Gottesstaat Bayern: Zocken an „stillen Tagen“ verboten


bayern_VGHDeus lo vult könnte man sagen. Er will es aber nicht, jedenfalls sind seine Intentionen diesbezüglich nicht bekannt. Das Bodenpersonal des Allmächtigen kennt aber die Wünsche und Befindlichkeiten und setzt sie durch. Es geht um den Fakt, ob das Verbot zum Betrieb von Spielhallen mit verfassungsrechtlich gewährleisteter Berufsfreiheit vereinbar ist.

Wie aus der Überschrift ersichtlich ist es das offensichtlich. Aschermittwoch, Gründonnerstag und Karsamstag darf in Bayern nicht gezockt werden. Obwohl ich noch nie eine Spielhalle von Innen gesehen habe ist es doch signifikant zu erkennen, wie weitreichend Einschnitte aus religiöser Bevormundung gehen.

Aschermittwoch, das Ende der Narrenzeit, Ruhe ist angesagt. Nach Tagen des gottgefälligen Saufens und der Heiterkeit, fährt der gute Christ nach Bad Pyrmont zum entschlacken. Hat er doch reichlich Giftstoffe aufnehmen können. Natürlich ist Entschlacken ohne Gottes-Segen oder seiner Knechte einfach nur profan und eines Christen, auch saufenden, unwürdig. Ein Christ geht dann nicht ins Spiel-Casino und zockt sich seinen Brägen frei. In andächtiger Art und Weise hat er Gott zu danken, dass seine Leber noch mitspült und die Ehefrau die karnevalistischen Seitensprünge nicht mitbekommen hat. Ab Aschermittwoch wird gefastet, das Fressen und Saufen, die Völlerei schlechthin ist bis Ostern passè. Zocken nun auch, wie uns der bayrische Verwaltungsgerichtshof wissen lässt.
Am fünften Tag der Karwoche, Gründonnerstag, gedenken die Christen des letzten Abendmahles von Jesus und seinen 12 Aposteln. Da ist kollektive Trauer angesagt und besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe) und grüne Kräuter sind zur Ernährung empfohlen. Der Verwaltungsgerichtshof hat das bisher noch nicht geregelt. Die Christen dürfen mit Sicherheit hoffen, es wird kommen. Keine fetten Haxen, Weißwurst, so etwas gehört juristisch, will sagen verwaltungsrechtlich geregelt. Freudenschreie von Gewinnern an Spielautomaten sind obsolet.

Karfreitag dann der Tag der Tage. Da wird der Todesstunde des Gottessohnes gedacht, da ist man nicht fröhlich, lebenslustig, da sagt der gute Christ, Scheiße warum lebe ich und Christus nicht. Um die Christenheit nun nicht ganz in depressive Stimmungen verfallen zu lassen, zur Verhinderung des kollektiven Suizids, vermittelt man die frohe Botschaft für den Ostersonntag. Still sind da nur noch die Biergärten, ansonsten ist wieder christliche Völlerei angesagt, der Gottessohn fährt ja bald in den Himmel. Wie schön. Bleibt die Frage, wann die Richter des Verwaltungsgerichtshofes nach Oben fahren? Es wäre nicht schlecht. Die rechtliche Bevormundung von Menschen hätte, zumindestens vorübergehend, ein Ende.

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 22.10.2012
– 22 B 10.2398

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