Caritas und Diakonie: Selbsterfindung mit Staatsknete


Der Deutsche Caritasverband besteht aus 900 lokalen Organisationen, dazu gehören auch der Malteser-Hilfsdienst und Bahnhofsmissionen.
Altenpflege und Krankenhäuser betreibt die Caritas an 5000 Standorten. Die Marktanteile sinken tendenziell.
Werkstätten für Behinderte gehören ebenso zu den klassischen Einrichtungen.
Flüchtlingshilfe ist ein relativ neuer Bereich, wegen des geringen kirchlichen Bezugs intern umstritten.
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Ob Kita-Ausbau, Ganztagsschule oder Altenpflege – in den Wachstumsfeldern des Sozialstaats spielen die kirchlichen Wohlfahrtsträger Caritas und Diakonie die entscheidenden Rollen. Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit haben sie ein expansives Perpetuum mobile konstruiert: Sie erfinden sich selbst immer neue Aufgaben, der Staat gibt das Geld.

Von Konrad FischerWirtschaftswoche

Wenn Hans-Georg Liegener neue Märkte erschließt, dann macht er dazu ein verdrießliches Gesicht. Das bereitet vielleicht weniger Freude, als Rohbauten zu taufen oder mit noblen Füllfederhaltern Verträge zu unterzeichnen. Aber so sind nun mal die Regeln des Geschäfts. Wer hier erfolgreich sein will, braucht den Trauerblick.

„Dass viele Menschen heute ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, macht uns traurig und betroffen“, sagt Liegener. Er leitet die Caritas Krefeld, das Sozialunternehmen der katholischen Kirche am Niederrhein. Neben ihm sitzen ein Umweltminister, ein Herr von der Verbraucherzentrale und einer vom Energieversorger. Durch die Energiewende steigen die Preise für Strom, und jeden der vier betrifft das Folgeproblem der steigenden Zahl von säumigen Stromzahlern irgendwie. Den Mann von den Stadtwerken kosten sie Umsätze, der Verbraucherzentrale bescheren sie übervolle Sprechstunden und dem Umweltminister politischen Ärger. Und Herrn Liegener von der Caritas?

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