Vatileaks: Nur ein „Corvo“


Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele steht seit dem Urteil am 6. Oktober in seiner Wohnung im Vatikan unter Hausarrest. (Bild: picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Am 6. Oktober wurde der ehemalige Kammerdiener des Papstes wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt. Für einige Journalisten ist die Vatileaks-Affäre um den „Corvo“, den diebischen Raben, damit aber noch nicht beendet: Denn anscheinend gab es Hintermänner.

Von Thomas MiggeDeutschlandradio Kultur

„Im Namen seiner Heiligkeit Benedikt XVI., der glorios herrscht, verkündet das Gericht folgendes Urteil: der Angeklagte Paolo Gabriele wird für schuldig befunden.“

Giuseppe Della Torre hat im Namen des Papstes Recht gesprochen. Seit dem Urteil am 6. Oktober steht der ehemalige Kammerdiener in seiner Wohnung im Vatikan unter Hausarrest. Widerspruch gegen das Urteil im Fall Vatileaks will er nicht einlegen. Damit ist der Fall Paolo Gabriele für den Vatikan erledigt. Offiziell jedenfalls. Die extrem kurze Prozessdauer von nur einer Woche und die Strafmilde – die Staatsanwaltschaft hatte eine wesentlich höhere Haftstrafe gefordert – wird von Vatikanexperten als Zeichen dafür gedeutet, dass der für den Kirchenstaat peinliche Fall des diebischen und verräterischen Kammerdieners ad acta gelegt werden soll. Schnell und dauerhaft. Der Vatikan will von den wahren Hintergründen des Falls Gabriele ablenken, davon ist Marco Politi überzeugt. Er ist Vatikanexperte bei der Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“:

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