Das Strafrecht muss sich zurückhalten


dpa

Die Beschneidung von Jungen soll gesetzlich geregelt werden. Gleich zwei Entwürfe wurden dazu nun dem Bundestag vorgelegt – sie unterscheiden sich stark. Doch nur ein Gesetz ist das richtige: Das, welches nicht massiv in das Judentum eingreift.

Von Heribert PrantlSüddeutsche.de

Es gibt Handlungen, die eigentlich gefährlich sind, aber von der Gesellschaft nicht missbilligt werden; sie gelten als üblich und sind oft von Tradition getragen. Strafbarkeit kommt daher nicht in Betracht; im Strafrecht wird das auch unter dem Stichwort „Sozialadäquanz“ diskutiert.

Bis vor Kurzem konnte man annehmen, dass die Beschneidung – die im Judentum und im Islam zum Bekenntniskanon gehört – sozial adäquat, also strafrechtlich unverdächtig ist. Das Urteil des Landgerichts Köln vom Mai hat gezeigt, dass das nicht so ist. Weil Gläubigen und Ärzten die dadurch entstandene Rechtsunsicherheit nicht zugemutet werden kann, ist ein Gesetz nötig.

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4 Comments

  1. Diesen Kommentar habe unter den Kommentar von Prantl geschrieben. Er wurde nicht veröffentlicht.

    Herr Prantl, wenn es ernst wird, merkt man welche Ausbildung Sie genossen haben.
    http://www.ifp-kma.de/
    „Einblicke in die Struktur einer katholischen Journalistenschule
    Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) ist die Journalistenschule in Trägerschaft der Katholischen Kirche. Das ifp wurde 1968 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gegründet und bildet Journalistinnen und Journalisten für alle Medien aus. Hier erfahren Sie mehr über unsere nachhaltige und wertorientierte Ausrichtung, die Menschen hinter den Ausbildungsgängen und die Organisation der Journalistenschule.“
    Absolventen:
    http://www.ifp-kma.de/Absolventen/Personenindex.html

    Sie haben eine katholische Ausbildung genossen. Das Ergebniss ist Ihr Kommentar!

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  2. Was mich stört, dass Prantl für die Körperverletzung der Beschneidung sich expressis verbis nur auf das Judentum beruft, den Islam aber auslässt.
    Er verlangt schlicht und einfach nichts anderes als die gesellschaftliche Akzeptanz der rechtlichen Ungleichbehandlung von Individuen.
    Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland äußerte sich in einem Interview(Süddeutsche) dahingehend, dass man über alles reden können, das Recht der Beschneidung von Knaben aber konstitutiv sei. Damit führt sich Kramer selbst ad absurdum. Über konstitutives Recht kann man sich eben nicht mehr unterhalten, diskutieren. Damit ist nichts anderes gesagt als die Tatsache, es geht um politische Interessen, um politische Macht. Die Vorhaut kleiner Jungs wird zur politischen Profilierung, bis hin zur Erpressung genutzt und eine Gesellschaft missbraucht. Prantl weiß das, lässt aber genau dieses Wissen nicht in seinen Kommentar einfließen. Prantl macht sich zum medialen Manipulator.

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  3. Prantl schreibt: »Archaisch? Auch wenn das so wäre: Das deutsche Strafrecht ist kein Instrument zur Judenmission, und Strafe kein Mittel der spirituellen Aufklärung.«

    Würden die Juden (oder andere Religionsanhänger) noch heute Ehebrecherinnen steinigen, Homosexuelle ächten und töten, Sklaven kaufen und halten – wie es im Umkreis des Beschneidungsgebots steht – dürften sich dann unsere Gesetzgeber auch nicht einmischen? Zudem: Wir haben heute gute, »aufgeklärte« Gründe, solche Praktiken zu verbieten. Sie träfen auch auf die Beschneidung wehrloser Kinder zu.

    Heute gegen rechtsextremistische Umtriebe zu protestieren und zu demonstrieren ist ungefährlich. Rückwirkend den Menschen unter der Hitler-Diktatur vorzuwerfen, sie hätten dem nationalsozialistischen Terror keinen Widerstand entgegengesetzt, ist billig. Den heutigen, von den Religionen ausgehenden Bedrohungen der Menschenrechte entgegenzutreten, das wäre nicht nur dringend notwendig, sondern erfordert inzwischen wirklich Mut. Hier gehen unsere Politiker und viele Intellektuelle, die sonst so eloquent und detailkundig unsere jüngste Geschichte analysieren und uns ständig auffordern, daraus zu lernen, elegant in Deckung. Wer half den mutigen Filmemachern, Rechtsanwälten, Künstlern und Exmuslimen, die es wagten, den Abbau von Meinungsfreiheit zu thematisieren und sich gegen religiös motivierte sexuelle Unterdrückung einzusetzen? Sie verloren ihr Leben, gaben aus Angst ihren Beruf auf, leben unter ständigem Polizeischutz oder müssen sich noch den Vorwurf gefallen lassen, angeblich bewusst provoziert zu haben. Stattdessen werden – wie im vorliegenden Fall auch – von Leitartiklern und Feuilletonisten sogar renommierter Blätter spitzfindige Überlegungen angestellt, dass auch Menschenrechte wie körperliche Unversehrtheit, sexuelle Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit oder Schutz vor ehelicher Gewalt gelegentlich vor religiös-kulturellen Eigenarten zurückzustehen hätten gezeigt. Hier bestünde wirklich Anlass, aus der Geschichte zu lernen, aber die Bedrohungen werden offensichtlich bagatellisiert. Wegsehen, Beschwichtigen, für alles Verständnis zeigen ist billig und ungefährlich, auf die Dauer aber tödlich, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat.

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  4. *kotz würg*

    „Gott(!) sei Dank“, daß er richtig heftig Gegenwind bekommt, wie schon bei seinen älteren Äußerungen zum Thema.

    Möchte hier auffordern, diesem (Troll?) Artikel weiterhin lautstark entgegenzutreten.

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