Oxymoron: Im Thinktank mit dem Dalai Lama


Foto: brightsblog

Clemens Wergin saß einen Konferenz-Tag lang neben dem geistlichen Führer der Tibeter, der sich mit Schalk in den Augen einen „buddhistischen Marxisten“ nennt. In Wahrheit ist er wohl eher eine Art erleuchteter Liberaler.

Von Clemens WerginDIE WELT

Der Dalai Lama ist ein Anfasser. Unangenehm ist das nicht. Das Anfassen ist seine Art, einen zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen. Als Distanz gewohnter Westler musste ich mich erst einmal daran gewöhnen. Der Zufall (oder die Hausherren des Legatum-Instituts) hatten mich an einem Londoner Konferenztisch fast einen Tag lang zur Linken des 77-jährigen Mönches platziert. Eine bemerkenswerte Erfahrung.

Es hat etwas Kindliches, fast Naives, wie der Dalai Lama die Hand seines Sitznachbarn immer wieder zwischen seine Hände nimmt, eine oben, eine unten. Sich der Ausstrahlung dieses Mannes zu entziehen fällt schwer. Man will es aber eigentlich auch gar nicht. Denn der oberste Führer der tibetischen Buddhisten tut alles, um nicht als überwältigende Autoritätsperson wahrgenommen zu werden.

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