Die „Neue Gruppe der Weltdiener“ und ihre Sektenkinder

Um vier Uhr morgens aufstehen zur 1. Meditation: Kinder sollen nicht spielen, sondern durch Dienen, Verzicht und Leid ihre Seele entwickeln. Bild: WDR

Ist es in Ordnung, wenn Eltern ihre Kinder nachts um vier zur Meditation wecken, auch wenn sie später in der Schule vor Müdigkeit einschlafen?

Redaktion Wilfried Prill menschen hautnah WDR

Darf es sein, dass Kinder keinen Kontakt zu Gleichaltrigen haben, auch wenn sie sich nach Freunden sehnen? Dass sie in absoluter Armut leben müssen, weil die Eltern sich vom Materialismus lösen wollen? Bei der neuen Gruppe der „Weltdiener“ herrscht die Ansicht, Kinder seien „erwachsene Seelen“ in Kinderkörpern und bräuchten keine besondere Rücksicht. Deshalb ist es für die Sekte selbstverständlich, dass Kinder auf Spiel, Spaß und Süßigkeiten verzichten müssen, um ihre „Seele voranzubringen.“

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Zur gleichen Thematik Christ und  WeltAlles für einen

Breivik als Theaterstoff?


Anders Behring Breivik Photo: Reuters

Die Lesung einer Erklärung Breiviks im Rahmen eines Kulturfestivals führt erwartungsgemäß zu einem Kunstskandal. Dabei wird die Frage ignoriert, was an dessen Erklärung überhaupt diskutiert werden soll

Von Peter NowakTELEPOLIS

Im Schatten des Roten Rathauses in unmittelbarer Nähe des Berliner Alexanderplatzes hat man den Eindruck, am Stadtrand zu sein. Wer sich am Abend in die Klosterstraße verirrt, muss schon ein bestimmtes Ziel haben. Zur Zeit wird es vielleicht häufiger das Monologfestival sein, das noch bis zum kommenden Sonntag im Theaterdiscounter in der Klosterstraße stattfindet.

Insgesamt 11 Künstler und Kunstkollektive sind eingeladen, ihre Vorstellungen von dem Thema „Jenseits von Gut und Böse“ darzustellen. Das Festival ist durch eine Veranstaltung auch bundesweit in die Diskussion geraten. Am Samstag hat Milo Rau die Erklärung, die der norwegische Rechtsterrorist Breivik bei seinem Prozess vortrug, von einer Künstlerin verlesen lassen.

„Der 77fache Mörder erläutert seine Taten, bekundet seine Verbundenheit zu Al Qaida, zum schweizerischen Minarettverbot und zur deutschen NSU und skizziert seine Theorie des Untergangs Europas durch Einwanderung und Multikulturalismus. Die Aussagen wurden nicht im Fernsehen übertragen und für die Öffentlichkeit gesperrt. Als Anders B. Breivik spricht Sascha Ö. Soydan“, wird die schon lange vorher ausverkaufte Veranstaltung angekündigt.

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Von Pfaffen und Pillendrehern

Kirchen im Dialog mit der Pharmaindustrie – Zwischen Kuschelkurs und Konfrontation

domradio.de

Wenn Kirchenvertreter und Pharma-Unternehmer miteinander sprechen, geht es manchmal hart zur Sache. Im Mittelpunkt stehen die Geschäfte in Entwicklungsländern. In manchen afrikanischen Staaten betreiben Kirchen fast die Hälfte der Kliniken.

Bei der angeblichen Malaria-Tablette war alles falsch: Herkunft, Chargennummer und Inhaltsstoffe waren frei erfunden, die Heilkraft war gleich null. Aufgespürt wurde die gefälschte Pille im August im Kongo, mangels staatlicher Kontrollen mit einem sogenannten Mini-Lab. Das Kleinlabor passt in zwei Koffer und kann knapp 60 Arzneimittel testen – und somit Patienten vor tödlichen Fehlgriffen bewahren. Das mobile Labor entstand im Rahmen eines Dialogs, den die beiden großen Kirchen in Deutschland seit 1992 mit der Pharmaindustrie führen.

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Progressisten und Traditionalisten liegen der selben Anstalt

Konzil muss als Hermeneutik der Reform, Verbindung von Kontinuität und Erneuerung interpretiert werden

Von Jan BentzZENIT

Im Rahmen der 13. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan hatte ZENIT Gelegenheit, mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, zu sprechen.

ZENIT: Haben Sie in der Vergangenheit bereits an Synoden teilgenommen? Wie sehen Sie den bisherigen Verlauf, gab es positive oder negative Überraschungen?

Kardinal Kurt Koch: Dies ist bereits die vierte Synode, an der ich teilnehme. An zwei Synoden habe ich als Bischof von Basel teilgenommen, nämlich an der außerordentlichen Synode über Europa und dann an der Synode über das Wort Gottes 2008. In meiner neuen Aufgabe habe ich an der Synode über den Mittleren Orient teilgenommen und jetzt an derjenigen über die Neuevangelisierung. Es ist eigentlich immer der gleiche Ablauf, aber bei einer Weltbischofssynode ist es außerordentlich interessant, die ganze Welt anwesend zu haben. Die Erfahrungen aller Bischöfe wahrnehmen zu können, ist schon etwas Besonderes, und dabei zu erfahren, wie verschieden die Kirche in der Welt ist und wie ähnlich dennoch die Problematiken sein können.

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„Gott ist als eine Person mit einer Biografie zu denken“

Der evangelische Theologe Stephan Schaede kritisiert, dass in seiner Kirche immer mehr die zentrale Botschaft verdunkelt wird: Gott muss als Person mit einer Biografie gedacht werden.

Von Matthias KamannDIE WELT

Fünf Jahre sind es noch bis zum großen Jubiläum der Protestanten: 2017 jährt sich zum 500. Mal der Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den kirchlichen Ablasshandel im Jahr 1517. Doch das Reformationsjubiläum bereitet den Evangelischen Schwierigkeiten. Nicht nur weil sie nicht recht wissen, wie sie Luthers Kernbotschaft von der Rechtfertigung des sündigen Menschen durch die göttliche Gnade den Bürgern nahebringen sollen in einer Zeit, in der zumal die ostdeutschen Kernregionen des Protestantismus immer mehr entkirchlichen. Vielmehr fällt es auch vielen evangelischen Christen selbst schwer, offen und im Einklang mit der biblischen Überlieferung von Gott zu reden.

Die Welt: Herr Schaede, in Europa und besonders in Ostdeutschland schwindet der Glaube an den persönlichen Gott der Juden und Christen. Verschwindet die Religion?

Stephan Schaede: Religiosität ist nicht daran gebunden, dass man an einen persönlichen Gott glaubt. Religiosität zeigt sich bei vielen Menschen heute etwa auch dadurch, dass sie an eine höhere unpersönliche Kraft oder Energie glauben.

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