Unitarier: Zwischen Pantheismus und Atheismus


Betendes Mädchen (Bild: Stock.XCHNG – Cris Watk)

Kann es eine Religionsgemeinschaft geben, die alle konfessionellen Grenzen überschreitet? Was vor allem für Anhänger der großen Buchreligionen schwer vorstellbar ist, das versuchen die Unitarier zu verwirklichen. Sie sind eine weltweite Bewegung. Eine kleine Unitarier-Gemeinschaft gibt es auch in Deutschland.

Von Rainer BrandesDeutschlandfunk

„Wir glauben, dass alles, was ist, eine Ganzheit bildet.“

Dieser Satz findet sich in den sogenannten „Grundgedanken“ der Deutschen Unitarier – einem Dokument, das zwar kein Glaubensbekenntnis ist, das aber die grundlegenden Glaubensinhalte und Prinzipien der Unitarier festhält, auf die sich alle Mitglieder einigen konnten. Und tatsächlich bildet die Aussage, dass alles, was ist, eine Ganzheit bildet, den Kern unitarischen Denkens. Daher auch der Name: „Unitarier“: Das Wort leitet sich aus dem lateinischen „unitas“ ab, was übersetzt „Einheit“ bedeutet. Dahinter steckt die Idee, dass es keine Trennung zwischen einem Diesseits und einem Jenseits gibt. Stattdessen glauben Unitarier an allumfassende schöpferische Kräfte, die sich in allen Dingen äußern.

„Viele Unitarier würden ihre Religion als eine Form des Pantheismus verstehen – also die Vorstellung, dass Gott und Welt untrennbar miteinander verbunden sind. Aber diese Unitarier würden auch nicht von Gott – dem Gott – sprechen, sondern sie würden eher sagen, es gibt schöpferische Kräfte, göttliche Kräfte.“

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2 Comments

  1. Vielleicht sollte an dieser Stelle hingewiesen werden, dass es auch einen religiösen Atheismus gibt. Es besteht also durchaus die praktikable Möglichkeit, Religion und Atheismus zu vereinen. Um das zu können, ist es notwendig, den Begriff Gott aus den üblichen Interpretationen und Vorstellungen zu lösen. Dieser begriff kann durchaus mit anderen Inhalten gefüllt werden. Fundamentale Atheisten drücken sich darum.

    Ich zitiere Einstein:

    „„Das Wort Gottes ist für mich nicht mehr, als der Ausdruck und das Produkt mensch­licher Schwächen. Die Bibel ist eine Sammlung ehrbarer, aber dennoch pri­mitiver Legenden, wel­che doch ganz schön kindisch sind. Keine Interpretation, wie feinsinnig sie auch sein mag, kann das für mich ändern. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, son­dern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbe­grenzte Bewun­derung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissen­schaft enthüllen kann.“

    Und:

    „Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen ist, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös.(…).“

    Rüdiger von Gizycki
    Deutscher Unitarier

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  2. Jeder Glaube an etwas Übersinnliches, sei es Gott, Dämonen, Zampano, Zombie, Pan-Allianz usw., bedeutet die Akzeptanz einer Fremdsteuerung des eigenen Lebens. Diese Steuerung braucht zwangsläufig Lenker, Oberlenker und ganz sicher den obersten Lenker, die alle selbst ernannt die Hand aufhalten und zu ihrem Vorteil die Masse der Einfaltspinsel abzuzocken.

    Atheismus verneint die Existenz derartiger Überwesen, jeder gestaltet sein Leben frei und unbelastet nach seinen Fähigkeiten. Er handelt ohne die vielfältigen Drohungen und Erpressungen durch Fiktionen und Glauben, was davor und danach passieren sollte oder könnte wenn er nicht sklavisch richtig funktioniert. Sein Handeln wird nur bestimmt durch die Gesellschaft, deren typisches Sozialverhalten und den eigenen Egoismus

    Unsere Existenz hat Anfang und Ende in unserer Zeit definiert durch die Bewegung der Erde im Universum mit 250 km/sec, es gibt nichts davor und nichts danach. Unsere Umwelt ist extrem begrenzt, es gibt im Universum Milliarden anderer Welten mit anderen Existenzen nach uns unbekannten Kriterien in jeweils einer anderen Zeit. Darüber mag man spekulieren, nur hat es keinerlei Enfluß auf unser Leben hier. Daraus eigene Verhaltensregeln abzuleiten ist absurd und zeugt von einem soliden Dachschaden.

    Je größer der Dachschaden, um so freier ist der Ausblick nach oben

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