Wolfgang Thierse: Dodo des Monats Oktober 2012


Dodo des Monat Oktober 2012

Zwei Dodos in einem Jahr. Das hat bisher nur der Purpurträger aus München und Freising geschafft, selbst die Domplatte in Köln bringt das nicht. Der Bundestagsvizepräsident und Mitglied des Zentralkommitees der Katholiken in Deutschland ist ein verbohrter SPD-Kathole. Unter Bebel und Liebknecht wäre der Mann gar nicht in der SPD, wohl eher in der Zentrums-Partei, lassen wir ihn also noch einmal zu Wort kommen:

Wolfgang Thierse

Wir müssen noch mal in dieser Gesellschaft darüber nachdenken, was alles zulässig sein soll. Wir haben Strafbestimmungen gegen die Verletzung persönlicher Ehre; ausländerfeindliche, rassistische Äußerungen stehen unter Strafe, aber die Verletzung von religiösen Gefühlen von Menschen, die doch auch das ganz ernst meinen, die nehmen wir hin und verlangen von ihnen dass sie das alles hinnehmen. Also ich bin sehr dafür, dass wir generell gleich behandeln alle Formen von Ehrverletzung, von Herabwürdigung, von Beleidigung sollten ungefähr gleich behandeln. Das gilt für rassistische Äußerungen und das gilt auch für Beleidigungen religiöser Gefühle.“

Wenn es um seinen imaginären Freund geht, findet Thierse sogar deutliche Worte, politisch bringt er da gar nichts auf die Beine, da blubbert er in seinen Bart, wie eine entwichene Flatulenz in voller Badewanne. Er möchte die Beleidigung religiöser Gefühle genauso bestraft wissen, wie es Personen widerfährt, die rassistische Äußerungen tätigen oder gar den Holocaust leugnen, wie sein Bruder im Glauben Williamson. Eine gewissen Rechtslastigkeit ist Herrn Thierse nicht abzusprechen. Da tobt jahrelang der Nazi-Mob durchs Land, ermordet 10 Menschen und Herr Thierse schwätzt über seine religiösen Gefühle, die er geschützt wissen will. Die Blindheit des rechten Auges scheint ausgeprägter Natur zu sein. Da hören wir nichts von Aufklärung, da werden die Bürger des Landes regelrecht verarscht und die Politelite sorgt sich um ihren schweigenden Gott. Solcherart Realitätsblindheit ist nicht mehr zu übertreffen. Dodo Thierse ist das Exempel, dass Rassismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Sein sozialdarwinistischer Genosse Sarrazin hat den Acker bereitet und mit brauner Soße gedüngt.

Das was Thierse propagiert ist nichts anderes als katholischer Rassismus. Blasphemie wäre nur unter Strafe möglich. Die Gefängnisse wären überfüllt, ja selbst seinen göttlichen Übervater in Rom müsste er dann hinter Gitter bringen. Erinnern wir uns an seine Reise nach Südamerika und dem inhaltsschweren Satz: „Die indigenen Völker Südamerikas sind durch den Katholizismus gereinigt worden.“ Wieviele religiöse Gefühle wurden da verletzt, seinerzeit sogar physisch vernichtet, will sagen ermordet. Kritik an seiner Sekte wäre nicht möglich, weil jeder von denen seine religiösen Gefühle geschützt sehen will.

Bliebe noch die Frage zu beantworten, wie der Bundestagsvizepräsident des Landes die Gefühle von 27 Millionen Ungläubigen/Konfessionslosen schützen will? Ein Drittel der Bevölkerung werden weltanschaulich schlichtweg unterschlagen. Autoerotisch huldigen die Bonzen ihrem Gott.

Was Thierse in die Welt ruft ist Relativismus pur. Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Rassismus werden relativiert. Der allmächtige Gott, der machtlos Auschwitz zuließ, wird zum Objekt narzisstischer Spielerein seiner Anhängerschaft.

Als Vizepräsident des Deutschen Bundestages habe Sie ihre Stufe der Inkompetenz erreicht. Mit einer gewissen Freude habe ich die Tatsache zur Kenntnis genommen, dass ihr persönlicher Rückzug aus der Politik bevorsteht. „Nun danket alle Gott“, dass er den Kelch Thierse an uns vorbeiziehen lässt.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

1 Comment

  1. Schmidt-Salomon: Ich glaube nicht, dass die wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, schwerer zu verstehen sind als die seltsamen Geschichten, die uns von religiöser Seite nahegebracht werden. Ich frage Sie: Was ist schwerer zu verstehen? Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir Teil eines evolutionären Prozesses sind, der aus einfachen einzelligen Lebensformen allmählich komplexere Organismen hervorbrachte? Oder der Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen? Man muss sich doch mal überlegen, welche intellektuellen Verrenkungen solche Glaubensinhalte den Menschen abverlangen. Leider lernen die Kinder in Deutschland schon in der Grundschule den biblischen Schöpfungsmythos, während die Evolution als eigenständiges Thema erst im 10. Schuljahr auf dem Lehrplan steht. Hier werden die Prioritäten völlig falsch gesetzt und deshalb muss man sich auch nicht darüber wundern, dass es vielen Menschen so schwerfällt, die Mechanismen der Evolution zu begreifen.

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