„Mission Gottesreich“ oder: Die Kriminalisierung der Evangelikalen


Bild: mission-gottesreich.de
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Eigentlich könnte ich mich ruhig zurücklehnen und sagen, dass mich der größte Teil des Buches „Mission Gottesreich“ nicht betrifft. Doch dann gibt es da die platten Aussagen, die so fern der Realität sind.
So heißt es von den Evangelikalen: „Die Gläubigen leben isoliert, Kontakt zur Außenwelt ist nicht erwünscht.“ (MG 9). Das ganze Buch widerlegt das ja, werden doch ungezählte Kontakte zu Politik, Wirtschaft, Medien und Kirchen kritisiert.

Von Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas SchirrmacherDie Evangelikalen

Ich selbst war kürzlich beim Syrisch-orthodoxen Erzbischof im Kloster Warburg, da wir uns für seine Kirche in der Türkei und im Irak einsetzen. Die Tage davor war ich bei einem Symposium der Bundeswehr in Strausberg, einer OSZE-Tagung in Wien, einem Arbeitsgespräch mit dem Vatikan und referierte auf einem Symposium an der Universität Bamberg zwischen katholischen, jüdischen und muslimischen Referenten zur Religionsfreiheit. Sieht so das Arbeitsprogramm eines Menschen aus, der isoliert lebt und keine Kontakte zur Außenwelt wünscht?

Warum dann reagieren? Wenn alles in die Tat umgesetzt würde, was die Journalisten fordern, wäre es morgen praktisch unmöglich, evangelikal zu sein, zumindest in der Öffentlichkeit. Unsere Religionsfreiheit und unsere Meinungs- und Pressefreiheit wäre dahin und zwar ganz gleich, zu welcher der ungezählten, sich teilweise theologisch misstrauenden Richtungen man gehört.

Verfolgung (religiöser) Minderheiten beginnt weltweit mit Desinformation, geht dann in konkrete Diskriminierung über und endet mit konkreter Verfolgung.

Die Autoren betreiben die Desinformation bereits im großen Stil und fordern unverblümt die Diskriminierung im großen Stil (Evangelikale sollten keine Medien, keine Politikerkontakte, keine Veröffentlichungsmöglichkeiten haben, ihnen sollten Gemeinnützigkeit und Unterstützung aus Steuergeldern entzogen werden, ihre Schule sollten strenger reglementiert werden usw.)

Solch weitgreifende Beschränkungen hat in Deutschland schon lange keiner mehr gegen eine Religionsgemeinschaft gefordert!

Wenn ich mich also für andere evangelikale und andere christliche Strömungen einsetze, die ich theologisch gar nicht teile, dann deshalb, weil ich die politische Marschrichtung der Autoren für höchst gefährlich halte. Religionsfreiheit ist bei ihnen nicht mehr vom Rechtsstaat abhängig – die Autoren kritisieren ja gerade Behörden, die entschieden haben, dass die Evangelikalen nicht gegen Gesetze verstoßen. Religionsfreiheit ist dann noch nicht einmal vom Wohlwollen anderer Kirchen abhängig – denn auch die EKD wird fortlaufend kritisiert, dass sie zu eng mit den Evangelikalen verbandelt sei. Sondern die Religionsfreiheit ist dann allein vom Wohl und Wehe schlecht und recht recherchierender und religiös kaum beschlagener Journalisten abhängig, und zwar auch nur von denen einer bestimmten politischen Couleur.

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