wehr, die unter anderem eine Abkehr von der Beschneidung propagierten.

Vor Kurzem berichtete mir eine Verwandte mit Stolz: „Weißt Du, dass Moses Schreiber kurz vor seinem Tod als letztes Kind noch seinen Enkel, also unseren Urgroßvater, beschnitten hat?“ Drei Wochen später starb der Rabbiner im Alter von 77 Jahren. Donnerwetter, dachte ich, der Mann hat sich in dem Alter noch an das Glied eines Babys gewagt! Offensichtlich schützt Gott die Kinder unserer Familie.

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Blasphemie: Sind religiöse Gefühle etwa zweitklassig?

Glorifizierung oder Gotteslästerung? Fahndungsfoto von Christus mit Dornenkrone, von einem unbekannten Künstler mit Hilfe einer Schablone auf eine Mauer gesprüht. Foto: mauritius images

Über Gotteslästerung sollen sich die Gläubigen gefälligst nicht so aufregen, argumentieren die Aufgeklärten. Aber ihre eigenen Gefühle möchten sie sehr wohl vom Staat geschützt wissen.

Von Matthias HeineWELT ONLINE

Ein Wiedergänger erschreckt den Westen: das Gespenst der Gotteslästerung. Besonders nervöse Säkulare sehen sich in ihren düsteren Tagträumen schon auf dem Scheiterhaufen brennen, weil sie am Humanisten-Stammtisch einen religionskritischen Witz erzählt haben. Denn nicht nur in zivilisatorisch zurückgebliebenen Orten wie Khartum oder Moskau gibt es Menschen, die vom Staat erwarten, dass er ihren Gott vor Lästerung schützt. Sondern auch im Herzen des aufgeklärten Europas artikulieren beleidigte Gläubige neuerdings lautstark ihre Empörung.

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Hermann Gröhe fürchtet sich in leeren Kirchen

Hermann Gröhe, Bild: wikipedia/pro Medienmagazin

Angesichts der Gewalt durch radikale Islamisten fordert CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe im FOCUS-Online-Interview, dass sich Christen und friedliche Muslime zusammentun. Denn Sorge macht ihm nicht die Mehrheit der Muslime, sondern die passive Masse der Christen.

Von Martina FietzFOCUS Online

Wie viele Muslime genau in Deutschland leben, weiß derzeit niemand. Das Bundesinnenministerium geht von mehr als vier Millionen aus. Doch Schlagzeilen macht nur eine sehr, sehr kleine Minderheit: die Radikalen unter ihnen. Sie fallen auf, weil sie bundesweit Koranexemplare verteilen, oder weil sie im Mai Polizisten angegriffen haben. Einer von ihnen, Murat K., wurde an diesem Freitag dafür verurteilt. FOCUS Online hat deswegen mit dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gesprochen, über die religiöse Prägung Deutschlands, über Fanatiker und was er gegen sie tun will.

USA: Pray and pay

Die Vereinigten Staaten sind immer noch ein tief gläubiges Land. Doch die Zahl der „Nones“, der Menschen ohne Bekenntnis, wächst. Die großen Verlierer sind die Katholiken.

Von Kurt Remele Die Presse

An einem strahlend schönen Sonntagmorgen fuhr Will Barrett, die Hauptperson in Walker Percys Roman „Die Wiederkehr“, durch eine kleine Stadt im Süden der Vereinigten Staaten. Als er mit seinem Mercedes durch die Church Street kam, strömten gut gekleidete Kirchgänger nach den Gottesdiensten aus ihren verschiedenen Gotteshäusern. Barrett fuhr an folgenden Kirchen vorbei, die sich rechts und links von der Straße befanden: die Christian Church, Church of Christ, Church of God, Church of God in Christ, Church of Christ in God, Assembly of God, Bethel Baptist Church, Independent Presbyterian Church, United Methodist Church und Immaculate Heart of Mary Roman Catholic Church. Auf einer Hinweistafel las er: „African Methodist Episcopal Church: vier Häuserblocks, Starlight Baptist Church: acht Häuserblocks.“ Die Romanszene schließt mit folgender Feststellung: „Er lebte in der christlichsten Nation der Welt, den USA, im christlichsten Teil dieser Nation, dem amerikanischen Süden, im christlichsten Staat im Süden, North Carolina.“

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Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen

Luftaufnahme des Stiftes Heiligenkreuz , Bild: wikipedia/©www.stift-heiligenkreuz.at

Koptischer Bischof Damian und Prof. Obiora Ike begeistern bei Heiligenkreuzer Tagung über Christenverfolgung die Teilnehmer und erinnern an das schwere Schicksal der Christen in Ägypten und Nigeria

kath.net

„Verfolgte und Verfolger – Gewalt und Gottesbilder“. So lautete das Thema einer Tagung über Christenverfolgung im Stift Heiligenkreuz. Veranstalter waren das Institut für Ethik und Sozialwissenschaften der Hochschule Benedikt XVI., die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste und die CSI Österreich. Zur Einführung erinnerte Pater Karl Wallner daran, dass es heute weltweit viele Menschen gibt, die wegen ihres religiösen Bekenntnis verfolgt oder diskriminiert werden und dass bei den verfolgten Gruppen bis zu 70 Prozent Christen seien. Am Donnerstag, den ersten Tag der Tagung, referierte Prof. Michael Ernst über das Thema „Nützt es dir, Gott, dass Du Gewalt verübst?“ Ernst thematisierte in seinem Referat das Thema „Gewalt in der Bibel“ und erinnerte daran, dass am Beginn der Menschheitsgeschichte eine Gewalttat stand, als Kain den Abel erschlug. Das Volk Gottes war immer wieder von Gewalt begleitet und hatte auch Gewalt verübt. So erschlug Mose einen Ägypter, Kriege und Gewalt begleiteten die Landnahmen.

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