Länderfinanzausgleich: Wie man religiöse Minderheiten fördert


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Nirgendwo gibt es so wenige Kirchenmitglieder wie in Sachsen-Anhalt. Pfarrer leben dort trotzdem – und Gläubige, die nicht in der Kirche sind. Ein Besuch auf dem Land.

Von Oliver Markert und Peter SeifertFOCUS ONLINE

Direkt gegenüber der Backstein-Kirche in Hinsdorf wohnt Erika Gassmann. Da liegt es buchstäblich nahe, dass sich die 74-Jährige ehrenamtlich um das Gebäude kümmert. Sie putzt die Fenster, entfernt die Spinnweben, stellt Blumen hin, schließt auf, schließt ab, führt Besucher herum. Die Orgel haben die Hinsdorfer saniert, fünf Leute trugen den Blasebalg nach unten und wieder auf die Empore. Eine Toilette gibt es inzwischen, gleich links vom Portal, auch eine Küche. Erika Gassmann fühlt sich als Teil der Landgemeinde Quellendorf in Sachsen-Anhalt. Kirchenmitglied ist sie nicht.

Der Deutschen Demokratischen Republik war die Kirche ein Dorn im Auge. Wer etwas werden wollte in der DDR, der ging in die Partei, und wer in der Partei war, lebte seinen Glauben nicht. So sieht das jedenfalls Gassmann. Ihr Gatte und sie wollten etwas werden, er arbeitete immerhin als erster Schaltwärter im Kraftwerk, sie protokollierte die Zahlen.