Türkische Schulbücher: „Charles Darwin war ein großnasiger Jude“

Charles Darwin, Bild: brightsblog

Türkische Schulkinder haben in den letzten Tagen ihre Schulbücher erhalten. Das interessante daran, wissenschaftliche Persönlichkeiten der Geschichte werden geradezu verketzert. Unter anderem wird Charles Darwin als „großnasiger Jude“ beschrieben.

Die Bücher wurden an hunderte Schulkinder und Studenten im Stadtbezirk Maltepe, der türkischen Hauptstadt, verteilt.

„Der Evolutionsbiologe hätte zwei wirkliche Probleme gehabt. Zuerst sei er Jude gewesen, dann hasste er seine hervorstehende Stirn, die große Nase und seine schlechten Zähne.“

Fakt ist, Darwin war kein Jude und wenn, würde es für die Biologie keine Rolle spielen. Mit einer gehörigen Portion Antisemitismus, so scheint es jedenfalls, will man die Evolutionstheorie in Abrede stellen, in dem man Darwin schlicht und einfach diskreditiert, in dem man die Klischees über das Judentum bedient. Religiöser Fundamentalismus ist in der Türkei wieder en vogue, die religiöse Verblödung gesellschaftlicher Individuen nimmt man billig in Kauf. Dem Laizismus Atatürks jedenfalls hat man abgeschworen.

In einem anderen Buch wird Albert Einstein als „schmutzig“ und „schlampig“ beschrieben und man wirft ihm vor, Seife gegessen zu haben. Das Buch ergänzt, „der traurige Teil an der Geschichte ist, dass die Gestapo Juden in den Öfen verbrannte und Seife produzierte.“

Der Direktor für Bildung im Stadtbezirk Maltepe, Faik Kaptan, daraufhin gewiesen, dass die Schulbücher Antisemitismus enthalten äußerte: “ man kann nicht alle Schulbücher auf die Inhalte kontrollieren, die im Verantwortungsbereich verteilt werden.“

Die Türkei auf dem Marsch in Osmanische Reich, vielleicht verkündet Erdogan das Kalifat, nichts ist ausgeschlossen bei religiösen Eiferern.

Turkish book on Darwin sparks outrage

„Sündflut“ im Marienwallfahrtsort Lourdes

Lourdes Überflutung

Der französische Marienwallfahrtsort Lourdes zieht jährlich mehrere Millionen Pilger an. Jetzt stehen Teile der Stätte unter Wasser. Hunderte Gäste mussten ihre Unterkünfte räumen.

Deutsche Welle

Heftige Regenfälle im Südwesten Frankreichs hatten den durch Lourdes fließenden Fluss Gave de Pau über die Ufer treten lassen. Es kam zu Überschwemmungen nicht nur in den Unterkünften von Pilgern, sondern auch der Wallfahrtstätte selbst.

Notunterkünfte für Pilger

Mehrere hundert Besucher wurden mit Bussen in Notunterkünfte in einem Kongresszentrum und einer Sporthalle gebracht. In der Zufahrtsstraße zu dem Heiligtum stand das Wasser bis zu den Fensterscheiben geparkter Autos.

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Dodo Thierse: Beleidigung religiöser Gefühle wie rassistische Äußerungen behandeln

Dodo-Preisträger und Vizepräsident des deutschen Bundestages Wolfgang Thierse(SPD) hat sich dafür ausgesprochen, dass die Beleidigung religiöser Gefühle ebenso zu behandeln sei, wie rassistische Äußerungen.

Im ZDF-Interview äußert Thierse, bei ca. 1:40 Minuten:

Wolfgang Thierse:

Wir müssen noch mal in dieser Gesellschaft darüber nachdenken, was alles zulässig sein soll. Wir haben Strafbestimmungen gegen die Verletzung persönlicher Ehre; ausländerfeindliche, rassistische Äußerungen stehen unter Strafe, aber die Verletzung von religiösen Gefühlen von Menschen, die doch auch das ganz ernst meinen, die nehmen wir hin und verlangen von ihnen dass sie das alles hinnehmen. Also ich bin sehr dafür, dass wir generell gleich behandeln alle Formen von Ehrverletzung, von Herabwürdigung, von Beleidigung sollten ungefähr gleich behandeln. Das gilt für rassistische Äußerungen und das gilt auch für Beleidigungen religiöser Gefühle.“

Da bleibt nur noch Karlheinz Deschner zu zitieren: „Je größer der Dachschaden, um so schöner der Aufblick zum Himmel.“

Vatileaks: Nur ein „Corvo“

Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele steht seit dem Urteil am 6. Oktober in seiner Wohnung im Vatikan unter Hausarrest. (Bild: picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Am 6. Oktober wurde der ehemalige Kammerdiener des Papstes wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt. Für einige Journalisten ist die Vatileaks-Affäre um den „Corvo“, den diebischen Raben, damit aber noch nicht beendet: Denn anscheinend gab es Hintermänner.

Von Thomas MiggeDeutschlandradio Kultur

„Im Namen seiner Heiligkeit Benedikt XVI., der glorios herrscht, verkündet das Gericht folgendes Urteil: der Angeklagte Paolo Gabriele wird für schuldig befunden.“

Giuseppe Della Torre hat im Namen des Papstes Recht gesprochen. Seit dem Urteil am 6. Oktober steht der ehemalige Kammerdiener in seiner Wohnung im Vatikan unter Hausarrest. Widerspruch gegen das Urteil im Fall Vatileaks will er nicht einlegen. Damit ist der Fall Paolo Gabriele für den Vatikan erledigt. Offiziell jedenfalls. Die extrem kurze Prozessdauer von nur einer Woche und die Strafmilde – die Staatsanwaltschaft hatte eine wesentlich höhere Haftstrafe gefordert – wird von Vatikanexperten als Zeichen dafür gedeutet, dass der für den Kirchenstaat peinliche Fall des diebischen und verräterischen Kammerdieners ad acta gelegt werden soll. Schnell und dauerhaft. Der Vatikan will von den wahren Hintergründen des Falls Gabriele ablenken, davon ist Marco Politi überzeugt. Er ist Vatikanexperte bei der Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“:

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