Mit Empörung ist die Marke Steiner nicht zu erledigen


Irene Wagner bietet in „Der lange Schatten Rudolf Steiners. Die okkulten Hintergründe von Waldorf & Co“ ein anthroposophisches Absurditätenkabinett ohne Erkenntniswert

Von Christiane Barzliteraturkritik.de

Rudolf Steiner ist bis heute der erfolgreichste Esoteriker der vorletzten Jahrhundertwende. Das liegt nicht in erster Linie an der Originalität der von ihm in den weltanschaulichen Neuorientierungswirren nach 1900 entwickelten Anthroposophie, sondern an deren praktischen Wirkungsfeldern, die sich als Marken Waldorf, Weleda und Demeter weit über Deutschland hinaus großen Zuspruchs erfreuen. Steiners Äther- und Astralleiber, planetarische Weltentwicklungsstufen und Wurzelrassen lösen dagegen außerhalb der Anthroposophengemeinde weithin Befremden aus. Nach wie vor gibt es ein beträchtliches Kenntnis- und Akzeptanzgefälle zwischen Theorie und Praxis der Anthroposophie.

Dieses Gefälle – jedenfalls für den Bereich der Kenntnisse – kritisch abzutragen, lässt der Titel von Irene Wagners Buch „Rudolf Steiners langer Schatten. Die okkulten Hintergründe von Waldorf & Co“ erwarten. In der Tat sind hier mehrere potentielle Hintergrundschichten auszuleuchten: Zunächst die Anthroposophie, deren Menschenbild, Weltanschauung und Erkenntnisbegriff die Grundlage für die Entwicklung der Praxisfelder Pädagogik, Medizin, Landbau, Tanz, Architektur und Ästhetik bilden. Davon unablösbar ist wiederum der kulturhistorische Hintergrund der Anthroposophie selbst: die Theosophie.

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